November 2003

Einmal das DSO bei der Arbeit erleben

Spandauer Schüler live bei einer Orchesterprobe

Partner Leserbrief/readers comment Druckversion/printversion

Einmal das DSO bei der Arbeit erleben

Spandauer Schüler live bei einer Orchesterprobe

Von Nancy Chapple

An einen grauen Novembervormittag wurden 25 Schüler der Klasse 6b des Hans-Carossa-Gymnasiums in Spandau in eine Probe des Deutschen Symphonie Orchesters "reingeschmuggelt" - ganz offiziell. Unter der Leitung von Chefdirigent Kent Nagano probte das Orchester Beethovens 6. Sinfonie, die zusammen mit Werken von Ives und Boccherini auf zwei Konzerten in den folgenden Tagen aufgeführt werden sollten. Das Programm Hören wie Musik entsteht ist ein laufendes Projekt des Orchesters, um Schulklassen durch das unmittelbare Erlebnis einer Orchesterprobe an klassische Musik heranzuführen. Mit der sinnlichen Erfahrung hautnah im Orchester zu sitzen - nach der Probe gibt es sogar die Möglichkeit, die Instrumente anzufassen - hofft man die nächste Generation potentieller Musikliebhaber und Konzertgänger für die Musik zu gewinnen.

Nach und nach sammelten sich die Musiker auf der Bühne und stimmten ihre Instrumente. Maestro Nagano wechselte noch mit einzelnen Musikern ein paar Worte, dann kam er auf die Bühne: "OK, let's put it together". Zunächst wurde der erste Satz ganz durchgespielt und anschließend von hinten nach vorne auseinander genommen. Nagano wirkt warm, engagiert, zugänglich aber zugleich gespannt und beherrscht. Er sprach relativ leise aber intensiv mit den Musikern in einer Mischung aus Deutsch und Englisch: "Es gibt eine Tendenz ... es geht ein bisschen langsam ... let's just keep the tempo". Die ganz wesentlichen Hinweise - Taktzahlen für die Einsätze, welche Instrumentengruppe - werden auf deutsch gehalten, die Nuancen und Stimmungsbeschreibungen in einer Mischung der beiden Sprachen.

Schüler in der Probe

Die Hälfte der Kinder sitzt hinter der Harfe, die andere Hälfte in der Nähe der Kesselpauke, je mit einem Lehrer zusammen. In der sechsten Klasse gibt es augenscheinlich eine große Bandbreite an körperlicher Größe und auch an emotionaler Reife. Vor der Tür waren sie eine ganz normale Gruppe von 11- bis 12-Jährigen: Sie schubsten und neckten einander, viel intensiver miteinander als mit den Lehrern oder anderen Autoritätspersonen beschäftigt. Bei der Probe lehnten sich die meisten nach vorne, Ellbogen auf den Knien - aber wenn sie zufällig doch Blickkontakt miteinander hatten, fingen sie zu grinsen an. Sie schauten den Maestro, aber auch immer wieder einzelne Instrumentengruppen an.

In der Szene am Bach war es schon etwas besonders auf der Bühne mitzuspüren, wie die Harmonien von innen wuchsen, wie nur ein bisschen mehr Klarinette oder Oboe die ganze Farbe und dadurch auch die Phrasierung verändert. Somit ist diese Erfahrung, gemeinsam mit den Musikern auf der Bühne zu sitzen, ein bisschen wie das Beobachten eines Malers, der abwägt, an welchen Stellen er etwas mehr Farbe hinzufügt.

Schüler in der Probe

Am Ende gefragt, wie sie es fanden, sagte ein etwas zapplige Mädchen, "Zuerst war es cool. In der Mitte haben sie viel wiederholt - ein bisschen langweilig. Da kam der Timpani [im vierten Satz Gewitter, Sturm] und das war wieder ganz cool". Und recht hatte sie: der Sturm wurde ganz spürbar und es war sehr aufregend, mitten drin dabei zu sein.

Am Ende sprach die Leiterin der Kommunikationsabteilung, Jutta Obrowski, eine Einladung aus: "Wir können Euch mit Euren Eltern zu einem Konzert einladen. Das geht nicht immer, aber wir werden es versuchen. Es werden zwar andere Stücke gespielt, aber so könnt Ihr live die Konzertatmosphäre erleben".

Wenn Sie von einer Schulklasse wissen, die daran interessiert wäre, einer Orchesterprobe beizuwohnen, schreiben Sie uns eine Email - Klassik-in-Berlin leitet sie an die Öffentlichkeitsabteilung des Deutschen Symphonie Orchesters weiter.



©www.klassik-in-berlin.de