April 2004Ein fruchtbarer ScheidewegTrotz einer Menge Unsicherheiten im Bereich der Künste in Berlin in diesen Tagen, ist die Stadt musikalisch lebendig wie keine andere.Auszüge eines Artikels aus der Los Angeles Times vom 14. April 2004 |
Ein fruchtbarer ScheidewegTrotz einer Menge Unsicherheiten im Bereich der Künste in Berlin in diesen Tagen, ist die Stadt musikalisch lebendig wie keine andere.
Von Mark Swed, Los Angeles Times Staff Writer Diese Stadt ist nicht so geworden, wie viele vorhersagten, als die Mauer vor 14 Jahren fiel. Sie stellt nicht Fritz Langs Metropolis des 21. Jahrhunderts dar. Die Bevölkerungszahl ist nicht wie erwartet nach oben geschossen. Mit den düsteren finanziellen Aussichten sieht es so aus, als ob manche Institutionen, die frühere Unwetter überlebten, es nicht länger schaffen werden. Andererseits gibt es wenig Selbstgefälligkeit. Orchester, Opernhäuser und andere musikalische Unternehmungen müssen sich kontinuierlich beweisen. Die Politiker haben hier die finanzielle Kontrolle über die musikalischen Institutionen der Stadt, und die Stadt ist pleite. Die amtierenden Politiker suchen nach jeder Ausrede, um Orchester zusammenzustreichen oder sogar abzuschaffen. In Berlin gibt es zur Zeit eine gewaltige Unsicherheit in der Kunstszene. Ständig ist in den Nachrichten zu lesen, dass dieser Dirigent oder jener Intendant zurückzutreten droht, falls die Bedürfnisse seines Ensembles oder Hauses nicht erfüllt werden. In diesem Sinne drohte Simon Rattle, bevor er die Stelle als Künstlerischer Leiter der Berliner Philharmoniker in der letzten Saison übernahm. Auf der Suche nach der Unterstützung, die seiner Meinung nach die Staatsoper Unter den Linden, das großartige und anspruchsvolle Opernhaus, das er leitet, verdient, nervt Daniel Barenboim die Regierung ständig. Anhand solcher Berichte, könnte man leicht annehmen, dass die Seifenblase Berlin zerplatzt ist oder bald zerplatzen wird. Trotz der ganzen Probleme - oder zum Teil gerade deswegen - fühlt sich [Berlin] musikalisch auf eine Weise lebendig an, wie keine andere Stadt die ich sonst kenne. Wien erscheint vielleicht musikalischer, aber viel davon ist Nostalgie und Image. London und New York strotzen vor Musik, aber nicht mit dem Gefühl von intellektueller Lebendigkeit und dem Abenteuersinn, den man in Berlin findet. Paris ist vielleicht cooler, aber hat nicht die tiefgehenden musikalischen Ressourcen der deutschen Hauptstadt. Tokyo hat viele Orchester, erstaunliche Veranstaltungsorte und ein fabelhaft hingebungsvolles Publikum, aber es ist sehr traditionell. Kein Wunder, dass Barenboim, trotz seiner Klagen um Politik in Berlin, Wege und Mittel findet, um weiter an der Staatsoper zu arbeiten, aber dass er entschieden hat, nach Ablauf seines Vertrages mit der Chicago Symphony im Jahre 2006 dort nicht länger zu bleiben. In Interviews hat er gesagt, dass er nicht mehr die Geduld hat, die steigenden nicht-musikalischen Ansprüche an seine Zeit zu erfüllen. Berlin, kurz gesagt, ist viel ernsthafter. (Der vollständige Artikel ist in der Los Angeles Times erschienen: calendarlive.com.) |