Juni 2004Was bringt die Opernsaison 2004/2005?Eine Vorschau auf die Spielpläne der drei Berliner Opernhäuser |
Was bringt die Opernsaison 2004/2005?Eine Vorschau auf die Spielpläne der drei Berliner OpernhäuserVon Heiko Schon Deutsche Oper: Mehr Tradition als InnovationUnter diesem Motto könnte die Programmvorschau der Spielzeit 2004/2005 der Deutschen Oper Berlin stehen. Im Premierenreigen befinden sich Debussys Pelléas et Mélisande (10.10.04; Regie: Marco Arturo Marelli; Dirigat: Marc Albrecht) und Puccinis Manon Lescaut (19.12.04; Regie: Gilbert Deflo; Dirigat: N.N.). Des Weiteren erarbeiten David Poutney (Inszenierung) und Marcello Viotti (musikalische Leitung) den Doppelabend Cavalleria rusticana / Der Bajazzo (23.04.05), wobei die Tenöre Peter Seiffert und José Cura für Aufmerksamkeit sorgen dürften. Ein wirklicher Coup ist dem Haus mit der Regie-Verpflichtung Volker Schlöndorffs für Janáceks Aus einem Totenhaus gelungen. Premiere ist am 19.02.2005. Doch wahrlich mutig bleibt die Erkenntnis, dass dem Wagner-hungrigen Publikum der Deutschen Oper nur vier Vorstellungen des Fliegenden Holländers (Mai & Juni 2005) und ein einmaliger Ring des Nibelungen (März 2005) vorgesetzt wird. Wiederaufnahme feiern Bizets Carmen (im September 2004 mit Agnes Baltsa), Strauss' Daphne, die berühmte Neuenfels-Inszenierung von Verdis Macht des Schicksals (mit Violeta Urmana), Reimanns Schloss und Bergs Lulu (Titelpartie: Alexandra von der Weth). Auch die Pflege der Götz-Friedrich-Produktionen (Friedrich ist gestorben im Dezember 2000) wird nicht vernachlässigt: Insgesamt stehen zwölf seiner Inszenierungen wieder auf dem Spielplan. Einen Schwerpunkt bilden die Strauss-Festtage im Januar und Februar 2005 mit Aufführungen der Opern Salome, Der Rosenkavalier, Die Frau ohne Schatten, Daphne und einem zusätzlichen Symphoniekonzert unter der Leitung von Christian Thielemann sowie die Janácek-Wochen im Juni und Juli 2005 mit Die Sache Makropulos, Das schlaue Füchslein und Aus einem Totenhaus. Zu den Leckerbissen im Repertoire zählen die Vorstellungen von Bellinis Puritanern mit Edita Gruberova im Mai 2005 und Puccinis Tosca mit Neil Shicoff als Mario Cavaradossi am 23.03.05. Zudem gibt der Tenor Juan Diego Flórez in Rahmen eines Sonderkonzertes (Rossini, Bellini, Donizetti) am 16.10.04 sein Debüt an der DOB. Liederabende gestalten Barbara Bonney und Angelika Kirchschlager am 03.12.04 sowie Thomas Hampson am 28.01.05. Die Spielzeit beginnt am 09.09.2004 mit einer konzertanten Premierenaufführung: Alberto Zedda dirigiert die Rossini-Oper Eine verrückte Verwechslung. Staatsoper Unter den Linden: Ein durchaus interessanter Weg"Berlin ist chaotisch. Jeder Weg ist denkbar." Wahre Worte von Peter Mussbach. Und unter seiner Intendanz entscheidet sich die Staatsoper Unter den Linden für einen durchaus interessanten Weg, der mit ambitionierten Uraufführungen, barocken Köstlichkeiten und großen Namen des Regietheaters gepflastert ist. Den Anfang macht der Hausherr selbst: Peter Mussbach und Kent Nagano bringen das Musik-Theater-Projekt Takemitsu - My Way of Life heraus. Das Projekt mit Werken vom 1996 verstorbenen Japaner Toru Takemitsu feiert am 14.10.04 Uraufführung. Zu den Janácek-Wochen im Juni und Juli 2005 leistet die Staatsoper mit Katja Kabanowa (Premiere bereits am 22.01.05) ihren Beitrag. Inszenieren wird Michael Thalheimer; die musikalische Leitung übernimmt Michael Gielen. Die Cadenza-Barocktage warten diesmal mit zwei Premieren auf: René Jacobs setzt mit Il Ritorno d'Ulisse in Patria (Die Heimkehr des Odysseus) seinen Monteverdi-Zyklus fort (Regie: Immo Karaman; Premiere: 18.02.05). Sasha Waltz, die bislang mit ihren Choreographien an der Schaubühne für Aufsehen sorgte, wird am 19.02.05 mit Henry Purcells Dido and Aeneas ihr Operninszenierungsdebüt geben (musikalische Leitung: Attilio Cremonesi). Ebenfalls zum ersten Mal wird Bernd Eichinger eine Opernregie übernehmen. Innerhalb der Festtage 2005 wird unter der Leitung von Daniel Barenboim Wagners Bühnenweihfestspiel Parsifal am 28.03.05 Premiere haben. Der Brite Nigel Lowery wird mit Amir Hosseinpour Die Italienerin in Algier erarbeiten. Das Duo hatte der Staatsoper bereits in der Spielzeit 2002/2003 mit ihrem durchgeknallten Rinaldo einen Überraschungserfolg beschert. Das soll nun mit der Rossini-Oper unter der Leitung von Massimo Zanetti ab dem 21.05.05 wiederholt werden. Die Sparte Neuproduktionen schließt am 23.06.05 mit einem musikalischen Theater von Hans Zender mit dem Titel Chief Joseph, seiner dritten Oper. Auch diese Uraufführung inszeniert Peter Mussbach; es dirigiert Johannes Kalitzke. Auch eine Opernstiftung kann den Tripletten keinen Einhalt gebieten. Egal ob Figaro, La Bohème, La Traviata oder Zauberflöte: alles dreifach in den Spielplänen der Berliner Opernhäuser. Und so kommt der Besucher erneut in das zweifelhafte Glück, neben der Kupfer-Variante (Komische Oper) und der Wiederaufnahme der Beauvais-Inszenierung (Deutsche Oper) nun noch eine Carmen-Produktion an der Staatsoper zu erleben. Bizets Oper in der Regie von Martin Kušej und unter der musikalischen Leitung von Maestro Barenboim wird am 04.12.04 Premiere haben. Komische Oper: Viele Gründe vorbeizuschauenNun muss es doch mit der Auslastung endlich mal bergauf gehen. Denn leider sind im Durchschnitt keine 60% der Plätze der Komischen Oper besetzt. Und das völlig zu unrecht. Intendant Andreas Homoki setzt unter dem traditionellen Motiv des realen MusikTheaters auf prinzipiell gegenwärtige Inszenierungshandschriften. Bislang konnte er erfolgreich die Topstars der Opernregie wie Peter Konwitschny, David Alden oder zuletzt Calixto Bieito verpflichten. Zudem hat er mit Kirill Petrenko einen Generalmusikdirektor an seiner Seite, der hervorragende Orchesterarbeit nicht nur in der Premierenstaffel leistet und in der neuen Spielzeit allein an 61 Abenden das Podium betritt. Auch hier sucht man in Berlin seinesgleichen. Insgesamt acht Opern-Neuproduktionen stehen für 2004/2005 fest. Zum ersten Mal wird mit Stephen Sondheims Sweeney Todd ein Musical herausgebracht. Dietrich Hilsdorf inszeniert; Koen Schoots dirigiert (Premiere: 26.09.04). Hans Neuenfels, bislang in Berlin als Enfant terrible der Deutschen Oper bekannt, bringt unter der musikalischen Leitung von Vassily Sinaisky Shostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk ab dem 21.11.04 heraus. Nach der erfolgreichen Produktion Le Grand Macabre wurde erneut Barrie Kosky für eine Regie verpflichtet. Zusammen mit Kirill Petrenko wird er Mozarts Die Hochzeit des Figaro erarbeiten (Premiere: 23.01.05). Ebenfalls zum wiederholten Male inszeniert Willy Decker (Jenufa) an der Komischen Oper. Albert Herring von Benjamin Britten wird unter der musikalischen Leitung von Jin Wang am 06.03.05 Premiere haben. Hausherr Homoki bringt unter Kirill Petrenkos Dirigat Tschaikowskis Eugen Onegin auf die Bühne (Premiere: 22.05.05). Regisseurin Sabrina Hölzer debütiert mit Hans Zenders Don Quijote de la Mancha (Premiere: 24.10.04; Dirigat: Rüdiger Brohm). Zudem gesellen sich mit Benjamin Brittens Der kleine Schornsteinfeger (Inszenierung: Jetske Mijnssen, Musikalische Leitung: Wolfgang Wengenbroth, Premiere: 05.12.04) und Frank Schwemmers Der Reiter mit dem Wind im Haar (I: Irmgard Paulis, ML: Jin Wang, UA: 16.04.05) zwei Kinderopern. Das aber ist noch lang nicht alles: Zum ersten Mal verwandelt sich der Zuschauerraum in einen Kinosaal. Es werden Meisterwerke der Stummfilmära wie Metropolis oder Nosferatu gezeigt und musikalisch vom Orchester der Komischen Oper untermalt. Ein verstärktes Wiedersehen gibt es mit Publikumsliebling Noëmi Nadelmann. Die von Harry Kupfer entdeckte, am Haus groß gewordene und inzwischen international bekannte Sopranistin wird in La Traviata, Die Csardasfürstin und Alcina zu sehen und zu hören sein. Es verbleiben Fidelio, Wozzeck, Jenufa, Die lustige Witwe, Le Grand Macabre, Don Giovanni, Die Entführung aus dem Serail, Die Zauberflöte, Die Liebe zu drei Orangen, La Bohème, Der Barbier vom Sevilla, Die Fledermaus, Rigoletto und Der Freischütz im Repertoire. Viele Gründe also im Haus an der Behrenstrasse vorbeizuschauen. |