12. Juni 2003
Philharmonie

Von Jahrmarkt bis Revolution: Salonen dirigiert die Philharmoniker

Programm

Igor Strawinsky
Petruschka (Fassung 1947)

Esa-Pekka Salonen
Imsomnia

Dmitri Schostakowitsch
Symphonie Nr. 2 H-Dur op. 14 »An den Oktober«

Mitwirkende

Berliner Philharmoniker
Rundfunkchor Berlin
Esa-Pekka Salonen, Dirigent
Simon Halsey, Choreinstudierung

Leserbrief/readers comment Druckversion/printversion

Von Jahrmarkt bis Revolution: Salonen dirigiert die Philharmoniker

Von Nancy Chapple

Esa-Pekka Salonen

Am 12. Juni reihte sich Esa-Pekka Salonen in die lose Folge der komponierenden Dirigenten bei den Berliner Philharmonikern ein. Er dirigierte Strawinskys Petruschka, sein eigenes Insomnia ("schlaflose Nächte") und die frühe 2. Symphonie von Schostakowitsch. Als Dirigent ist Salonen sehr aktiv, viel in Bewegung auf dem Podest; oft setzt er beide Armen und auch den ganzen Körper ein. Salonen studierte Komposition an der Sibelius-Akademie in Helsinki, bevor er nach Los Angeles emigrierte. Von sich selbst sagt er, dass er Dirigent geworden sei, um seine eigenen Stücke aufführen zu können.

Strawinskys Burleske interpretierte er feingliedrig und transparent. Er ließ den einzelnen Instrumentalisten, z.B. dem Klavier und der Piccoloflöte, Zeit und Raum. Leise Passagen waren äußerst leise. Die Ironie des Walzers, wo die Trompete von Flöte und Hörnern hanebüchen begleitet wird, war spürbar.

Salonens eigenes Stück enttäuschte. Musikalisch passierte einfach zu wenig und eine klare Struktur war nicht herauszuhören. An einigen Stellen klang es wie pulsierende Kopfschmerzen, die man in einer schlaflosen Nacht erleidet. Tonleitern waren der wesentliche Stoff, aus dem das Stück bestand. Es gab keine bemerkenswerten Themen, harmonische Wandlungen oder rhythmische Spannungen. Die Motive waren wie kurze vorantreibende Träume, Bilder die einen nicht loslassen.

Schostakowitschs 1927 geschriebene 2. Symphonie ist ein ungewöhnliches Stück: in einem Satz komponiert, mit einem gesungenen Finale zum "revolutionären" Gedicht An den Oktober ("Dies ist die Fahne, dies ist der Name der lebenden Generationen: Oktober, Kommune und Lenin"). Spannend, fast unheimlich, der sehr leise Anfang in den Streichern: Das Tremolo-Thema wanderte von den Bässen über Celli, Bratschen und zweiten Geigen bis zu den ersten Violinen. Im weiteren Verlauf waren hier die lauten Passagen gelegentlich etwas zu laut, der Klang zu schrill. Der Berliner Rundfunkchor setzte voller Inbrunst vom hinteren Teil der Bühne ein, aber das Stück blieb in dieser Interpretation insgesamt unschlüssig.



©www.klassik-in-berlin.de