30. Dezember 2003
Philharmonie

Viel Technik beim Vor-Silvesterkonzert in der Philharmonie

Programm

George Gershwin
Ouvertüre »Strike up the Band«

Gabriel Fauré
Pavane für Orchester fis-Moll op. 50

George Gershwin
By Strauss, How Long Has This Been Going on, Nice Work If You Can Get It (Orchestrierung Vince Mendoza)

Maurice Ravel
La Valse

George Gershwin
Embraceable You, S' Wonderful, But Not For Me(Orchestrierung Vince Mendoza)

Maurice Ravel
Daphnis et Chloé, Suite Nr. 2

Mitwirkende

Berliner Philharmoniker
Simon Rattle - Dirigent
Dianne Reeves - Jazz-Sängerin
Jazz-Trio:
Peter Martin - Klavier
Reuben Rogers - Kontrabass
Greg Hutchinson - Schlagzeug

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Viel Technik beim Vor-Silvesterkonzert in der Philharmonie

Von Robert Schmitt Scheubel

Das diesjährige Silvesterkonzert der Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle war französisch-amerikanisch. Ravel, Fauré und Gershwin waren die Komponisten und weil das ZDF schon mal für die Live-Übertragung am 31.12. übte, war die Philharmonie in ein Lichtermeer getaucht, das die Jazztage vor Neid hätte erblassen lassen. Alle möglichen und unmöglichen Farben wurden während des Konzerts auf die Philharmoniker und das Publikum losgelassen. Ein Kameragalgen fuhr hoch und nieder, schaute sich die Instrumentalisten mit "rotem Auge" an, verschwand und tauchte wieder auf, um die Jazz-Sängerin in Augenschein zu nehmen. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass die Konzertbesucher im Block E zuckten, wenn "Nessi" gar zu schnell auf sie zusauste.

Sir Simons persönlicher Stil war besonders bei Fauré erkennbar, welchen er wundervoll interpretierte. Auch bei Ravels La Valse war seine Handschrift herauszuhören, deutlicher als bei Daphnis et Chloé. Die Tonfetzen aus Beethovens Fünfter, von Ravel absichtlich oder nicht zitiert, wurden mächtig herausgestellt. Gershwin? Ich weiß nicht, es war mehr atmosphärisch denn künstlerisch. Die Jazz-Sängerin Dianne Reeves musste sich im ersten Stück erst finden und ging im Klangbett der Philharmoniker etwas unter - oder der Toningenieur drehte ihr den Ton runter (sie sang mit Mikrophon), so dass sie sich deshalb nicht durchsetzen konnte. Erst mit dem zweiten Stück gewann sie Statur. Wunderbar wurde es gegen Ende, als während einer längeren Improvisation Sir Simon das Pult verließ und sich ein zweiter Geiger zum Jazztrios gesellte.

Da das Konzert am nächsten Tag auch im Radio übertragen wurde, nahm ich die Gelegenheit wahr, um nochmals Dianne Reeves zu hören. Und siehe da: die Stimme war eindrucksvoll, hatte Volumen und Format, Klangfülle und Schönheit, so wie man sich eine Jazz-Sängerin vorstellt. Schade, dass sich Live-Akustik und Übertragung wohl nicht in Einklang bringen lassen, das Publikum in der Philharmonie hätte es verdient.



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