02. Dezember 2003
Philharmonie

Pollini, der Einzigartige

Programm

Frédéric Chopin
Fantaisie f-Moll op. 49
Nocturnes op. 55 Nr. 1 f-Moll, Nr. 2 Es-Dur
Barcarolle Fis-Dur op. 60
Berceuse Des-Dur op. 57
Scherzo Nr. 3 cis-Moll op. 39
Prélude cis-Moll op. 45
Balladen Nr. 1 g-Moll op. 23, Nr. 2 F-Dur op. 38, Nr. 3 As-Dur op. 47, Nr. 4 f-Moll op. 52

Mitwirkende

Maurizio Pollini - Klavier

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Pollini, der Einzigartige

Von Robert Schmitt Scheubel

Jonathan Biss

Maurizio Pollini gehört zu den wenigen Pianisten unserer Zeit, deren Spieltechnik über jeden Zweifel erhaben ist. Auch am 2.12. demonstrierte er wieder einmal seine Perfektion, gerade mit Werken Chopins, die nicht darauf ausgerichtet sind allein die Technik in den Vordergrund zu rücken, wie es doch so häufig bei Werken anderer Komponisten der Fall ist. Das ist keine Abwertung, sondern zwangsweise die Folge eines Pianistenkomponisten, der wie kein anderer weiß, welche Möglichkeiten zur glanzvollen Demonstration technischer Meisterschaft das Klavier bietet. Jeder kann einen meisterlichen Pianisten in dem erblicken, der effektvoll und laut durch die Oktaven donnert. Der Unterschied allein ist, dass Pollini technische Schwächen nicht kaschieren muß - denn er hat keine! Einen außergewöhnlichen Pianisten erkennt man auch an den leisen Einsätzen, hier z. B. bei den ersten Noten der Fantaisie in f-Moll: Pollini gelingt was anderen nicht immer gelingt: die einzelnen Töne des Akkordes so zu verschmelzen, dass einerseits kein Ton im Klangbild fehlt, andererseits aber auch kein Ton unbeabsichtigt herausragt. Diese Noblesse im Spiel, verbunden mit einer außerordentlichen Kultur des Anschlags, die Pollini in den letzten Jahren sogar noch verfeinert hat, hebt ihn aus der Menge heraus.

Tadelnswert war während des Konzerts einzig das Publikum, welches hustete und prustete; ein Handy als Wecker klingelte auch noch. Ausgerechnet in die leisen, wunderbar gespielten Passagen wurde laut und kräftig hineingehustet, so dass die Nervenstärke Pollinis, dieses "Nebenkonzert" zu ignorieren, bewundernswert genannt werden muss. Der anfangs mäßige Applaus steigerte sich im Laufe des Abends. Enthusiastisch wurde der Pianist aber erst am Ende gefeiert und dankte mit drei Zugaben: "Regentropfen"-Prelude, "Revolutions"-Etüde und Prelude Nr. 12. Zu guter Letzt muss dem Publikum doch ins Konzertbesucherstammbuch geschrieben werden, dass es von schlechter Kinderstube zeugt, wenn dem Pianisten auf seinem Weg zur Tür der Applaus auf den letzten zwei Metern gestrichen wird! Bei der anschließenden Autogrammstunde bildete sich eine riesige Warteschlange, doch der Philharmonieverwaltung war's egal, sie versuchte dreimal das Licht auszuschalten - Berliner Sparwut eben!



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