August 2004

Ich bin ein Music Lover

Auszüge eines Artikels aus der New York Times vom 15. August 2004

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Ich bin ein Music Lover

Auszüge eines Artikels aus der New York Times vom 15. August 2004

Von Jeremy Eichler, The New York Times
(aus dem Amerikanischen von Nancy Chapple)

Als Erbe der jahrzehntelangen Spaltung in Osten und Westen, prahlt das wiedervereinte Berlin mit einer herrlich unmöglichen Anzahl von musikalischen Institutionen: acht Orchester und drei Opernhäuser. Die Finanzen in der Stadt sind ein heilloses Durcheinander und die Institutionen zanken sich ständig, aber wenn man sich in diesem Sommer vom Hintergrundlärm distanzierte, fand man eine aufregendes Aufgebot vor: teuflische gute Orchesterkonzerte, eigensinnig skandalöse Opernaufführungen, Freiluftkonzerte auf einem wunderschön wiederhergestellten Platz, zeitgenössische Kammermusik und sogar Unterwassermusik in einem Schwimmbad.

New York hat selbstverständlich auch seinen eigenen Anspruch an akustischer Vielfalt. Aber musikalische Erlebnisse in Berlin bieten etwas qualitativ Anderes, eine intellektuelle Energie und einen Zusammenhalt, das mit der Nische eng zusammenhängt, die klassische Musik in der modernen deutschen Gesellschaft einnimmt. Kurzum, sie ist integriert und wird ernst genommen. ...

Deutschlands musikalische Vitalität begründet sich auch aus der generellen Meinung, dass klassische Musik neben der Popkultur auch einen Platz am Tisch verdient, nicht nur in seiner generischen Bedeutung als Zeichen der vornehmer Herkunft und Kultiviertheit oder als Werkzeug um die Entspannung, Liebe oder ein feines Abendessen anzureichern. ...

Man kann sich über die Verdienste von einzelnen Aufführungen oder die Macht von Operninszenierungen, die dunkelsten kollektiven Fantasien einer Gesellschaft zu kanalisieren, streiten, aber grundsätzlich spiegeln diese Trends in der deutschen Oper ein grundlegendes Vertrauen mit dem Repertoire wider, eine Pietätlosigkeit, die aus der Vertrautheit wächst. Berliner, scheint es, sind überzeugt, dass diese Werke sich mit den Zeiten ändern müssen, um am Leben zu bleiben. ...

Politische Überlegungen und finanzpolitischer Pragmatismus werden sich wohl immer wieder in Berlins musikalische Träume einschleichen, aber es ist schwer vorzustellen, dass diese Kräfte vollständig den Reiz dieser Stadt ändern könnten. Berlin scheint mit ein bisschen Unsicherheit zu gedeihen; es übernimmt das Ausmaß der komplexen Geschichte, während es klangvoll in die Zukunft steuert.

(Der vollständige Artikel ist in The New York Times erschienen)



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