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19. November 2003 Philharmonie Barenboims glückliche Stunde |
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ProgrammRobert SchumannOuvertüre zu Manfred op. 115 Introduktion und Allegro appassionato für Klavier und Orchester G-Dur op. 92 Konzert-Allegro mit Introduktion für Klavier und Orchester d-Moll op. 134 Gustav Mahler Symphonie Nr. 5 cis-Moll |
MitwirkendeStaatskapelle BerlinDaniel Barenboim - Dirigent Jonatan Biss - Klavier |
Barenboims glückliche StundeWenn man Manfred geben will, befindet man sich in der unglücklichen Lage den Rest bis zur Pause noch füllen zu müssen und zwar so, dass die Melange nicht auffällt. Bei Barenboim wäre sie nicht weiter aufgefallen, hätte er Manfred nicht so lustlos herunterdirigiert. Wie wenig das Orchester sich auf dieses Stück freute, zeigte sich gleich zu Beginn des ersten Satzes nach den Tutti-Akkorden, als die Bläser erstmal ihr Blech ausprobieren und nicht gleich pianissimo spielen wollten. Barenboim hat es durchgehen lassen und dadurch den dramatischen Bogen etwas verkürzt, wie er sich auch sonst die Chance dieses Werk Schumanns so dramatisch zu interpretieren wie es seiner Intention nach notwendig gewesen wäre, hat entgehen lassen. Die Dynamik war sachlich und wenig überzeugend, der "große" Ton, sonst eine Spezialität Barenboims, fehlte.
Der zweite Teil der sächsischen Melange begann damit, dass der Flügel, der noch nicht auf der Bühne stand, sich nicht hat anheben lassen, die Hebetechnik war trotz mehrerer Helfer erst nach einiger Zeit zu überzeugen, den Flügel "hochzufahren". Die Überzeugungsarbeit der Techniker wurde denn auch mit einem Sonderapplaus bedacht. Der 1980 geborene Pianist Jonathan Biss spielte die Schumann-Stücke zwar hervorragend und wird der Grund gewesen sein für Barenboims Melange. Beide Stücke sind jedoch nicht weltbewegend, eine solide Technik allein ist ausreichend, wird doch dem Pianisten selten Gelegenheit gegeben, einen "Wettstreit" mit dem Orchester anzuzetteln. Insgesamt fehlt Biss noch die Brillanz eines ausgereiften Pianisten. Der Applaus für ihn war unverhältnismäßig laut und anhaltend. Man kann hoffen, dass er bald seine "Eierschalen" abwirft und durch eine gute Interpretation großer Werke überzeugt.
Mahlers Fünfte Sinfonie war Barenboims Liebling des Abends, auf die er und das Orchester sich freuten und ihre Energien aufsparten. Vielen Lesern wird diese Sinfonie durch die Verfilmung des Tod in Venedig bekannt und für den vierten Satz des Werkes, das berühmte Adagietto, Vergleichsmaßstab gewesen sein - und ich kann nicht sagen, dass es genausogut war gestern abend - es war vielmehr wesentlich besser. Es war so gut, dass ich im Gedächtnis kramte und nur die denkwürdige Solti-Aufführung vor etlichen Jahren als Referenz finden konnte. Barenboim hätte sie sicherlich übertroffen, wenn das Orchester noch ein Letztes hätte geben können. Barenboim gelang es, die Struktur des Werkes hörbar zu machen und vor allem die angespannte und verzwickte musikalische Logik des Werkes nicht nur plausibel sondern dem Hörer als einfache Notwendigkeit zu präsentieren. Das Orchester ging immer bereitwillig mit, aber bei den Fortissimo-Schlägen war dann doch deutlich die Grenze seiner Leistungsfähigkeit erreicht. Die abrupten dynamischen Wechsel waren eben nicht so perfekt und ausgeglichen wie man es sich bei dieser sonst überragenden Interpretation hätte wünschen können. Um beim Adagietto zu bleiben: Die leichten Verzögerungen der Harfe hätten durchaus etwas ausgiebiger sein dürfen und die Streicher transparenter, vor allem die Kontrabässe deutlicher, was der Dramatik zugute gekommen wäre. Aber dennoch und abgesehen von diesen und anderen Kleinigkeiten war die Aufführung ein Hörerlebnis. |