Lass die Sonne in dein HerzDie Star-Soprane Felicity Lott und Renée Fleming in Berlin |
|
| 25. Juni 2010 - Deutsche Oper | |
ProgrammOttorino RespighiFontane di Roma Benjamin Britten Les Illuminations Maurice Ravel Shéhérazade Richard Straus Rosenkavalier-Suite |
MitwirkendeOrchester der Deutschen Oper BerlinSir Neville Marriner - Dirigent Dame Felicity Lott - Sopran |
| 27. Juni 2010 - Waldbühne Berlin | |
ProgrammModest MussorgskyJohannisnacht auf dem Kahlen Berge Antontín Dvořák Lied an den Mond aus Rusalka Bedřich Smetana Dobrá, Já mu je dám! Jak je mi? aus Dalibor Aram Chatschaturjan Adagio des Spartakus und der Phrygia aus dem 3. Akt aus Spartakus Richard Straus Morgen mittag um elf! aus Capriccio Zuneigung Richard Wagner Ouvertüre zu Rienzi Erich Wolfgang Korngold Glück, das mir verblieb aus Die tote Stadt Edward Elgar Salut d'amour Giocomo Puccini D'onde lieta usci aus La Bohème Tu che di gel sei cinta aus Turandot Ruggero Leoncavallo Musetta svaria sulla bocca viva und Mimí Pinson, la biondinetta aus La Bohème Peter Tschaikowsky Romeo und Julia |
MitwirkendeBerliner PhilharmonikerIon Marin - Dirigent Renée Fleming - Sopran |
Lass die Sonne in dein HerzDie Star-Soprane Felicity Lott und Renée Fleming in Berlin
von Heiko Schon Das Runde ins Eckige, das Kleine im Großen: Manchmal reicht ein einzelner Augenblick - der sogenannte Treffer - aus, und ein langer Abend wird für diese Minuten zum Ereignis. Genau so einen Treffer landet Felicity Lott am Freitagabend in der Deutschen Oper Berlin. Wir stecken mitten in der zweiten Halbzeit, Britten wurde gegen Ravel ausgewechselt, da zieht Lott ihre Mundwinkel dezent nach oben, klimpert kurz aber deutlich mit den Wimpern in Richtung Dirigent, holt einmal tief Luft - und hebt ab: Im dritten Lied der Shéhérazade geht es um L'Indifférent, einen unbekannten, aber bezaubernd androgynen Jüngling, der, um seine Reize wissend, sämtliche Schwärmereien des Soprans ignoriert und einfach weiter seines Weges zieht. Verpasstes Glück - wie tragisch. Moment mal: Eine ältere Frau, die sich in einen jüngeren Mann verguckt? Das kennen wir doch irgendwoher. Richtig, Rosenkavalier! Die Erfahrungen als Marschallin, ihre Paraderolle, kann Lott genauso in die Waagschale werfen wie eine Stimme, die erstaunlich frisch und intakt geblieben ist. Nicht der klitzekleinste Bruch im Register, nirgends ein rauer Ton. Stattdessen melancholische Farben gepaart mit eleganter Weiblichkeit: Diese Frau weiß, von was sie da singt. Im Parkett scheint das jedem einzuleuchten. Keiner schert sich mehr um den Anpfiff, als Resphighis Römische Brunnen nur sanft vor sich hinplätscherten und Brittens Illuminations den versprochenen Spuk schuldig blieben. Selbst die Rosenkavalier-Suite wird von Neville Marriner viel zu lahm dirigiert. Diese Musik muss Kapriolen schlagen, mitreißen, in den Taumel versetzen. Doch unter Marriner klingt auch der schwindelerregendste Walzer nach betagtem Humtata. Seit zwei Stunden ist Deutschland im Viertelfinale, keine Wolke zeigt sich am Himmel, die Tupperdosen sind geöffnet und die Stimmung könnte besser nicht sein. Was steht denn eigentlich auf dem Plan? "Nacht der Liebe". Aha! Bevor man ins Grübeln kommt, was denn ein Hexentanz (Mussorgsky), ein Gladiator, der einen Sklavenaufstand anzettelte (Chatschaturjan), und der Untergang des letzten römischen Volkstribun (Wagner) mit Amore, Amore zu tun haben mag, geht's auch schon los. Die Berliner Philharmoniker sind in spielfreudiger Hochform; Dirigent Ion Marin legt ein spritziges Tempo vor. Bei Dvořák muss er jedoch kurz auf die Bremse treten: Renée Fleming möchte mit ihrem Luxus-Sopran verzaubern, jedes noch so kleine Detail der Rusalka-Arie ausloten - und das kostet Zeit. Manch eine Phrasierung klingt bald eine Spur zu perfekt (und damit künstlich), aber Flemings Sopran besitzt eine ungeheure emotionale Tiefe, hat ein angenehmes Vibrato, ist hörbar dunkler geworden. Die deutsche Textverständlichkeit lässt ein paar Wünsche offen (Capriccio-Gräfin, Marie), die italienischen Stücke gefallen dagegen sehr. Da rührt eine verletzte Mimi zu Herzen (Puccini), strotzt die Musette Leoncavallos nur so vor Lebensfreude, hält in der Arie der Liù das Waldbühnenrund kollektiv den Atem an. Mag das Programm im ersten Teil bald zu anspruchsvoll für eine Open-Air-Veranstaltung zusammengestellt sein, man verzeiht das spätestens im Finale. Mit Vuvuzelas zu Paul Linckes Berliner Luft verabschieden die Philharmoniker ihre Zuhörer witzelnd in die Sommerpause - und Intendantin Pamela Rosenberg in den Ruhestand. |