22. Januar 2003
Kammermusiksaal der Philharmonie

Kammermusik auf höchstem Niveau

15 Jahre Spectrum Concerts in Berlin

Programm

Robert Helps
Nocturne für Streichquartett (1960)

Laura Schwendinger
Celestial City für Klavier, Violine, Viola, Violoncello und Klarinette (2002)
(Uraufführung)

Johannes Brahms
Trio für Horn, Violine und Klavier, Op. 40

Ernst von Dohnányi
Sextett für Klavier, Violine, Viola, Violoncello, Klarinette und Horn, Op. 37 (1933)

Mitwirkende

Spectrum Concerts Berlin
Daniel Blumenthal, Klavier
Janine Jansen, Violine
Quinten de Roos, Violine
Joel Waterman, Viola
Frank Dodge, Violoncello
Lars Wouters van den Oudenweijer, Klarinette
Ron Schaaper, Horn

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Kammermusik auf höchstem Niveau

15 Jahre Spectrum Concerts in Berlin

Von Nancy Chapple

Gruppenbild Spectrum Concert Berlin

Spectrum Concerts Berlin wurde vor 15 Jahren unter der künstlerischen Leitung des amerikanischen Cellisten, Frank Dodge, gegründet. Dieser Kammermusikabend wurde als Jubiläumskonzert beworben und gefeiert. Nicht ohne Stolz wird darauf verwiesen, dass das Ensemble seit seiner Gründung ohne staatlichen Subventionen auskommt, jedoch etliche Gönner in Form eines Förderkreises hat. Dr. Richard von Weizsäcker, Ehrenmitglied des Förderkreises, hielt eine kurze Rede am Anfang der zweiten Konzerthälfte, in der er dieses Modell und auch die deutsch-amerikanische Freundschaft lobte. Etliche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens waren anwesend und das Publikum war - ungewöhnlich für die Berliner Konzertszene - entsprechend fein angezogen. Obwohl das Ensemble seit 15 Jahren - wie auch an diesem Abend - für höchste musikalische Qualität steht, war der Saal leider nur halb gefüllt.

Die kurze Nocturne vom 2001 verstorbenen Robert Helps, dessen Werke über die Jahre immer wieder im Spectrum-Repertoire auftauchen, ist ein subtiles und atmosphärisches Stück, und es bildete einen schönen Einstieg in einen Abend spannend und professionell gespielter Kammermusik. Laura Schwendingers Celestial City, Auftragswerk für das Ensemble zum Gedenken an die Opfer des 11. Sept. 2001 komponiert, bildete dazu einen großen Kontrast. Die Musik war laut, mit viel dramatischen Gesten gespickt. Oft überlappten die Phrasen: zum Beispiel fing die Klarinette an und die Geige spielte das Ende der Phrase mit. Im kleinen wurden kurze Motive wiederholt, aber nicht über die größere Form hinweg, so dass man keinen Eindruck musikalischer Entwicklung gewann. Die Klavierstimme spielte oft synkopiert zu den anderen Stimmen. Das ganze Stück wirkte emphatisch und deklamatorisch. Auffallend das dezidierte, gestaltende Spiel der einzigen Frau in der Gruppe, der Geigerin Janine Jansen.

Janine Jansen

Unvermittelte und auch unkomplizierte Freude entsprang der Aufführung des leicht zugänglichen Brahms-Trios. Erstaunlich klar und schön spielte das Horn, rhythmisch präzise. Der erste Satz eröffnete schön und sanft mit deliziösen Synkopationen im Mittelteil. Die schnellen Sätze spielte das Trio sportlich schnell, sowohl das Scherzo wie auch die Finale. Daniel Blumenthal setzte im Scherzo sehr diskret das Pedal ein, um ein gestochenes Stakkato hervorzubringen. Jansen fieberte jeden Einsatz entgegen, ungebändigt musikalisch. Die drei Musiker formten einen überzeugenden Spannungsbogen von pianissimo mesto bis hin zu passionato im reichhaltigen langsamen Satz. Der letzte Satz ist überschaubar und befriedigend symmetrisch: eine Phrase macht auf, eine zweite erweitert den Gedanken, dann wird in zwei Schritten wieder zugemacht. Das ganze Stück war einfach mitreißend.

Aufgrund der Erkrankung eines Cellisten wurde Korngolds Streichsextett gegen Ernst von Dohnányis Klaviersextett mit Klarinette und Horn ausgetauscht. Von Dohnányis musikalischer Stil erinnert an Brahms, obwohl das Stück fünfzig Jahre später komponiert wurde. Im ersten Satz gab es Wellen von Klang, eine fortspinnende Bewegung durch den Quintenzirkel über viele Takte hinweg. Hier gestaltete das Horn sehr viel. Der zweite Satz bestand aus weiteren Wellen und ständigen angenehmen Modulationen. Im schnellen 6/8-Takt bildete der dritte Satz Elfenmusik; der Klang war durchsichtig und das Gleichgewicht zwischen den Instrumenten besonders fein. Endlich kam die Klarinette richtig zur Geltung, begleitet durch die drei Streichinstrumente. Die vielen Stile des letzten Satzes wirkten wie Filmmusik der 30er Jahre, wie eine Parodie von Salonmusik.

Die einprägsamste musikalische Persönlichkeit des Abends war zweifelsohne die Geigerin Janine Jansen. Berlin darf sich auf ihre weiteren Auftritte in der Spectrum-Reihe und hoffentlich auch große Solo-Abende freuen.



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