04. Februar 2003
Philharmonie

Debütkonzert mit dem DSO

Programm

Johannes Brahms
Konzert Nr. 2 B-dur op. 83 für Klavier und Orchester

Serge Prokofieff
Konzert Nr. 2 g-moll op. 63 für Violine und Orchester

Serge Prokofieff
Die Liebe zu den drei Orangen' op. 33a, Suite für Orchester

Mitwirkende

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Davide Franceschetti, Klavier
Baiba Skride, Violine
Garry Walker, Dirigent

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Debütkonzert mit dem DSO

Von Nancy Chapple

Seit 1962 hat Berlins Deutsche Symphonie-Orchester (früher das Radio-Symphonie-Orchester) eine Tradition aufgebaut und gepflegt: vielversprechende junge Künstler werden eingeladen, mit dem Orchester ihr Berlin Debüt zu spielen. Darunter befanden sich in den letzten Jahrzehnten u.a. Simon Rattle, Jessye Norman, Jacqueline du Pré und Yevgeny Kissin. Am 4. Februar waren es der 1977 geborene Pianist Davide Franceschetti aus Italien und die Geigerin Baiba Skride aus Lettland, Jahrgang 1981.

Als Dirigent machte Garry Walker einen sehr aktiven, bewegungsintensiven, fast nervösen Eindruck. Wirkliche Harmonie zwischen Dirigent und Orchester entstand erst beim letzten Stück, Prokofjews Orchestersuite. Die Farben waren intensiv, die Rhythmen charakterisch ausgeprägt. Besonders in der Scène infernale zeigten sie den Mut, Extreme zu spielen. Das Scherzo war ausgesprochen dynamisch und man erkannte Spielfreude in den Gesichtern.

Orchester wie auch Pianist Davide Franceschetti benötigten etwas Zeit, um sich einzuspielen: zunächst wirkten die Holzbläser unsicher und der Klavierton etwas hart. Sowohl Konzertmeister als auch Dirigent bemühten sich im ersten Satz um Blickkontakt mit dem Solisten, der gelegentlich rhythmisch sehr eigen spielte. Rein pianistisch war er aber beeindruckend: Franceschetti hat einen warmen, tiefen Ton; er gestaltete sowohl die virtuosen schnellen wie auch die langsamen lyrischen Solo-Passagen geschmeidig und überzeugend. Das Cellosolo am Anfang des dritten Satzes war unglaublich schön, auch der folgende Klaviereinsatz. Der Mittelteil wurde in einem extrem langsamen aber zauberhaften Più adagio gespielt.

Das Zusammenspiel zwischen Orchester, Geigerin Baiba Skride und Dirigenten gestaltete sich viel unproblematischer. Prokofjew war hier ein ausdrucksvoller Romantiker, kein Radikalerneuerer, und das Konzert melodisch und farbenreich. Die Geige war technisch perfekt; bei allen Übergängen wußte Skride genau, wie sie das Tempo gestalten wollte. Aber auch äußerst dissonante Intervalle wie die großen Septime im dritten Satz klangen hier geglättet und gezähmt.

Insgesamt läßt sich sagen: der sicherlich sehr talentierte Pianist Davide Franceschetti benötigt weitere Gelegenheiten, eng mit Dirigenten und Orchestern zusammenzuarbeiten. Die Geigerin Baiba Skrida dürfte auch mehr Mut an den Tag legen, ihre eigene musikalische Ideen auszudrücken. Und in diesem Fall hätten mehr gemeinsame Proben offenkundig gut getan.



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