Juli 2008

Was bringt die Opernsaison 2008/2009?

Eine Vorschau auf die Spielpläne der drei Berliner Opernhäuser

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Was bringt die Opernsaison 2008/2009?

Eine Vorschau auf die Spielpläne der drei Berliner Opernhäuser

Von Heiko Schon

Komische Oper

Andreas Homoki freut sich über die 4 Millionen € mehr im Subventionssäckel und er weiß auch ganz genau, wofür er sie ausgibt. Voller Stolz verkündete er zur Vorstellung der Saison 2008/09, dass die Komische Oper Berlin nun wieder 7 Neuproduktionen pro Spielzeit präsentieren kann. Den Anfang macht eine Uraufführung, welche Mozarts Requiem mit dem Schauspiel In der Schlangengrube von Armin Petras und Jan Kauenhowen kreuzt. Die Umsetzung liegt bei Markus Poschner (Musikalische Leitung) und Sebastian Baumgarten (Inszenierung); Premiere ist am 14.09.2008.

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Die zweite Uraufführung inszeniert der Hausherr selbst. Homoki zeigt mit Frank Schwemmers Robin Hood, dass Kinderoper für ihn Chefsache ist. Am 02.11.2008 hebt sich der Premierenvorhang; Patrick Lange wird am Pult stehen.
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Hans Neuenfels trifft Giuseppe Verdi. Was an der Frankfurter Oper und der Deutschen Oper Berlin Bühnengeschichte schrieb, setzt sich ab dem 23.11.2008 im Haus an der Behrenstraße fort, wenn Neuenfels La Traviata inszenieren wird. Beim GMD des Hauses, Carl. St. Clair, liegt die musikalische Leitung.
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Nachdem Thilo Reinhardt mit Hoffmanns Erzählungen der KOB einen Publikumshit bescherte, darf er nun Tschaikowskis Pique Dame in Szene setzen. Als Erstbesetzung der Gräfin konnte Anja Silja verpflichtet werden. Die Premiere wird am 25.01.2009 über die Bühne gehen.
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Maria Bengtsson kehrt ab dem 05.04.2009 als Glucks Armida an ihr ehemaliges Stammhaus zurück. Dort erwarten sie Konrad Junghänel (Dirigat) und Calixto Bieito (Regie).
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Auch die heitere Muse darf nicht fehlen: Eduard Künnekes Der Vetter aus Dingsda ist da, und zwar ab dem 03.05.2009, in der Regie von Cordula Däuper sowie unter der musikalischen Leitung von Patrick Lange.
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Den Abschluss am 21.06.2009 bildet eine dritte Uraufführung. Diese stammt vom Composer in Residence der KOB, Christian Jost, und setzt sich mit Shakespeares Hamlet auseinander. Chefregisseur Homoki liefert die Inszenierung; GMD Carl St. Clair wird im Graben stehen. Das Repertoire sieht Aufführungen von Händels Theseus, Lehars Land des Lächelns (Prinz Sou-Chong: Stephan Rügamer), Mozarts Cosi, Figaro, Don Giovanni und Zauberflöte, Offenbachs Hoffmanns Erzählungen, Porters Kiss me, Kate, Prokofjews Liebe zu drei Orangen, Puccinis La Bohème und Madame Butterfly, R. Strauss' Rosenkavalier (mit Solveig Kringelborn als Feldmarschallin), J. Strauß' Fledermaus (am Pult der Essener GMD Stefan Soltesz), Valtinonis Pinocchio, Webers Freischütz und Weills Mahagonny vor.



Deutsche Oper

Aufschwung durch Frauen-Power! So könnte die Devise der Spielzeit 2008/09 der Deutschen Oper Berlin heißen. Kirsten Harms behält ihren Kurs bei, baut den begonnenen Strauss- und Wagner-Zyklus weiter aus, erneuert das italienische Kernrepertoire, zeigt aber auch Raritäten. Lorenzo Fioroni wird seine Sicht auf die chinesische Eisprinzessin Turandot am 13.09.2008 vorstellen. Die Premierenstaffel der Puccini-Oper wird Pinchas Steinberg dirigieren.

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Zwei Rollen, eine Sopranistin: Nadja Michael wird in Wagners Tannhäuser neben der Venus auch Elisabeth verkörpern. Für das Leitungsteam dieser Premiere (30.11.2008) hat die Chefin sich selbst (Inszenierung) und Ulf Schirmer (Dirigat) verpflichtet.
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Marco Arturo Marelli kehrt am 18.01.2009 für Die ägyptische Helena an die DOB zurück. Im Orchestergraben waltet Andrew Litton seines Amtes.
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Mit Richard Strauss geht es dann auch gleich am 08.02.2009 weiter. Violeta Urmana wird als Ariadne auf Naxos den Bacchus in Gestalt von Roberto Saccá erwarten. Die aus der Bayerischen Staatsoper übernommene Inszenierung stammt von Robert Carsen. Am Pult wird Jacques Lacombe stehen.
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Wenn das kein Fest zum Internationalen Frauentag ist: Am 08.03.2009 wird der vom Sprechtheater bekannte Jürgen Gosch Carmen in Szene setzen. Das Dirigat hat Yves Abel übernommen; die Titelpartie singt Angelika Kirchschlager.
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Als Ausgrabung präsentiert die DOB ab dem 09.04.2009 Otto Respighis Marie Victoire. Mal gucken bzw. hören was Katharina Wagner (Anmerkung der Redaktion: Katharina Wagner gab inzwischen die Regie zurück) und Michail Jurowski (Musikalische Leitung) daraus machen ...
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Die letzte Premiere (20.05.2009) ist eine weitere Übernahme. Sir Peter Hall inszenierte für das Glyndebourne Festival La Cenerentola. Im Haus an der Bismarckstraße wird Paolo Arrivabeni die Rossini-Oper musikalisch leiten.
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Besondere Aufmerksamkeit verdient das Gastspiel des Mariinsky-Theaters vom 30.09. bis 08.10.2008 (Tschaikowskis Pique Dame, Schostakowitschs Die Nase und Mussorgskijs Chowanschtschina, alle unter der musikalischen Leitung von Valery Gergiev) sowie die einmalige konzertante Aufführung von Pietro Mascagnis L'Amico Fritz am 20.09.2008. Für die Besetzung der Hauptpartien sind Roberto Alagna und Angela Gheorghiu vorgesehen.
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Letztere wird zudem als Violetta (La Traviata) im Mai 2009 und als Tosca im Juni 2009 an der DOB zu erleben sein. Weitere Sänger-Highlights: Peter Seiffert in Tiefland (Juni, Juli 2009) und Freischütz (Juni 2009), Elena Mosuc als Lucia di Lammermoor (März 2009), Neil Shicoff in Manon Lescaut (Oktober 2008) und Tosca (Juni 2009), Agnes Baltsa in Elektra (Januar 2009), Bo Skovhus als Eugen Onegin (April und Mai 2009 / Dirigat: Andris Nelsons), Der fliegende Holländer mit Franz Grundheber in der Titelpartie (Oktober 2009) oder Matti Salminen als Daland (September 2009), Johan Botha als Lohengrin (Oktober, November 2008), Evelyn Herlitzius in Tristan und Isolde (Juni 2009).



Staatsoper Unter den Linden

Auch für den theatralischen Kulturbetrieb gilt: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Nachdem Peter Mussbach die Staatsoper Unter den Linden verlassen hat, ist von konzertanten Aufführungen nicht mehr die Rede. Also können alle Neuproduktionen der Saison 2008/09 wie geplant szenisch realisiert werden. Maestro Barenboim persönlich eröffnet die Spielzeit mit einem zweitägigen Fest. Am 30.08.2008 wird die Fidelio-Aufführung direkt vom Zuschauerraum auf den Bebelplatz übertragen. Einen Tag später findet dort ein Live-Konzert (Beethovens Sinfonie Nr. 9) der Staatskapelle statt.

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Auch die erste Premiere am 27.09.2008 leitet der GMD. Der großartige Achim Freyer wird Eugen Onegin inszenieren und neben der Regie ebenfalls Bühne und Lichtkonzeption entwerfen. Den Lenski übernimmt Rolando Villazón.
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Das Auftragswerk der Staatsoper, Peter Ruzickas Hölderlin, feiert am 16.11.2008 Uraufführung. Der Komponist übernimmt die musikalische Leitung seiner Expedition. Nach dem Weggang Peter Mussbachs steht ein neuer Regisseur noch nicht fest.
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Das Erfolgsgespann Alain Altinoglu (Musikalische Leitung) und Karsten Wiegand (Regie) wurden nach ihrer sensationellen Maria Stuarda für Gounods Faust verpflichtet. In der Premierenstaffel ab dem 15.02.2009 wird René Pape als Méphistophélès auf der Bühne stehen.
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Die Festtage 2009 werden am 04.04. mit Stefan Herheims Neuinszenierung von Wagners Lohengrin eröffnet. Wer darf am Pult nicht fehlen? Richtig, Daniel Barenboim.
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René Jacobs beschäftigt sich nach Monteverdi, Telemann und Händel wieder mit Joseph Haydn. Orlando Paladino feiert am 08.05.2009 Premiere; das Produktionsteam weist bislang noch keinen Regisseur aus.
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Die KOB nimmt den Calixto-Bieito-Skandal aus dem Repertoire und prompt kündigt die Staatsoper eine Neuproduktion von Mozarts Entführung aus dem Serail an. Michael Thalheimer erarbeitet die Inszenierung; Philippe Jordan ist für die musikalische Leitung zuständig; Premiere wird am 07.06.2009 sein.
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Als Gäste werden u. a. Lawrence Brownlee (Der Barbier von Sevilla / September 2008 und Februar 2009), Gustavo Dudamel (Don Giovanni / März 2009), Waltraud Meier (Fidelio / August und September 2008, Parsifal / März 2009), Vesselina Kasarova (Die Italienerin in Algier / November und Dezember 2008), Magdalena Kožená (Der Rosenkavalier / Februar und März 2009) und Andris Nelsons (Turandot / Dezember 2008) erwartet.



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