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17. Dezember 2003 Deutsche Oper Berlin Einfache, gut gemachte Kost ohne ÜberraschungenGötz Friedrichs Bohème-Inszenierung seit 15 Jahren an der Deutschen Oper |
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ProgrammGiacomo PucciniLa Bohème |
MitwirkendeDeutsche Oper BerlinMusikalische Leitung: Jun Märkl Inszenierung: Götz Friedrich Assistenz-Regie: Knut Sommer Bühne, Kostüme: Peter Sykora Kostüme: Dirk von Bodisco Lichtgestaltung: Stephen Watson Chöre: Hellwart Matthiesen Mimi: Miriam Gauci Rudolfo: Tito Beltrán Schaunard: Tom Erik Lie Marcello: Roberto de Candia Colline: Arutjun Kotchinian Benoit: Roland Schubert Musetta: Fionnuala McCarthy Parpignol: Volker Horn Alcindoro: Josef Becker Sergeant der Zollwache: Chong-Boon Liau Zöllner: Miomir Nikolic Verkäufer: Ludmil Georgiev Knabensolo: Knabe des Staats-und Domchores Berlin Schöneberger Sängerknaben |
Einfache, gut gemachte Kost ohne ÜberraschungenGötz Friedrichs Bohème-Inszenierung seit 15 Jahren an der Deutschen OperVon Nancy Chapple Wir stürzen in die Handlung hinein: eine Dachmansarde, ein großes und viele kleinere Gemälde, etwas "bohemsche" oder auch künstlerische Unordnung. Egal wie viel Male man die Oper erlebt hat, bleibt die Musik immer sinnlich und befriedigend. Das Publikum kennt sie und wünscht sich auch keine Überraschungen. Dieses Publikum ist mit der seit fünfzehn Jahren im Angebot der Deutschen Oper stehenden Götz Friedrich-Inszenierung gut bedient. Tito Beltrán spielt Rodolfo und besitzt mit seiner Ausdrucksstärke wohl die interessanteste Stimme des Ensembles. Mit Miriam Gauci als Mimì hatte ich manchmal Mitleid: Am Anfang muss die Arme laut Drehbuch dauernd husten und dann lossingen bzw. im vierten Bild sogar im Liegen singen: Diese Konventionen können stimmlich eine Last sein. Aber ihre Stimme ist glatt und kräftig, sehr ausdrucksvoll. Auch Fionnuala McCarthy als Musetta gefiel gut: ihre ausladenden Gesten und beeindruckende Kleider passten zur schönen, protzigen Stimme, bildeten eine Einheit. Von der Gruppe der Freunde beeindruckte Colline (Arutjun Kotschinian) am meisten mit seiner tragischen Kurzarie in Moll im vierten Bild. Bei einer derart sänger- und handlungsbetonten Aufführung fällt das Orchester kaum auf. Nur bei einem Höhepunkt im ersten Bild wurde es so laut, dass man die Sänger leider kaum mehr hören konnte. Die weihnachtliche Szene vor dem Café Momus im zweiten Bild ist sehr ansprechend - es ist viel los und die Welt ist heil: Kinder, Luftballons, Vogelkäfige, leichte Mädchen. Aber irgendwie zieht es sich sehr in die Länge; Leute kommen und gehen, und es hört nie auf. La Bohème an der Deutschen Oper wird ohne Übertitel gespielt. Wenn man sie inzwischen gewohnt ist, fehlt eine bestimmte Ebene der Erfahrung einer Opernaufführung über viele Sinne. Aber bei den meisten Zuschauern bei dieser praktisch ausverkauften Aufführung war es offensichtlich, dass sie in bequemen Gefühlen von "das kenne ich" oder "die Arie ist ja meine Lieblingsarie" schwelgen wollten (ähnliche Äußerungen gab es durchweg von verschiedenen Seiten während der Aufführung) - und somit ist das wohl kein Verlust. "Billige" Witze fallen auf - ein Sänger stolpert (selbstverständlich absichtlich), die anderen schaufeln Blätter über ihn - und das Publikum lacht mit. Herumalbern auf der Bühne wird immer mit vergnügtem Kichern begrüßt. Es scheint, dass die Publikumsbedürfnisse bei so einer Produktion sind, sich bestätigt zu fühlen, die bekannten, schönen Stellen in die Länge gezogen zu hören, bei den Höhepunkten mitzufiebern. Diese Erwartungen werden mit den aufwendigen Kostümen und einem schönem Bühnenbild erfüllt. |