November 2008

"Ich bin kein Romantiker"

Ausstellung über den Pianisten Wilhelm Kempff (1895-1991)

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"Ich bin kein Romantiker"

Ausstellung über den Pianisten Wilhelm Kempff (1895-1991)

Von Werner Friedrich

Wilheml Kempff

Die Akademie der Künste, die im Jahr 2001 eine große Artur-Schnabel-Ausstellung präsentierte, wird vom 22. November 2008 bis zum 1. Februar 2009 im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam eine Ausstellung über den Pianisten Wilhelm Kempff zeigen. Mit Kempff wird die Karriere eines Musikers rekapituliert, der wie kaum ein anderer Instrumentalsolist das "deutsche" Repertoire der klassisch-romantischen Klaviermusik umfassend interpretierte. 1895 in Jüterbog geboren, kam er bereits als Kind nach Potsdam, wo sein Vater als Königlicher Musikdirektor an der Nikolaikirche wirkte. Er studierte an der Berliner Musikhochschule Komposition bei Robert Kahn und Klavier bei Heinrich Barth und begann schon sehr früh zu konzertieren und Schallplatten einzuspielen. Bereits 1924 wurde er zum Direktor der Stuttgarter Musikhochschule berufen, doch legte er dieses Amt aus eigenem Willen nach fünf Jahren wieder nieder. Ab 1931 unterrichtete er eine Klavier-Meisterklasse an dem von Leo Kestenberg neugegründeten "Deutschen Musikinstitut für Ausländer". Unter der Präsidentschaft von Max Liebermann wurde er 1932 in die damalige Preußische Akademie der Künste gewählt.

Die Ausstellung wird auch auf die Weiterführung seiner Karriere nach 1933 eingehen. Seine öffentliche Stellung in Deutschland war nicht unproblematisch. Sein internationaler Ruhm erreichte nach dem Krieg seinen Höhepunkt. Seine ungeheure Popularität in Frankreich und Japan blieb ungebrochen. Eine amtliche Lehrtätigkeit nahm er nicht mehr auf, jedoch gab er ab 1957 kostenlose Beethoven-Interpretationskurse für ausgewählte Meisterschüler an seinem Zweitwohnsitz in Positano/Italien. Unter den Studenten befanden sich Idil Biret, Jörg Demus, Justus Frantz, Klaus Hellwig, Gerhard Oppitz, Gitti Pirner, Norman Shetler, Eva Solar, Mitsuko Uchida und Käthe Wittlich.

Zur Ausstellung erscheint ein umfassender Katalog im Wolke Verlag, der in der Ausstellung zum Sonderpreis zu erwerben ist.

Adresse/Kontakt: Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Kutschstall, Am Neuen Markt 9, 14467 Potsdam. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Samstag/Sonntag und an Feiertagen 10 bis 18 Uhr.

Begleitveranstaltungen (Auswahl) Sa, 22.11.2008, 16 Uhr
Der Pianist Wilhelm Kempff
Vortrag mit Tonbeispielen
Peter Cossé, Musikkritiker, Salzburg
Ort: Kutschstall Am Neuen Markt, Potsdam

So, 07.12.2008, 11 Uhr
Filmmatinee
Wilhelm Kempff. Konzerte in Filmaufnahmen
Einführung: Werner Grünzweig, Akademie der Künste, Berlin
Ort: Filmmuseum Potsdam, Marstall Am Lustgarten

Mi, 10.12.2008, 20 Uhr
Vortrag und Podiumsgespräch
Wilhelm Kempff in Frankreich
Vortrag von Philippe Olivier, Paris
Podiumsgespräch über Kempff im "Dritten Reich" mit Philippe Olivier, Albrecht Betz und Werner Grünzweig
Ort: Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin

So, 11.01.2009, 16 Uhr
Kammerkonzert
Lieder, Klavier- und Kammermusikwerke von Wilhelm Kempff Wolfgang Holzmair (Wien), Bariton
Russel Ryan (Wien), Klavier
Mitglieder der Kammerakademie Potsdam
Einführung: Werner Grünzweig, Akademie der Künste, Berlin
(Änderungen vorbehalten)