28. Juni 2003
Philharmonie

Ton Koopmann begeistert das DSO und das Publikum

Programm

Jean-Phillippe Rameau
Konzertsuite aus »Les Indes galantes«

Joseph Haydn
Konzert für Violine, Cembalo und Orchester F-Dur Hob XVIII:6

Michael Haydn
Violinkonzert B-Dur PV 53

Wolfgang Amadeus Mozart
Symphonie Nr. 20 D-Dur KV 133

Mitwirkende

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Ton Koopman, Dirigent und Orgel
Thomas Zehetmair, Violine

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Ton Koopmann begeistert das DSO und das Publikum

Von Nancy Chapple

Ton Koopman

Der niederländische Dirigent Ton Koopman ist Spezialist für die Interpretation barocker Musik, was man eigentlich vom DSO nicht behaupten kann. An diesem Abend jedoch gelang es Koopman mit seiner ansteckenden Energie und seinen intensiven Gesten die knapp 30 Musiker der kleinen Orchesterbesetzung zu einer gelungenen Interpretation der Werke von Rameau, Joseph und Michael Haydn und Mozart zu führen.

Der Abend begann mit Jean Philippe Rameaus Suite Les Indes galantes. Die sieben Sätze ahmen verschiedene Naturschauspiele nach (z.B. einen Sturm), aber auch volkstümliche Tänze reißen einen mit. Koopman dirigierte mit großen Bewegungen, und das Orchester spielte intensiv und voller Einsatz. Die Tempi der schnellen Sätze waren besonders flink, zum Teil vielleicht zu schnell, um alle Nuancen auf modernen Instrumenten mitzubekommen, so auch in der mit "Mäßig" markierten Musette. Man sah den Musikern an - besonders dem Konzertmeister und den ersten Celli -, wie gern sie mit Koopman zusammenarbeiteten. Die Musik enthält viele Wiederholungen, sowohl der einzelnen Motive als auch der Satzhälften, aber bei der fröhlichen Energie störte das nicht.

Thomas Zehetmair

Vor und nach der Pause war Thomas Zehetmair Sologeiger in Konzerten von Joseph Haydn und seinem weniger bekannten jüngeren Bruder Michael. Die Orgelstimme bei Joseph Haydns Doppelkonzert übernahm Koopman selbst und dirigierte gleichzeitig vom Orgelpult aus. Er war zwar nach vorne zum Publikum gerichtet, aber er nutzte so deutliche Gesten, dass das Orchester jede Regung sofort verstand - und wir sein aktives Musizieren umsomehr genießen konnten. Zehetmair, Musiker mit einem spürbaren Drang zum Kommunizieren, spielte betont solistisch, zwar im engen Dialog mit Koopman, aber mit extrovertierter Tongebung - man kann sagen: er beherrschte die Bühne. Die Orgelstimme ist zum größten Teil nicht komplex, aber die ziselierten Artikulationen in den Passagen, bei denen Geige und Orgel eine Terz versetzt spielen, waren besonders spannend zu erleben.

Das B-Dur-Konzert Michael Haydns war zwar nicht belanglos, hinterließ aber einen weniger bleibenden Eindruck. Zehetmair leitete den dritten Satz von seiner Warte aus, setzte mit den Melodien ein, gab Tempo und Stimmung vor. Beim ausdrucksvollen Dirigieren deckte Koopman den Mund mit der Hand, um ein plötzliches piano-Spiel anzugeben; belebtere Stellen gab er sogleich mit Schultern, Armen und Mimik an.

Die frühe Mozart Symphonie KV 133, zwar nur wenige Jahre nach den Haydn-Konzerten komponiert, hat dennoch viel mehr Facetten: Es verändert sich mehr innerhalb kurzer Zeit, es wird öfter moduliert. In diesem frühen Werk experimentiert Mozart mit Stilen und Orchesterklängen. In der Interpretation wurden Phrasierungsdetails übertrieben: kurze, spannende Pausen oder Phrasen, die abrupt aufhörten. Bis zum letzten Augenblick spielte Koopman regelrecht auf dem Orchester und zog lebendige Klassikklänge aus dem Ensemble.



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