28. Januar 2003
Arena Treptow

Zukunft@Bphil, Projekte 3 & 4

Programm

Igor Strawinsky

Zukunft@Bphil Projekt 3:
Le Sacre du printemps Musikprojekt

Zukunft@Bphil Projekt 4:
Le Sacre du printemps Tanzprojekt

Mitwirkende

Mitwirkende beim Musikprojekt:
Richard McNicol, Leitung der Musik-Workshops
Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Schüler aus den Schulen:
Heinrich-Mann-Oberschule, Buckow
Humboldthain-Grundschule, Wedding
Papageno-Schule, Mitte
Pommern-Oberschule, Charlottenburg

Mitwirkende beim Tanzprojekt:
Royston Maldoom, Choreograph
Susannah Broughton u. Volker Eisenach, choreografische Assistenz

Tänzer aus den Schulen und Einrichtungen:
Faster-Than-Light-Dance-Company
Hannah-Höch-Grundschule, Reinickendorf
Heinrich-Mann-Oberschule, Buckow
Heinz-Brandt-Oberschule, Weißensee
Lenau-Grundschule, Kreuzberg
Tanzwerkstatt No Limit e.V.

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Jugendarbeit mit den Berliner Philharmonikern

Von Nancy Chapple

Berlin ist pleite. Das berühmteste Orchester Berlins spielt inzwischen eine andere Rolle, als zu den fetten Zeiten West-Berlins, als Kultur in der geteilten Stadt, der letzten Bastion gegen den Kommunismus, hoch subventioniert wurde. Für die notwendige frische Luft, neue Ideen und eine neue Einstellung soll seit September 2002 Simon Rattle sorgen.

"Zukunft@Bphil soll uns daran erinnern, dass Musik kein Luxus ist, sondern ein Grundbedürfnis. Mit diesem Programm wollen wir unseren Beitrag zur sozialen Regeneration dieser ehemals geteilten Stadt leisten," so die Pressemitteilung zum "Education"-Projekt. Musiker und Choreographen arbeiten zusammen, um jungen Leuten klassische Musik näherzubringen: Vergleichbares hat Rattle auch in den Jahren mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra geleistet. Die ersten Projekte dieser Saison hatten mit den Aufführungen Mark Anthony Turnages Blood on the Floor und Ravels L'Enfant et les Sortilèges zu tun: Kurzfilme zu der Thematik wurden gedreht bzw. Puppentheater produziert, in beiden Fällen begleitet von Philharmonikern.

Die Treptower Arena ist ein Industriedenkmal mit einer eher für Rockkonzerte geeigneten Atmosphäre. Der Saal - zur Hälfte mit Klappstühlen, zur Hälfte mit Tribünen ausgestattet - war übervoll mit einem sehr gemischten Publikum: junge Familien, Orchestermitglieder, jung und alt nebeneinander. Entsprechend der kulturellen Vielfalt der Hauptstadt war ein großer Teil der beteiligten Kinder türkischer, arabischer oder russischer Herkunft.

Das Musikprojekt wurde von Richard McNicol vorgestellt: Er zeigt uns die kompositorischen Elemente, aus denen Le Sacre du printemps gemacht wurde: ein Ostinato, die Anfangsmelodie. Obwohl beeindruckend viele Kinder auf der Bühne waren, wirkte das musikalische Event leise und leicht unfokussiert. Man spürte die Begeisterung McNicols, man hörte die Bemühungen der einzelnen begleitenden Philharmonikern, laut und rhythmisch deutlich zu spielen, immer wieder gab es schöne Augenblicke. Aber der riesige Saal ließ den musikalischen Genuß nicht so richtig zu, auch weil das Publikum leider sehr unruhig war.

Ganz anders die Ergebnisse des Tanzprojekts. Hier waren die erarbeiteten Bewegungssequenzen zur Entstehung der Welt und Opfer eines Mädchens äußerst überzeugend. Beeindruckend auch, dass die Philharmoniker mit der selben Intensität und Professionalität spielten, wie zwei Tage vorher in der viel gediegeneren Atmosphäre der Philharmonie - die Musiker nahmen das Projekt wirklich ernst.



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