Juli 2005

Was bringt die Opernsaison 2005/2006

Eine Vorschau auf die Spielpläne der drei Berliner Opernhäuser

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Was bringt die Opernsaison 2005/2006

Eine Vorschau auf die Spielpläne der drei Berliner Opernhäuser

Von Heiko Schon

Deutsche Oper

Kirsten Harms hat bei der Vorstellung der Spielzeit 2005/06 mehrmals betont, dass die Neuproduktionen noch immer zum Großteil aus den Planungen ihrer Vorgänger stammen. Das Publikum der Deutschen Oper Berlin muss sich also noch ein wenig gedulden, um künstlerische Richtungsimpulse der Führungsspitze erkennen zu können.

Die Saison startet am 07.09.05 mit der Uraufführung von Isabel Mundrys Odyssee - Ein Atemzug. Regie führt Reinhild Hoffmann (Ariadne auf Naxos an der Staatsoper); das Dirigat liegt bei Peter Rundel. Mit dieser Produktion starten die "Tage der zeitgenössischen Oper", die in der Deutschen Erstaufführung von Nicolas Maws Sophie's Choice am 23.09.05 ihre Fortsetzung finden. Das Leitungsteam besteht aus Markus Bothe (Inszenierung) und Leopold Hager (musikalische Leitung); die Sophie übernimmt Angelika Kirchschlager.

Katharina Wagner versucht sich an ihrer ersten Inszenierung eines italienischen Werkes: Am 08.01.06 hebt sich der Premierenvorhang für Giacomo Puccinis Il trittico. Am Orchesterpult wird Stefano Ranzani stehen. Alexander von Pfeil startet am 12.02.06 als neuer Chefregisseur des Hauses mit Arabella von Richard Strauss. Die musikalische Leitung wird bei Ulf Schirmer liegen; die Titelpartie wird von Adrianne Pieczonka verkörpert. Nachdem John Dew schon viele Werke an der DOB erarbeitet hat (sein Faust wird ebenfalls wiederaufgenommen), wird seine Inszenierung von Vincenzo Bellinis La sonnambula / Die Nachtwandlerin aus der Oper Leipzig übernommen. Die Premiere findet am 22.03.06 statt; Daniel Oren leitet musikalisch; als Amina wird Stefania Bonfadelli auf der Bühne stehen.

Die letzte szenische Premiere am 15.04.06 steht unter dem Titel Fragmente. Dahinter verbergen sich musikalische Bruchstücke aus der Feder von Wolfgang Amadeus Mozart. An eine Zusammensetzung wagen sich Roland Schwab (Regie) und Johannes Debus (Musikalische Leitung). Dieser Abend ist übrigens neben den durchschnittlich besetzten Werken Le nozze di Figaro und Die Zauberflöte der einzige Beitrag zum Mozartjahr 2006. Dafür gibt es neben den "Puccini-Festwochen 2006" zwei weitere konzertante Premieren: Am 12.10.05 Giacomo Puccinis Le villi und am 24.06.05 Giuseppe Verdis Ernani (mit Salvatore Licitra, Lado Ataneli & Sylvie Valayre). Die musikalische Leitung liegt beide Male in den Händen von Renato Palumbo.

In puncto Stars sollten sich die Fans folgende Abende freihalten:
Sumi Jo als Lucia di Lammermoor (März 06), Maria Guleghina in Andrea Chenier (November 05), Thomas Moser in Die tote Stadt (Februar 06), Daniela Dessi als Manon Lescaut (Januar 06), Violeta Urmana als Tosca (Januar 06) und Paolo Gavanelli als Rigoletto (November 05). Dazu gestaltet Edita Gruberova am 07.04.06 einen Liederabend; Deborah Voigt und Ben Heppner geben sich beim Richard-Wagner-Sonderkonzert am 16.12.05 die Ehre.

Bereits ab Mai 06 schließt die DOB ihre Türen um mit den Umbaumaßnahmen im Bereich der Unterbühne zu beginnen.



Staatsoper Unter den Linden

Die Staatsoper Unter den Linden lässt es nicht nur im Rahmen ihrer 50-Jahre-Wiedereröffnungsfeier ordentlich krachen. Es wird nicht gekleckert, sondern mit den großen Namen (nicht nur) der Opernbranche geklotzt.

Auch hier beginnt die Spielzeit 2005/06 mit einer Uraufführung: Gleich sieben Regisseure (u.a. Peter Mussbach) bringen im Magazin am 14.09.05 die Produktion Seven Attempted Escapes From Silence heraus, musikalische Leitung: Max Renne. Im Opernhaus geht es am 24.09.05 mit Giuseppe Verdis La forza del destino / Die Macht des Schicksals weiter. Stefan Herheim erarbeitet seine erste Berliner Inszenierung; Michael Gielen steht am Pult der Staatskapelle. Sein Regiedebüt in Deutschland gibt Dmitri Tcherniakov am 11.12.05 mit Modest Mussorgskis Boris Godunov. GMD Daniel Barenboim leitet aus dem Graben; Rene Pape steht als Titelheld auf der Bühne. Am 21.01.06 inszeniert Peter Mussbach die nächste Uraufführung, die Michael Boder dirigieren wird: Pascal Dusapins Oper Faustus, The Last Night.

Die dritte Etappe des Claudio-Monteverdi-Zyklus wird am 16.02.06 mit L'incoronazione di Poppea / Die Krönung der Poppäa fortgesetzt. Regie führt der Globalplayer David McVicar. Als Garant für beste Barockinterpretation liegt die musikalische Leitung erneut bei René Jacobs. Die zweite Premiere innerhalb der Cadenza-Barocktage findet am 01.03.06 statt. Das Projekt mit dem Namen "Vespro" basiert nicht nur auf der Marienvesper von Claudio Monteverdi, sondern ist auch offizieller Beitrag des Kunst- & Kulturprogramms zur FIFA WM 2006. Für die Konzeption und Regie wurde Alain Platel verpflichtet; die musikalische Bearbeitung erledigen Fabrizio Cassols, Wim Becu und Cha Limberger.

Die Neuproduktion von Richard Wagners Tristan und Isolde wird ausschließlich während der Festtage 2006 gezeigt. Das Dirigat der Premiere am 09.04.06 liegt wie immer bei Daniel Barenboim; Stefan Bachmann wird die Handlung in den mit Spannung erwarteten Bühnenbildern des Stararchitektenduos Herzog & de Meuron inszenieren. Peter Seiffert gibt den ersten Tristan seiner Karriere; Katarina Dalayman wird als Isolde den Liebestod sterben. Abschließend wird uns am 17.06.06 Hausherr Peter Mussbach in seiner Neuinszenierung zeigen, wie sich die junge, hübsche Nadja Michael (Hanna Glawari) und der reife, ziemlich angegraute Siegfried Jerusalem (Graf Danilo Danilowitsch) lieb haben werden. Das Dirigat von Franz Lehars Lustigen Witwe übernimmt Constantinos Carydis.

Das Mozartjahr wird zur Chefsache erklärt: Die Vorstellungen von Cosi fan tutte und Don Giovanni im März 06 übernimmt Daniel Barenboim. Zudem dirigiert er im Repertoire Parsifal, Carmen und Die Meistersinger von Nürnberg. Zum besagten Jubiläum der Wiedereröffnung gibt es eine Ausstellung, ein Festkonzert mit Barenboim und Lang Lang (09. + 10.09.05), eine Nacht der offenen Tür (10.09.05, 18-24 Uhr) und eine Festaufführung von Bernd Eichingers Parsifal-Inszenierung in exklusiver Besetzung (11.09.05).



Komische Oper

Der Ehrgeiz von Intendant Andreas Homoki und seinem Leitungsteam hinsichtlich Regietheater in zeitgemäß-agressiver Interpretation ist genauso bemerkenswert wie ungebrochen. Der Start mit der zweiten Inszenierung von Calixto Bieito am Haus in der Behrenstrasse wird nicht nur überregionales Interesse erzeugen, sondern mit ziemlich hoher Gewissheit wieder die Journalisten einiger Tagesblätter beschäftigen. Nach dem Einstand mit Die Entführung aus dem Serail (wieder ab Oktober 05) wird Giacomo Puccinis Madame Butterfly am 25.09.05 Premiere haben. Die musikalische Leitung übernimmt Daniel Klajner.

Der Mozart-Zyklus wird mit Cosi fan tutte ab dem 20.11.05 kontinuierlich unter GMD Kirill Petrenko fortgesetzt. Es führt kein geringerer als Peter Konwitschny Regie. Das Aufführen von Kinderopern wird am 04.12.05 mit Ernst Tochs Die Prinzessin auf der Erbse fortgeführt. Die musikalische Leitung liegt bei Wolfgang Wengenroth; Regie führt Cordula Däuper. Katja Czellnik, die vor 2 Jahren mit Peter Grimes ein höchst zwiespältiges Debüt an der KOB gab, wird die Tango-Oper Maria de Buenos Aires erarbeiten. Für die musikalische Leitung ist Per Arne Glorvigen verantwortlich; Premiere ist am 22.01.06.

Die selten gespielte Händel-Oper Orest steht ab dem 26.02.06 auf dem Spielplan. Sebastian Baumgarten, der bereits mit seinem Werther (Deutsche Oper) in Berlin für Furore sorgte, wurde für die Regie eingeladen. Das Dirigat wird von Barockspezialist Thomas Hengelbrock übernommen. Richard Jones inszeniert nach seinem Wozzeck ein weiteres deutsches Werk an der Komischen Oper. Der Rosenkavalier von Richard Strauss wird unter der musikalischen Leitung von Kirill Petrenko am 02.04.06 Premiere haben. Den Premierenreigen schließt der Chef persönlich: Andreas Homoki wird Nikolai Rimski-Korsakows Märchen Der goldene Hahn inszenieren. Wenn sich der Vorhang am 28.05.06 hebt, wird Michail Jurowski am Orchesterpult stehen.

Der 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus wird neben den Mozart-Festtagen auch mit Sinfonie- & Foyerkonzerten, Liederabenden und weiteren Aufführungen der Opern Cosi fan tutte, Die Hochzeit des Figaro und Don Giovanni gefeiert. Ein paar nagelneue Pläne zum Schluss: Hans Neuenfels soll die neue Zauberflöte in Angriff nehmen, Willy Decker wird Hoffmanns Erzählungen herausbringen und Andreas Homoki will sich Kurt Weills Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny vorknöpfen. Es bleibt also spannend.



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