26. Oktober 2003
Konzerthaus Berlin

Klare Mehrstimmigkeit und Freude am Zusammenspiel

Das Klavierduo Götz & Schumacher im Konzerthaus

Programm

Johann Sebastian Bach
Konzert für zwei Klaviere C-Dur BWV 1061

György Kurtág
Sieben Sätze aus Játékok ("Spiele") für zwei Klaviere
Fünf Sätze aus Bach-Transkriptionen für zwei Klaviere

Johann Sebastian Bach
Contrapunctus XIX (unvollendet) aus Die Kunst der Fuge BWV 1080, Fuga a 3 soggetti

Ferruccio Busoni
Fantasia contrapuntistica BV 256b

Mitwirkende

Klavierduo Andreas Grau und Götz Schumacher

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Klare Mehrstimmigkeit und Freude am Zusammenspiel

Das Klavierduo Götz & Schumacher im Konzerthaus

Von Nancy Chapple / Foto: Johannes Grau (Grau/Schumacher)

Unmittelbare Freude am Zusammenspiel, perfekte Beherrschung des pianistisch Handwerklichen, Klarheit der Stimmen im Kontrapunkt: So läßt sich das erste Konzert einer Reihe des Klavierduos Grau & Schumacher im Kleinen Saal des Konzerthauses zusammenfassen. Thema heute: Johann Sebastian Bach und zwei spätere, ihm ehrerbietende Komponisten.

Grau/Schumacher

Bachs Konzert für zwei Klaviere BWV 1061 führte uns in die Klangwelt des Klavierduos ein: Zwei riesige glänzende Instrumente, perfekt aufeinander abgestimmte Übergänge, perlende Töne in den schnellen Sätzen. Der langsame Satz war durch Pedal und sanftere Farben etwas romantisch gefärbt, die Fuga im letzten Satz mitreißend.

Anschließend kamen Andreas Grau und Götz Schumacher an einem Flügel zusammen, um sieben kurze Sätze aus György Kurtágs Játékok wiederzugeben. Hier spürten wir noch intensiver, wie eng die beiden aufeinander eingespielt sind, wie jedes Werk aus einer gemeinsam entwickelten Interpretation herrührt. Die Stücke sind verhältnismäßig einfach - die Gesten der Ausführenden waren dabei umso bewußter und dramatischer. Der Höhepunkt der ersten Hälfte waren Kurtágs fünf Bach-Transkriptionen: vertraute Melodien charaktervoll verfremdet in neuem klanglichen Zusammenhang. In Aus tiefster Not schrei ich zu dir war der Einsatz des Themas in verdoppelten Notenwerten so klar herauszuhören, dass es eine Freude war.

Die Tripelfuge der Kunst der Fuge, Contrapunctus XIX, blieb bekanntlich unvollendet, was auf musikalische Gemüter unterschiedlich anregend wirkt: Der eine komponiert einen neuen Schluß, der andere läßt die letzten Töne, wo die drei Themen endlich zusammenkommen, wie in der Partitur in der Luft verklingen. Grau / Schumacher spielten die vier Stimmen auf einem Instrument, gedrungen im Ausdruck aber etwas wackelig im Tempo. Nur hier benutzte das Duo Noten als Gedächtnisstütze - das Original sollte wohl nur als Einstimmung auf die große Bearbeitung Busonis dienen. In seinen letzten Jahren versuchte sich Ferrucio Busoni an einer Vollendung der letzten Fuge und komponierte die Fantasia contrappuntistica. Er benutzte sowohl das Thema des Chorals Ehre sei Gott in der Höhe, als auch die drei Themen des Contrapunctus XIX, baute das Ganze jedoch letztlich mit einem weiteren eigenen Thema zu einer Quadrupelfuge aus. Das Stück ist etwas wild - vertraute Bach-Fragmente wechseln mit freieren Passagen ab. Manchmal vereinigen sich Bach und Busoni, zum Beispiel bei der Fuga II, wo Töne, die zwar nicht dissonant sind aber auch nicht zum Akkord gehören, eine Zusatzfarbe geben. Zur Freude der Pianisten - nun wieder an zwei Instrumenten - bietet Busoni einige massive fff-Höhepunkte, bei denen man "ordentlich in die Tasten hauen" darf. Die Form des Werks ist zwar komplex, dass sie beim ersten Hören nicht vollständig verständlich ist, aber die immer wiederkehrenden bekannte Motive bieten Halt. Insgesamt bildet das Werk eine gelungene Verbeugung vor dem großen Johann Sebastian Bach.



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