29. Juni 2003
Kapelle im Schloß Charlottenburg

Alte Klänge aus Berlin und Brandenburg

Programm

Johann Crüger
Laudes Dei Vespertinae (1645)

Bartholomäus Gesius
Missae ad imitationem cantionum Orlandi et aliorum probatissimorum musicorum

Werke von Praetorius und Sweelinck

Mitwirkende

Monteverdi-Chor Berlin
Gerhard Oppelt, Dirigent und Orgel

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Alte Klänge aus Berlin und Brandenburg

Von Nancy Chapple

Berlin bietet nicht nur die großen klassischen Werke vor mehr als 1000 Zuhörern in Philharmonie und Konzerthaus - in dieser lebendigen Stadt ist auch Platz für ungewöhnliche Veranstaltungen im kleinen Rahmen. So auch beim Konzert des Monteverdi-Chors Berlin unter der Leitung von Gerhard Oppelt: 11 Sänger stellten den etwa 30 Interessierten "wiederentdeckte Musik" aus Berlin und Brandenburg in der Kapelle des Schlosses Charlottenburg vor. Oppelt beschrieb vor Beginn kurz das aus 5 Werken des 16. und 17. Jahrhunderts bestehende Programm und am Ende hielt ein Herausgeber der neuen Werke einen kurzen musikwissenschaftlichen Vortrag. Da das Konzert für eine spätere Radiosendung mitgeschnitten werden sollte, wurden wir gebeten vor und nach jedem Stück einen Moment leise zu bleiben - was den natürlichen Impuls zum Applaus leider zunächst vollständig unterdrückt hat. Somit schwankte die Atmosphäre in der Kapelle zwischen einem Seminar und einem kleinen Gottesdienst.

Gerhard Oppelt

Als Dirigent und musikalischer Leiter wirkt Gerhard Oppelt sehr engagiert und kompetent. Er gibt den alten, einfachen Werken Gestalt und die Sänger folgen sehr aufmerksam jeder Geste. Zunächst hörten wir 2 Werke von Bartholomäus Gesius, lange aktiv an der Marienkirche in Frankfurt an der Oder. Dem Metrum war nicht leicht zu folgen, die Akkordfolgen fein nuanciert in den damals üblichen Kirchentonleitern; es gab auch kurze Passagen in leichtem Kontrapunkt. Es ist eine reine Musik aus einer Zeit, in der man viele Stunden in der Kirche verbrachte und eine lange Aufmerksamkeitsspanne gang und gäbe war. In der langen Messe entstanden erstmals spannende Harmonien, als einzelne Stimmen zu den neuen Akkorden überleiteten.

Zusammen mit den Chorwerken bildeten die von Oppelt auf der Truhen-Orgel gespielten Orgelstücke von Praetorius und Sweelinck etwa eine Stunde Musik. Praetorius schrieb als erster Musik gezielt für Orgel. Die hier vorgestellten Stücke zeichneten sich durch oft wiederholende Themen und viele Tonleiter in der linken Hand zur Begleitung von lang gehaltenen Tönen in rechts aus. Das Werk von Sweelinck wurde mit leichten Verzögerungen innerhalb der Phrasen interpretiert - unklar, ob Absicht oder Zufall. Die Truhenorgel, obwohl insgesamt mit einem etwas kleinen Klang ausgestattet, bot viele interessante Klangmöglichkeiten und Gerhard Oppelt nutzte bei jedem Satz andere Register.

Johann Crügers Magnificat à 5 wurde 1645 geschrieben und hat eine höhere Komplexität als die Werke von Gesius: mehr überlappende Stimmen, das Ganze rhythmisch etwas bewegter. Musikhistorisch gesehen hören wir nicht nur immer neue Farben in nebeneinander aufgestellten Akkordfolgen, sondern wir bewegen uns mehr Richtung harmonische Entwicklung.

Leider waren die Tenöre etwas schwach besetzt, aber der Chor insgesamt bot schöne Klänge und eine angenehme Intensität.



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