08. Dezember 2002
Musikinstrumenten-Museum Berlin

Beethoven auf Cello und Hammerflügel

Programm

Ludwig van Beethoven
Sonate Op. 5, Nr. 1 in F-Dur
Sonate Op. 17 (Uraufführung)
Sonate Op. 5, Nr. 2 in G-Moll

Mitwirkende

Sergei Istomin, Violoncello
Viviana Sofronitzki, Hammerflügel

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Beethoven auf Cello und Hammerflügel

Matinéekonzert im Berliner Musikinstrumenten-Museum

Von Nancy Chapple

Viviana Sofronitzki

Ludwig van Beethoven selbst und Jean-Pierre Duport, Oberintendant der Preussischen Staatskapelle unter Friedrich Wilhelm II, waren die Interpreten bei der Uraufführung der zwei Sonaten, Opus 5 am königlichen Hof in Berlin. Dies und andere interessante Details erfuhren etwa 140 Zuhörern in der Einführung zur Matinee, auch dass sich die Künstler bei ihrer Interpretation an Carl Czernys schnelle Metronommarkierungen halten würden.

Man hört nicht jeden Tag ein Hammerflügel im Konzert. Der erste Eindruck beim Adagio sostenuto war, dass das Instrument seltsam unmodern klingt, zwar nicht schwach, aber klein, nicht tönend. Aber dennoch, es kann sehr wohl einen schönen Spannungsbogen erzeugen. Im Allegro hatte man sich dann schon an den Klang gewöhnt. Man merkte, dass die Sforzandi wirkliche Brüche darstellen, dass die linke Hand überraschend die Begleitung in der gleichen Lautstärke wie die Melodien in der rechten Hand spielt, dass die Verzierungen völlig selbstverständlich wirken.

Kammermusikalisch bildeten Istomin u. Sofronitzki wahrhaftig eine Einheit. Sie spielten wie aus einem Guß zusammen, und es wurde sehr deutlich, dass sie die Interpretation der drei Sonaten gemeinsam konzipiert hatten.

Walter

Opus 17 wurde ursprünglich für Horn und Hammerflügel geschrieben und ist - im Gegensatz zu den Sonaten, Opus 5 - eher ein Gelegenheitsstück. Leider war die Cello-Stimme oft nicht ganz richtig intoniert, besonders bei höheren Tönen. Musikalisch war Istomin aber durchaus überzeugend. Die Phrasen wurden in beiden Instrumenten identisch schön gestaltet. Im Poco adagio spielten die Interpreten mit einer riesigen Palette an Ausdrucksmöglichkeiten innerhalb einer kleinen, ziselierten Welt.

Das Adagio sostenuto ed expressivo der g-Moll Sonate Opus 5, Nr. 2 bildete eine Tapisserie. Die "linke Hand", sonst eher eine Begleitstimme, bekam ein richtiges Eigenleben. Als das Cello dieselbe Phrase gleich im Anschluß übernahm, wurde sie zur treibenden Kraft des ganzen Satzes. Die Triolen im Allegro molto più tosto presto klingen auf dem Hammerflügel sehr präsent; man muß sich daran gewöhnen, dass jeder einzelne Ton eine eigene konstituierende Rolle spielt. Das Duo wagte es, den Satz in zwei verschiedenen Tempi zu spielen: Die Passagen mit langen Notenwerten wurden langsam, die mit kurzen schnell gespielt. Die 32tel-Passagen im Rondo: Allegro waren beeindruckend mühelos. Es war ein schönes Schlußstück einer Matinee: leicht, luftig, voller Drive, aber klar und durchsichtig.

Als Zugabe spielten Sergei Istomin und Viviana Sofronitzki das Adagio aus Schumanns Adagio und Allegro.



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