24. Juni 2003
Kammermusiksaal der Philharmonie

Drei Franzosen zum Saisonabschluß

Programm

Arthur Honegger
Sonatine für Violine und Violoncello (1932)

Maurice Ravel
Trio für Violine, Violoncello und Klavier a-moll (1914)

Gabriel Fauré
Quartett für Klavier, Violine, Viola und Violoncello g-moll (1886)

Mitwirkende

Spectrum Concerts Berlin
Daniel Blumenthal, Klavier
Frank Dodge, Violoncello
Janine Jansen, Violine
Joël Waterman, Viola
Christian Poltéra, Violoncello

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Drei Franzosen zum Saisonabschluß

Von Jens Paape

Mit Honegger, Ravel und Fauré standen drei französische Komponisten aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert auf dem Programm des heutigen Abends von Spectrum Concerts. Die Stücke gehören - wie fast immer bei Spectrum - nicht zu den "Best of Classic", aber gerade das macht ja die Konzerte zu etwas Besonderem. Nicht nur, weil der Zuhörer Ungewohntes, manchmal Unbekanntes geboten bekommt, sondern weil man sich gerade bei nicht so häufig gespielten Werken öffnet und die Interpretation auf sich wirken läßt. Und man muß schon sagen: wie immer haben die Musiker überzeugt.

Gruppenbild Spectrum Concert Berlin

Die Sonatine für Violine und Cello von Arthur Honegger war das modernste Stück des Abends, auch wenn sich Honegger stilistisch hier nicht eindeutig festlegen läßt: wilden, expressionistischen Klängen folgen kurze, fast schnulzige Passagen. Sehr schön war der ruhige, durchgehend gedämpft gespielte 2. Satz, in dem die beiden Musiker sich die Stimmen des Fugato souverän zuspielten. Die Interpretation war ausdrucksstark, auch wenn man Christian Poltéra sein Engagement an der Körpersprache nicht ansah. Besonders deutlich wurde dies im 3. Satz: Janine Jansen versuchte mit intensivem Blickkontakt den musikalischen Dialog auch persönlich aufzunehmen, Poltéra blickte jedoch durchgehend hochkonzentriert auf die Noten.

Obwohl nur knapp 20 Jahre früher komponiert, klingt Ravels Trio im Gegensatz fast altmodisch. Im 2. Satz begeisterte die unglaubliche Präzision, mit der die drei Musiker die schnellen Passagen, die Wechsel zwischen Pizzikato und gestrichen meisterten, ganz besonders in der Schlußkadenz. Der 3. Satz beginnt mit einem einfachen Thema im Baß des Klaviers, das später immer wieder von Cello und Violine aufgenommen wird. Obwohl der Kern des Themas eigentlich nur aus vier Tönen besteht, gelang es dem Trio mit den mal versetzt mal parallel erklingenden Stimmen eine schöne Spannung aufzubauen.

Bei Fauré übernimmt auch dann das Klavier eine entscheidende Rolle. Auch hier überzeugte das nunmehr zum Quartett angewachsene Ensemble durch Spielfreude, Ausdruck und Präzision. Nach den beiden schnellen ersten Sätzen bildeten die Sätze drei und vier eine ausdrucksvolle Steigerung: Zunächst der ruhige, fast zarte 3. Satz, in dem besonders Bratsche und Geige durch ihr Zusammenspiel glänzten - das Thema wandert zwischen beiden hin und her. Dann der dramatische 4. Satz, in dem alle noch einmal ihr Bestes gaben.



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