Dezember 2003Simon Rattle zur Zusammenarbeit mit den Berliner PhilharmonikernAuszüge aus Interviews mit dem Tagesspiegel und dem San Francisco Chronicle |
Simon Rattle zur Zusammenarbeit mit den Berliner PhilharmonikernAuszüge aus Interviews mit dem Tagesspiegel und dem San Francisco ChronicleVon Nancy Chapple Christiane Peitz vom Tagesspiegel hat ein höchstinteressantes Interview mit Simon Rattle zu seiner Arbeit mit den Berliner Philharmonikern geführt. Den vollständigen Text finden sie beim Tagesspiegel. Hier einige kurze Auszüge:
Rattle:
... Musizieren hat ja nicht nur mit Gesang zu tun, sondern auch mit dem Sprachrhythmus, der natürlichen Betonung der musikalischen Silben.
Anfangs habe ich unendlich oft gesagt: Die letzte Note ist nicht die lauteste, bloß weil sie die letzte ist.
Egal wie laut man "Beethoven" sagt, man sagt niemals Beethovén.
Irgendwann haben sie aufgehört, die letzte Note am lautesten zu spielen, damit ich endlich zu schimpfen aufhöre.
Dieses Lauterwerden mit jedem Ton ist übrigens ein Karajan-Erbe. Tagesspiegel: [Und Sie haben] bisher keinen amerikanischen Chefdirigentenposten angenommen? Rattle: Manchmal war es schon sehr verlockend. Aber ich bin lieber dort, wo die Musik ihre Wurzeln hat. Die Musik kommt aus Europa. Tagesspiegel: Aus dem alten Europa. Rattle: (lacht) Dank Donald Rumsfeld erfüllt uns diese Bezeichnung mit Stolz. In Europa ist klassische Musik ein fester Bestandteil der Kultur. In Amerika ist es ein kleines Marktsegment. Große Städte leisten sich einen Konzertsaal wie eine Bibliothek oder ein Baseballteam: als Teil dessen, was eine zivilisierte Gesellschaft ausmacht. Es gehört sich so, aber es gehört nicht unbedingt zum Leben dazu. Und das Publikum ist eine kleine, überschaubare Gruppe. Wer kann sich schon die teuren Tickets leisten! Wobei sich einige meiner amerikanischen Kollegen, wie Esa-Pekka Salonen in Los Angeles, auch um ein gemischteres, jüngeres Publikum bemühen. Als Chefdirigent in Amerika wäre es mein Job, den Leuten klarzumachen, dass es nicht nur um Unterhaltung geht, sondern um etwas Essentielles und Existenzielles. Am 23. November 2003 hat der Musikkritiker der San Francisco Chronicle, Joshua Kosman, anlässlich der Philharmoniker-Konzerte in San Francisco Rattles Entscheidung für ein europäisches Orchester und auch die grundsätzlichen Unterschiede zwischen europäischen und amerikanischen Orchestern hervorgehoben (der Gesamtartikel in englischer Sprache befindet sich unter: http://tinyurl.com/wh83). Auch hier einige Auszüge:
"'Ich könnte nicht innerhalb des amerikanischen Abonnementssystem arbeiten,' sagte Rattle David Patrick Stearns der Philadelphia Inquirer früher im Monat. ‚Sie strengen sich enorm an, um mir genug Zeit zu geben, das zu machen was ich benötige, aber es bleibt zu wenig Zeit.' ... |