26. November 2003
Kammermusiksaal der Philharmonie

Ein Abend mit Violine und Klavier bei Spectrum Concerts

Programm

Claude Debussy
Sonate für Violine und Klavier

Gabriel Fauré
Sonate für Violine und Klavier in A-Dur op. 13

Maurice Ravel
Sonate für Violine und Klavier in G-Dur
Sonate Posthume für Violine und Klavier
Tzigane

Mitwirkende

Spectrum Concerts Berlin
Janine Jansen - Violine
Kathryn Stott - Klavier

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Ein Abend mit Violine und Klavier bei Spectrum Concerts

Von Jens Paape

Das war schon ein "goldenes Händchen", dass Frank Dodge, künstlerischer Leiter von Spectrum Concerts Berlin, 1998 hatte, als er die damals 20-jährige Geigerin Janine Jansen für sein Ensemble gewinnen konnte. Inzwischen ist sie eine gefragte Solisten und spielt mit den großen Orchestern rund um den Globus. Das heutige Spectrum Konzert widmete Jansen dem 1996 gestorbenen Geigenvirtuosen Philipp Hirshhorn, bei dem sie mehrere Jahre Unterricht hatte. Trotz ihrer technischen Qualitäten würde ich Jansen eher als Musikerin denn als Geigerin bezeichnen. Sie verleiht den Werken Leben, erforscht deren Stimmung und Charakter und kann dies auch dem Zuhörer vermitteln.

Kathtny Stott

Die erste Hälfte des Konzerts war geprägt durch das hervorragende Zusammenspiel von Janine Jansen und Kathryn Stott. Debussys letzte Sonate aus dem Jahr 1917 beinhaltet viele dramatische cresendi/decresendi, ein An- und Abschwellen in kurzen Zeitabständen, manchmal in nur einem Takt oder sogar auf nur einem Ton. Beide Musikerinnen schöpften diese Stellen voll aus, es hörte sich fast "einfach" an. Leider brauchte Jansen eine kleine Aufwärmphase, die sehr leisen Töne in der Geige waren anfangs etwas zittrig. Mit dem Beginn von Faurés Sonate op.13 war diese leichte Unsicherheit jedoch verschwunden und die gewaltige Energie, die in diesem Stück steckt, wurde von beiden souverän und mit großer Spielfreude umgesetzt. In beiden Stücken war zu spüren, dass das Duo ein gemeinsames Verständnis für diese Musik hatte und die Interpretation gemeinsam erarbeitet war.

Die zweite Hälfte des Konzerts unterschied sich in zweifacher Hinsicht deutlich von der ersten. Zum einen durch die Auswahl der Stücke: Obwohl nur unwesentlich jünger, lebte Ravel in einer anderen Zeit, seine Stücke klingen moderner, er hatte den Sprung ins 20. Jahrhundert geschafft, nach dem Debussy und Faure noch suchten.

Janine Jansen

Ravels Sonate in G-Dur würde man heute wahrscheinlich unter Crossover einordnen. In seiner Einführung sprach Habakuk Traber von Blues-Elementen wie zum Beispiel "Blue Notes". Der 2. Satz hat aber sicherlich mehr als nur Blues-Elemente, man fühlt sich beinahe ins Harlem der 20er Jahre zurückversetzt, in eine dunkle Kellerbar mit Fats Waller am Klavier. Beinahe, denn leider war die im ersten Teil hervorragende Pianistin hier - und das ist der zweite Unterschied zur ersten Konzerthälfte - nicht in der Lage, die Stimmung des Stückes umzusetzen. Sie spielte zwar brav alle Synkopen, Betonungen etc. vom Blatt, aber dieses Stück erfordert mehr: Man muß die Stimmung aufsaugen und sich zu eigen machen - weg von den Noten, einfach rauslassen. Glücklicherweise kompensierte Jansen das, was Stott fehlte; sie spielte "schmutzig" und provokativ. Der dritte Satz heißt Perpetuum Mobile und dieser Name passt: Unentwegte, einerseits gleichförmige Bewegung, die jedoch immer wieder durch Nuancen und kleine Höhepunkte unterbrochen wird, wunderschön gespielt von Jansen.

Bei Ravels Sonate Posthume wurde die Unstimmigkeit zwischen Geige und Klavier noch deutlicher, es gab keine Einheit mehr. Man hätte sich ganz auf die Geige konzentrieren können, wenn es nicht im Klavier undifferenzierte, teilweise zu laute Einsätze und Betonungen gegeben hätte.

Zum Abschluß Tzigane, ein Paradestück für Geigenvirtuosen: Hier legte Janine Jansen die Noten beiseite, spielte auswendig. Wenn man dieses Stück auch nur leicht zögerlich spielt, wirkt es nicht, aber sie ging volles Risiko. Unglaublich die absolut sauberen schnellen Doppelgriffe und die Pizzicato-Stellen, in denen mit rechter und linker Hand gleichzeitig gezupft wird oder sogar rechts gestrichen, links gezupft.

Auch wenn der langanhaltende Schlußapplaus vor allem Janine Jansen galt, für die gemeinsame Leistung in der ersten Hälfte hatte ihn auch Kathryn Stott verdient.



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