Juli 2007

Was bringt die Opernsaison 2007/2008?

Eine Vorschau auf die Spielpläne der drei Berliner Opernhäuser

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Was bringt die Opernsaison 2007/2008?

Eine Vorschau auf die Spielpläne der drei Berliner Opernhäuser

Von Heiko Schon

Komische Oper

Die Komische Oper Berlin feiert ihre 60. Spielzeit mit einer Neuinszenierung der Operette schlechthin. Die Premiere der Fledermaus in der Regie von Andreas Homoki und unter der musikalischen Leitung von Markus Poschner findet am 23.09.07 statt.

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Danach befragen Regisseurin Katja Czellnik und Dirigent Eberhard Kloke Die Verurteilung des Lukullus. Die Oper Paul Dessaus mit Texten von Bertolt Brecht gilt es ab dem 25.11.07 neu zu entdecken.
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Der diesjährige Beitrag in der Barock-Sparte ist Theseus. Das Team Alessandro de Marchi (musikalische Leitung) / Benedikt von Peter (Inszenierung) erarbeiten das Händel-Werk. Premiere ist am 10.02.08.
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Carl St. Clair stellt sich am 06.04.08 mit dem Start der Neuproduktion von La Bohème (Regie: Andreas Homoki) als frischgebackener Generalmusikdirektor dem Publikum vor.
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Spektakulärer kann der Saisonabschluss nicht ausfallen: Barrie Kosky bringt Cole Porters Musical Kiss Me, Kate auf die Bühnenbretter der Komischen Oper, während Koen Schoots das Orchester leiten wird. Als Lilli Vanessi / Katherine wird keine Geringere als Dagmar Manzel ordentlich auf den Putz hauen.
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Die Intendanz baut das Angebot für die kleinen Opernbesucher weiter aus und bringt mit Ravels Das Kind und der Zauberspuk (ML: Kimbo Ishii-Eto, Inszenierung: Jetske Mijnssen, ab 21.10.07) erneut eine Kinderoper heraus.
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Im Repertoire sind Aufführungen von Glucks Iphigenie auf Tauris, Händels Orest (mit Charlotte Hellekant), Lehárs Land des Lächelns, Mozarts Cosi fan tutte, Entführung aus dem Serail, Hochzeit des Figaro, Zauberflöte und Don Giovanni, Offenbachs Hoffmanns Erzählungen, Prokofjews Liebe zu drei Orangen, Puccinis Madame Butterfly, Rossinis Barbier von Sevilla, Strauss' Rosenkavalier, Tschaikowskis Jewgeni Onegin, Valtinonis Pinocchio, Verdis Rigoletto, Webers Freischütz und Weills Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (mit Noëmi Nadelmann) vorgesehen.



Staatsoper Unter den Linden

Dank sieben Koproduktionen kann die Staatsoper Unter den Linden ihren Besuchern gleich neun Premieren in der Saison 2007/08 anbieten. Mit der Uraufführung von Hans Werner Henzes Phaedra (Titelrolle: Magdalena Kožená) beginnt dieser Reigen am 06.09.07. Die Konzertoper wird von Peter Mussbach inszeniert und von Michael Boder musikalisch geleitet.

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Nachdem Dido und Aeneas zum Kultstück an der Staatsoper wurde, ist Sasha Waltz erneut für eine Oper verpflichtet worden. Ob ihre choreografisch inszenierte Deutung von Pascal Dusapins medeamaterial (ML: Marcus Creed) das gleiche Zeug zum Publikumsrenner hat, erfahren wir ab dem 16.09.07.
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Nach seinem Monteverdi-Zyklus lenkt sich das Interesse René Jacobs' auf Georg Philipp Telemann. Der Barockspezialist und das Regie-Duo Nigel Lowery und Amir Hosseinpour bringen Der geduldige Sokrates ab dem 29.09.07 auf die Staatsopernbühne.
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Gerade noch an der Mailänder Scala, ab dem 15.12.07 in Berlin: Peter Mussbachs Inszenierung von Mozarts Don Giovanni mit René Pape als Titel(frauen)held, Annette Dasch als Donna Elvira und Daniel Barenboim am Pult der Staatskapelle.
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Die Regisseure Jossi Wieler und Sergio Morabito, die vor allem mit ihren Stuttgarter Produktionen für Aufsehen sorgten, werden mit Verdis Maskenball am 20.01.08 ihr Hausdebüt geben. Catherine Naglestad wird die Amelia singen; es dirigiert der Principal Guest Conductor der Staatsoper, Philippe Jordan.
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Nach seinem Boris Godunow darf Dmitri Tcherniakov erneut das Regiezepter an der Staatsoper in die Hand nehmen. Unter der musikalischen Leitung von Maestro Daniel Barenboim kommt Sergej Prokofjews Der Spieler nur während der Festtage am 15. und 23.03.08 zur Aufführung.
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Aller guten Dinge sind drei! Nachdem Regisseur Christof Nel an der Komischen Oper triumphierte (Der Freischütz) und an der Deutschen Oper für großen Ärger sorgte (Fidelio), kommt er nun mit Händels Belshazzar an die Staatsoper. Den Taktstock schwingt René Jacobs ab dem 01.06.08.
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Und noch ein guter Bekannter kehrt an die Spree zurück. David Alden (Tamerlano und Alcina, beides Komische Oper) inszeniert Gioachino Rossinis Dramma buffo Der Türke in Italien. Die Premienstaffel mit Dirigent Constantinos Carydis im Graben und Sopranistin Christine Schäfer auf der Bühne beginnt ab 22.06.08.
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Auf Juli 2008 wurde die Premiere des neuen Projektes Monkey Journey to the West von Chen Shi-Zeng verschoben, da die Umsetzung mehr Zeit erforderte. Mit Damon Albarn (Musik) und Jamie Hewlett (visuelles Konzept und Animation) wurden die Erfinder der Musikgruppe Gorillaz verpflichtet.
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Schmankerl im Repertoire sind die Aufführungsserien von Die Meistersinger von Nürnberg im März und Pelléas et Melisande im April 2008, da René Pape unter GMD Barenboim sein Debüt als Hans Sachs geben und Sir Simon Rattle mit Debussys lyrischem Drama erstmals im Graben der Staatsoper stehen wird.



Deutsche Oper

Nach einer Spielzeit, in der mit Werken von Alberto Franchetti oder Alexander von Zemlinsky eher Kost für fortgeschrittene Opernfreunde angeboten wurde, konzentriert sich Intendantin Kirsten Harms in der kommenden Saison mehr auf das Kernrepertoire. Abzuwarten bleibt allerdings, ob auch wieder szenische Erfolge vermeldet werden können, welche die Deutsche Oper Berlin nach einer Reihe von Flops so dringend benötigt. Zumindest ist der glücklose Chefregisseur Alexander von Pfeil mit keiner Neuproduktion im Rennen. Die Hausherrin selbst inszeniert den ersten Premierenabend, welche die Einakter Cassandra (von Vittorio Gnecchi) und Elektra (Richard Strauss) verbindet. Der Vorhang hebt sich erstmalig am 03.11.07; die musikalische Leitung liegt bei Leopold Hager.

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Schon am 30.11.07 geht es mit einer Oper weiter, die in letzter Zeit an vielen großen Häusern eine Renaissance erlebte: Eugen d'Alberts Tiefland. Nach den Mozart-Fragmenten inszeniert Roland Schwab erneut an der Bismarckstraße; es dirigiert Yves Abel.
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Er liebt Rossini über alles und das Publikum der DOB liebt ihn: Alberto Zedda. Der Altmeister präsentiert am 07., 09. und 12.12.07 eine konzertante Version von La donna del lago mit Antonio Siragusa als König von Schottland.
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Monarchisch geht es ab dem 02.03.08 weiter, wenn das Schicksal der äthiopischen Prinzessin Aida neu erzählt wird. Für die Verdi-Oper wurden GMD Renato Palumbo und Regisseur Christopher Alden verpflichtet.
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Christoph Schlingensief, sonst an der Volksbühne immer für einen Skandal gut, setzt sich nach Parsifal auf dem grünen Hügel Bayreuths und Der fliegende Holländer im grünen Amazonas erneut mit Musiktheater auseinander. Die Szenen aus dem Leben der heiligen Johanna werden erstmals auf einer Bühne am 27.04.08 gezeigt; Ulf Schirmer studiert mit dem Orchester die Oper von Walter Braunfels ein.
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Mit Der fliegende Holländer in der Regie von Tatjana Gürbaca und unter dem Dirigat von Renato Palumbo beginnt die Neuinstallation der großen Werke Richard Wagners. Ricarda Merbeth als Senta wird dem Holländer von Johan Reuther ab dem 08.06.08 "Treu' bis in den Tod" schwören.
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Mit Gershwins Porgy and Bess (ML: Willie Waters) verabschiedet sich die DOB in den Sommer und zeigt die Inszenierung von Angelo Gobbato vom 04.07. bis 01.08.08.
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In puncto Stars kann sich das Publikum auf Engagements von Anja Harteros (La Bohème, Juni 2008), Marcelo Alvarez (Tosca, 28., 31.10.07), Elina Garanca (Der Rosenkavalier, 15., 19., 23.03.08), Patrizia Ciofi (Rigoletto, 04., 22.03., 19.04.08) und Robert Holl (Die Meistersinger von Nürnberg, 02., 10., 16.02.08) freuen. Auch Der Ring des Nibelungen von Götz Friedrich befindet sich im Repertoire und ist mit Stephen Gould (Siegfried, 10.01.08) und Matti Salminen (Götterdämmerung, 12.01.08) hochkarätig besetzt. Anna Netrebko wird im November 2007 mit La Traviata ihr Hausdebüt geben. Die Karten dazu - wen wundert's - sind längst vergriffen.



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