September 2010

Das Wesentliche sagt der Musiker

Über die Marek-Janowski-Biografie "Atmen mit dem Orchester" von Wolfgang Seifert und das Wagner-Projekt des RSB

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Das Wesentliche sagt der Musiker

Über die Marek-Janowski-Biografie "Atmen mit dem Orchester" von Wolfgang Seifert und das Wagner-Projekt des RSB

Von Heiko Schon

Atmen mit dem Orchester

In zwei Monaten startet es: das ehrgeizige wie prestigeträchtige Wagner-Projekt des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Mit Ausnahme der Jugendwerke werden alle Opern und Musikdramen Richard Wagners konzertant aufgeführt. Ein guter Zeitpunkt also um die Biografie des RSB-Chefdirigenten in die Buchläden zu bringen. Wolfgang Seifert, Jahrgang 1932, Musikjournalist und Publizist, nimmt Marek Janowski, Jahrgang 1939, weltberühmter Konzertchef mit dem "Kapellmeister"-Etikett, unter die Lupe.

Beim Lesen des Vorwortes, welches bei Seifert eine einzige, adjektivlastige Lobeshymne auf Janowski ist, rechnet man mit dem Allerschlimmsten, doch der schwülstige Tonfall ändert sich im Anschluss daran, wird sachlicher, ausgewogener. Und dennoch: Hier schreibt ein begeisterter Anhänger, der weiß, dass Janowski "stets mit vollem Einsatz" in die "außerordentlich gut vorbereiteten Proben" geht. Andere Sichtweisen werden kurz und knapp als "grob" oder "polemisch" abgetan, während ein positives Presseecho gern in voller Gänze zitiert wird. Inhaltliches Interesse werden besonders bei der Kindheit Janowskis (der Überfall auf Polen spielt eine wichtige Rolle) und dem Eintritt ins Dirigentenleben geweckt. Der Autor erzählt wenig über musikalische Interpretationsformen, etwas zu Charakter und Familie und viel über den künstlerischen Werdegang. Um 414 Seiten zu füllen, werden da schon mal akribisch Konzertprogramme (wo? wann? was? wer?) oder Belanglosigkeiten ausgebreitet. Dann erfährt man nämlich auch, dass Janowski beim Gucken eines Fußballspiels gern mal ein Bier trinkt oder sich zur Tasse Kaffee ein Stück guten Dresdner Kuchen gönnt.

So verwundert es nicht, dass es gerade dann spannend wird, wenn Janowski persönlich zu Wort kommt (was erfreulicherweise nicht selten der Fall ist). Er teilt Ansichten mit, über die man herzlich streiten kann (Stichwort: "Regietheater" oder sogenannte "Pultwedler"), plaudert in trockenhumoriger Weise aus dem Nähkästchen, zeigt sich nicht selten selbstkritisch oder sensibel, gibt Auskunft über seine Abkehr vom Opernbetrieb und beantwortet in der Passage "Dirigieren und Älterwerden" dann endlich auch stilistische Kernfragen zu seinem bevorzugten Repertoire. "Atmen mit dem Orchester" ist im Schott-Verlag erschienen.

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Die Besetzung der ersten drei Wagner-Opern steht inzwischen fest:

Am 13. November 2010 geht es mit dem Fliegenden Holländer los. Es singen Matti Salminen (Daland), Ricarda Merbeth (Senta), Robert Dean Smith (Erik), Silvia Hablowetz (Mary), Steve Davislim (Steuermann), Albert Dohmen (Holländer) und der Rundfunkchor Berlin.

Mit Parsifal geht es am 08. April 2011 weiter. Die Besetzungsliste sieht Evgeny Nikitin (Amfortas), Christian Elsner (Parsifal), Franz-Josef Selig (Gurnemanz), Eike Wilm Schulte (Klingsor), Yvonne Naef (Kundry / Stimme aus der Höhe), Dimitry Ivashchenko (Titurel), Clemens Bieber und Kouta Räsänen (1. und 2. Gralsritter), Julia Borchert, Martina Rüping, Lani Poulson und Sophie Klußmann (1., 2., 3. und 4. Blume), Olivia Vermeulen (5. Blume / 1. Knappe), Ulrike Schneider (6. Blume / 2. Knappe), Michael Smallwood und Timothy Fallon (3. und 4. Knappe) und den Rundfunkchor Berlin vor.

Die Meistersinger von Nürnberg kommen am 3. Juni 2011 zur Aufführung. Dann werden Albert Dohmen (Hans Sachs), Georg Zeppenfeld (Veit Pogner), Clemens Bieber (Kunz Vogelgesang), Sebastian Noack (Konrad Nachtigall), Dietrich Henschel (Sixtus Beckmesser), Detlef Roth (Fritz Kothner), Timothy Fallon (Balthasar Zorn), Tobias Ebenstein (Ulrich Eißlinger), Thorsten Scharnke (Augustin Moser), Tobias Berndt (Hermann Ortel), Hans-Peter Scheidegger (Hans Schwarz), Kouta Räsänen (Hans Foltz), Robert Dean Smith (Walther von Stolzing), Christoph Strehl (David), Edith Haller (Eva), Michelle Breedt (Magdalena), Matti Salminen (Ein Nachtwächter) und der Rundfunkchor Berlin auftreten.

Die weiteren Termine lauten: Lohengrin am 12. November 2011, Tristan und Isolde am 27. März 2012, Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg am 5. Mai 2012, Das Rheingold am 22. November 2012, Die Walküre am 24. November 2012, Siegfried am 1. März 2013 und Götterdämmerung am 15. März 2013.

Alle Werke werden in der Philharmonie Berlin in konzertanter Form aufgeführt. PentaTone wird sämtliche Opern und Musikdramen live aufzeichnen und als CD-Box veröffentlichen.

Weitere Infos und Tickets unter: www.rsb-online.de



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