22. November 2003
Deutsche Oper Berlin

Ein Bilderfeuerwerk aus alten Zeiten

Gaetano Donizettis Don Pasquale an der Deutschen Oper

Programm

Don Pasquale
Gaetano Donizetti

Mitwirkende

Deutsche Oper Berlin
Musikalische Leitung: Yves Abel
Inszenierung: Jean-Louis Martinoty
Bühne: Bernard Arnould
Kostüme: Daniel Ogier
Chöre: Hellwart Matthiesen

Don Pasquale: Bruno Pola
Malatesta: Markus Brück
Ernesto: Kenneth Tarver
Norina: Ofelia Sala
Ein Notar: Miomir Nikolic
Haushofmeister: Wolfgang Siebner
Diener: Gottfried Stecher
Gouvernante: Anneliese Schrecker

Solo-Trompete: Rainer Auerbach

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Ein Bilderfeuerwerk aus alten Zeiten

Gaetano Donizettis Don Pasquale an der Deutschen Oper

Von Melanie Fritsch / Fotos: Bernd Uhlig

Don Pasquale

Es kommt leichte Verwirrung beim ansonsten eher moderne Inszenierungen gewöhnten Zuschauer auf, wenn sich der Vorhang hebt und man auf eine Ausstattung blickt, die man sonst nur noch von Fernsehaufzeichnungen alter Operninszenierungen aus den 50er Jahren kennt. Auf der überreich ausgestatteten Bühne mit voll ausgemaltem Bühnenhintergrund von Bernard Arnould bewegen sich in bonbonbunten Karnevals-Monturen von Daniel Ogier Harlekine und Pierrots neben Figuren in historischen und historisierenden Kostümen. Alles wirkt verspielt, verträumt und auch ein bisschen in der Zeit stehengeblieben, wie ein Bilderfeuerwerk aus alten Zeiten.

Die Handlung des Abends ist sicher ebenso bekannt wie schnell erzählt: Der reiche Junggeselle Don Pasquale will im stattlichen Alter von ungefähr 70 Jahren eine junge Frau heiraten, um zum einen mindestens ein halbes Dutzend Kinder zu zeugen und zum anderen seinen schmarotzenden Neffen Ernesto zu bestrafen. Dieser weigert sich, die vom Onkel ausgesuchte reiche Frau zu heiraten, da er in Norina, eine Frau mit zweifelhaftem Ruf, verliebt ist. Dottore Malatesta vermittelt ihm als Ehefrau seine angebliche Schwester Sofronia - in Wirklichkeit ist es Norina - die nach der falschen Heirat vom Engel zur Furie wird und Don Pasquale die Hölle auf Erden bereitet. Die Intrige nimmt ihren Lauf und am Ende überlässt der übertölpelte Alte dem Neffen die Frau, die jungen Leute haben ihr Ziel erreicht und nebenbei eine ansehnliche Erbschaft gemacht.

Gaetano Donizettis scheinbar traditionelle opera buffa bedient sich des vertrauten Personals aus der commedia dell 'arte und ebenso des bekannten Handlungsschemas. Dennoch nannte Donizetti selbst sein Stück dramma buffo, denn trotz aller Komik empfindet der Zuschauer nicht nur Häme, sondern auch Mitleid für den Übertölpelten.

Don Pasquale

Diesen stellt Bruno Pola mit überschäumender Spielfreude und kraftvoller Stimme dar, was auch für die übrigen Solisten gilt. Ofelia Sala ist dabei jedoch mit Sicherheit der Star des Abends, die mit ihrem kräftigen Sopran den "armen" Don Pasquale durch die Mangel der belcanto-Koloraturen dreht, aber auch Kenneth Tarver als schmalziger Liebhaber steckt neben ihr keinesfalls stimmlich zurück. Besondere Hochachtung sei Markus Brück gezollt, der in der besuchten Vorstellung trotz geschwollener Stimmbänder den Malatesta gab - vielleicht nicht seinen eigenen Ansprüchen genügend, doch durchaus ausreichend, um das Publikum in berechtigte Begeisterung zu versetzen.

Wie das Ensemble an diesem Abend durchweg begeisterte, so konnte dies ebenfalls das Orchester unter der Leitung von Yves Abel, das Donizettis melodienreiche, verspielte, an manchen Stellen auch scharfe Musik als einen Ohrenschmaus darbot.

Leider kann dies alles nicht darüber hinwegtrösten, dass diese Inszenierung vor Kitsch und Altertümeleien nur so strotzt und dadurch wie ein Weihnachtsmärchen für Erwachsene wirkt. Sicher, die Konzeption ist in sich geschlossen und wird konsequent durchgehalten, dennoch wünscht man sich gelegentlich etwas mehr als entschärftes buntes Bilderbuchtheater.



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