13. November 2003
Philharmonie

Finnische Wellen

Ein Gastspiel des SWR Sinfonieorchesters in der Philharmonie

Programm

György Ligeti
"Apparitions" für Orchester

Jean Sibelius
Sinfonie Nr. 6 d-moll op. 104

Magnus Lindberg
Konzert für Violoncello und Orchester

Jean Sibelius
Sinfonie Nr. 7 C-Dur op. 105

Mitwirkende

SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg
Jukka-Pekka Saraste: Dirigent
Anssi Karttunen: Violoncello

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Finnische Wellen

Ein Gastspiel des SWR Sinfonieorchesters in der Philharmonie

Von Nancy Chapple

Im ersten Konzert einer Reihe von Gastkonzerten verschiedener Rundfunkorchester in der Philharmonie bot das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg ein Programm mit zwei Sinfonien von Jean Sibelius und Werken von György Ligeti und Magnus Lindberg. Unter der Leitung von Jukka-Pekka Saraste war die musikalische Leistung ungleichmäßig, aber mit jedem Stück überzeugten Orchester und Dirigent mehr.

Obwohl Ligetis Apparitions vor bald 50 Jahren komponiert wurde, scheint das Publikum noch große Probleme mit dem sehr leisen Anfang und den zaghaften Klängen zu haben. Das Bild eines riesigen Netzwerks, eine Art Spinnwebe, wo jede musikalische Regung sofort andere Regungen in vielen Instrumenten auslöst, scheint passend.

Saraste gibt den Schlag sehr präzise an. Vielleicht aus Bescheidenheit brachte er in Sibelius' 6. Sinfonie die einzelnen Sätze sehr plötzlich zu Ende, liess nichts ausklingen. Man hörte die einzelnen Instrumentengruppen, aber es fehlte der Zusammenhang; die thematische Bewegung von einer Passage zur nächsten war nicht organisch. Dabei spielte das Orchester gut, wenn auch nicht fesselnd. Im Poco vivace waren die plötzlich anschwellenden Crescendi der schönste Effekt und endlich war es im vierten Satz eine Freude, einen warmen, reichhaltigen Klang von den Streichern zu hören.

Anssi Karttunen

Nach der blassen ersten Hälfte wurden die gebremsten Erwartungen für die zweite bei weitem übertroffen. Lindbergs Cellokonzert ist ein faszinierendes Stück. Der Solist, Anssi Karttunen, spielte leidenschaftlich, wurde aber leider oft vom Orchester überdeckt. Die Themen oder musikalischen Ideen wechselten oft vom Cello auf die anderen Instrumente, oder gelegentlich anders herum. Bei der Kadenz wirkte er endlich solistisch, richtig souverän. Das Publikum würdigte seine Leistung, in dem er mehrmals auf die Bühne zurückgerufen wurde.

Die siebte Sibelius-Sinfonie dirigierte Saraste ohne Noten und sofort wirkte das Ganze ungleich freier. Der musikalische Stoff war wohl ergiebiger: lyrische Melodien für die Streicher, dramatische Passagen in den Bläsern. Hier wirkte die Entwicklung innerhalb der Sätze doch organisch und überzeugend. Teile des Orchesters traten in angeregten Dialog miteinander. Mit einem reichhaltigen und befriedigenden Vibrato-Klang ragten die ersten Geigen besonders heraus: Der Klang kam wie große Wellen über die Zuhörer - aufregend und aufwühlend - und riss sie mit. Der Schlussapplaus wollte nicht enden.



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