25. September 2003
Philharmonie

Spannend - verträumt - gewaltig

Das DSO spielt Ligeti, Beethoven und Strauss

Programm

György Ligeti
San Francisco Polyphony

Ludwig van Beethoven
Violinkonzert D-Dur op. 61

Richard Strauss
Also sprach Zarathustra op. 30

Mitwirkende

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Kent Nagano - Dirigent
Viviane Hagner - Violine

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Spannend - verträumt - gewaltig

Das DSO spielt Ligeti, Beethoven und Strauss

Von Nancy Chapple

San Francisco Polyphony präsentiert eine unheimliche, atmosphärische Landschaft im ständigen Werden. Manche ausgedehnte surrende, flirrende Passagen in den hohen Geigen sind praktisch an der Schmerzgrenze des Erträglichen, bedrohlich und beunruhigend. Viel angenehmer die kurzen wiederholten Muster, die vom Xylophon zur Harfe zur Oboe übergehen. Erstaunlich die Klangfarben: manche völlig neu und unergründlich in ihrem Ursprung, andere schienen wie von einem Synthesizer erzeugt. Mit diesem 1974 von György Ligeti komponierten Stück begann der Abend beim Deutschen Symphonie-Orchester, obwohl manche Konzertbesucher erst zum Violinkonzert Beethovens auftauchten.

Viviane Hagner

Das Tempo des Allegro ma non troppo war gemächlich, weitläufig, und die Streicher spielten filigran präzis. Nagano räumte Viviane Hagner im übertragenen Sinne viel Raum ein: Sie konnte atmen, gestalten, ausspielen wie sie wollte. Mit dem Orchester beschwor er keine heile Welt herauf: eine inhärente Bedrohung ging aus den plötzlichen, leise gespielten Moll-Akkorden hervor. Bei Hagner ist interessant: Die Tongebung ist die einer Solistin - aber trotzdem bleibt ein bestimmtes Understatement. Nie dominiert Sie das Orchester. Auch der zweite Satz war in einem sehr gedehnten Tempo. Hier gehörte viel Mut dazu, besonders leise, auch blasse Töne im vollbesetzten großen Saal der Philharmonie zu wagen. Der dritte Satz war dann etwas lebendiger. Die Solistin führte anstatt zu schweben und meisterte mit Bravour die schwierigen Doppelgriffe der Kadenz.

Kent Nagano ist in seiner Gestik immer präsent und energisch. Aber selten sieht man ihn physisch so aktiv, schwungvoll mit wehenden Haaren, wie bei dieser Aufführung von Richard Strauss' Also sprach Zarathustra. Die Orchestermitglieder gaben ihr Bestes: ein strahlend klarer Anfang in den Bläsern, schöne warme Farben in den Streichern, das schlichte, dunkle Fugentempo. Auch sehr glaubhaft: das Vogelzwitschern beim Erwachen. Die Solostellen im 1. Cello und der 1. Geige waren besonders beeindruckend - solistisch und souverän.



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