Juli 2006

Was bringt die Opernsaison 2006/2007?

Eine Vorschau auf die Spielpläne der drei Berliner Opernhäuser

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Was bringt die Opernsaison 2006/2007?

Eine Vorschau auf die Spielpläne der drei Berliner Opernhäuser

Von Heiko Schon

Staatsoper Unter den Linden

Wenn jetzt noch der Sanierungsplan und die entsprechende Finanzierung gelingen, ist Intendant Peter Mussbach restlos sorgenfrei. Denn vom baulichen Zustand des Hauses abgesehen, geht es der Staatsoper hervorragend: Die Auslastungszahlen steigen stetig, die Produktionen und Pläne sind in aller Munde. Die angekündigte Zusammenarbeit zwischen Staatsoper und Mailänder Scala ist das bislang letzte Glied einer Kette gelungener PR-Coups. Für die neue Spielzeit spannt sich der Bogen zwischen Barock und Uraufführung, Regiedebütant und Starregisseur, Ensembleliebling und Operndiva.

Die erste von sieben Premieren findet am 02.09.06 statt. Robert Wilson wird seine Performance The Murder from "Deafman Glance" sowie Schönbergs Einakter Erwartung inszenieren. Während Anja Silja auf der Bühne steht, wird Daniel Barenboim die Staatskapelle leiten. Für Donizettis Maria Stuarda wurde Regisseur Karsten Wiegand erstmalig an die Staatsoper eingeladen. Die Neuproduktion mit Elena Mosuc in der Titelpartie und José Bros als Roberto ist ab dem 29.09.06 zu sehen. Die musikalische Leitung übernimmt Alain Altinoglu. Am 02.12.06 wird sich der Premierenvorhang für Doktor Faust von Ferruccio Busoni heben. Die Mussbach-Inszenierung stammt aus einer Koproduktion der Salzburger Festspiele (1999) sowie der Met (2001) und wird nun übernommen - unter der musikalischen Leitung von Maestro Barenboim. René Jacobs biegt in seinem Monteverdi-Zyklus am 19.01.07 (im Rahmen der Cadenza Barocktage 2007) mit dem Doppelabend Marienversper / Kampf zwischen Tancredi und Clorinda in die Zielgerade ein. Die Inszenierung liegt bei Luk Perceval.

Ab dem 29.04.07 startet dann auch erstmalig in Berlin eine Anna-Netrebko-Show. Das russische Opernstarlet wird als Manon an der Seite von Rolando Villazón (Chevalier des Grieux) im gleichnamigen Fünfakter von Jules Massenet auf der Bühne stehen. Für die Inszenierung wurde Vincent Paterson (Cabaret / Bar jeder Vernunft) verpflichtet; im Graben waltet Bertrand de Billy. Der frisch gebackene Principal Guest Conductor Philippe Jordan übernimmt die musikalische Einstudierung von Mozarts Opera Seria La clemenza di Tito während Nigel Lowery für Szene, Bühne und Kostüme verpflichtet wurde. In der Premierenstaffel (ab 03.06.07) singen u. a. Roberto Saccà, Melanie Diener und Elina Garanca. Hinter der letzten Neuproduktion Monkey Journey to the West verbirgt sich ein Projekt des Künstlers Chen Shi-Zheng welches auf einem Roman aus dem 16. Jahrhundert basiert. Die Musik dazu komponierte Damon Albarn, dem Erfinder der Kult-Gruppe Gorillaz. Starttermin: 31.07.07. Daniel Barenboim wird - neben den Premieren - Repertoirevorstellungen von Boris Godunow, Tristan und Isolde und Parsifal dirigieren. Das starhungrige Publikum darf sich unter anderem auf ein Wiedersehen & -hören mit Waltraud Meier (Aida, Tristan und Isolde, Parsifal) und Deborah Polaski (Elektra) freuen.



Deutsche Oper

Die Intendantin der Deutschen Oper Berlin, Kirsten Harms, setzt in der kommenden Spielzeit, die erstmals komplett unter eigener Planung steht, auf Sicherheit im Repertoire und Wagemut bei den Neuproduktionen. Schon bei der ersten Premiere (15.10.06), Alberto Franchettis Germania, handelt es sich um ein selten aufgeführtes Werk. Kirsten Harms inszeniert nach Semiramide ein zweites Mal am Haus in der Bismarckstraße. Renato Palumbo, Generalmusikdirektor des Hauses, ist für die musikalische Leitung verantwortlich. Das Verdi-Repertoire der DOB wird ab dem 26.11.06 mit Simon Boccanegra erweitert. Lorenzo Fioroni führt Regie; im Graben waltet Yves Abel.

Große Sängernamen schmücken die konzertanten Aufführungen von Charles Gounods Romeo et Juliette am 07.12. und 12.12.06. Neil Shicoff und Angela Gheorghiu verkörpern das wohl bekannteste Liebespaar; Frédéric Chaslin wird den Taktstock schwingen. Mit Webers Freischütz - dem dann dritten in Berlin - wird sich Chefregisseur Alexander von Pfeil befassen. Die Premierenstaffel ab dem 24.03.07 wird Renato Palumbo dirigieren. Auf der Bühne werden u. a. Will Hartmann (Max) und Manuela Uhl (Agathe) stehen. Zu guter Letzt wird Joachim Schlömer erstmals Alexander von Zemlinskys Der Traumgörge auf eine große deutsche Bühne bringen. Als Dirigent wurde Jacques Lacombe verplichtet; Premiere ist am 27.05.07. Die Abende mit Juan Diego Flórez (La Sonnambula), José Cura (Cavalleria rusticana / Pagliacci, La Fanciulla del West) und Peter Seiffert (Tannhäuser) werden sicher für hohe Auslastungszahlen sorgen. Zudem wird Götz Friedrichs legendärer Tunnel-Ring zweimal zyklisch in Starbesetzung aufgeführt (u.a. Evelyn Herlitzius als Brünnhilde).



Komische Oper

Gerade feierte Kirill Petrenko mit dem Rosenkavalier seinen größten Erfolg, da geht die fruchtbare Arbeit des Generalmusikdirektors der Komischen Oper Berlin auch schon seinem Ende entgegen. Bis es aber soweit ist und er als freier Dirigent dem Haus als Gast erhalten bleibt, leitet er zwei Neuproduktionen, zwei Wiederaufnahmen (Der Rosenkavalier, Jewgeni Onegin) sowie einige Sinfonie- und Sonderkonzerte. Den Anfang bestreitet er gemeinsam mit Hausherrn und Chefregisseur Andreas Homoki. Am 24.09.06 hebt sich erstmals der Vorhang für Kurt Weills Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Die nächste Kinderoper feiert am 05.11.06 Premiere. Das Damendoppel Anna-Sophie Brüning (Musikalische Leitung) und Jetske Vollack wird sich Pinocchio, eine Oper von Pierangelo Valtinoni, zur Brust nehmen.

Der neu installierte Mozart-Zyklus findet am 25.11.06 mit der Premiere der Zauberflöte seine Vollendung. Hans Neuenfels wird zusammen mit seinem Bühnenbildner Reinhard von der Thannen für szenische Würze sorgen; Kirill Petrenko musste aus Zeitgründen den Taktstock an Markus Poschner übergeben. Auch Regisseur Willy Decker kehrt mit seinem Ausstatter Wolfgang Gussmann an die Behrenstraße zurück. Nach Jenufa und Albert Herring wurden beide für Jacques Offenbachs phantastische Oper Hoffmanns Erzählungen verplichtet. Kimbo Ishii-Eto dirigiert die Premierenstaffel (ab 04.02.07). In der Barocksparte gibt es diesmal ein Werk von Christoph Willibald Gluck. Barrie Kosky zeigt seine Sicht auf Iphigenie auf Tauris.

Die Premierenstaffel (ab 22.04.07) wird von Paul Goodwin musikalisch geleitet. Der Generalmusikdirektor verabschiedet sich ab dem 01.07.07 mit einer Operette. Kirill Petrenko wird die Noten des Franz-Lehar-Knallers Das Land des Lächelns zum Glühen bringen. Für szenischen Gesprächsstoff wird Regisseur Peter Konwitschny sorgen. Und während in der Reihe Komische Oper 'Akut sich der interessierte Zuschauer auf die Gastspiele Schumann, Schubert und der Schnee, Das trojanische Boot (beides Produktionen der RuhrTriennale) und Achim Freyers Sing- und Spiel für 20 Finger mit dem Titel Mozarts Zauberflöte freuen darf, rückt die Rubrik Komische Oper 'Kino mit Aufführungen von Der Rosenkavalier, Carmen, Salome und anderen Stummfilmen näher an das Profil des Hauses heran.



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