Mai 2006

Königsweg zur Karriere

Dirigentenforum des Deutschen Musikrats in Berlin
Ein Workshop mit Prof. Dr. Peter Gülke und dem Berliner Sinfonie-Orchester

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Königsweg zur Karriere

Dirigentenforum des Deutschen Musikrats in Berlin
Ein Workshop mit Prof. Dr. Peter Gülke und dem Berliner Sinfonie-Orchester

Von Ingo Bathow / Fotos: Ingo Bathow

Beglückwünschen können sich nicht nur die vier Teilnehmer an Professor Dr. Peter Gülkes Dirigenten-Workshop vom 22. bis 27. Mai 2006 in Berlin - Cornelia von Kerssenbrock, Andreas Schüller, Kevin John Edusei und Ulrich Kern. Zu beneiden sind alle zweiunddreißig "Maestros von Morgen", die als Stipendiaten - in drei Förderstufen - zum Dirigentenforum des Deutschen Musikrats gehören. Die Liste soll noch erweitert werden. Wer es in diese Auswahl geschafft hat, kann professionell dirigieren - sei es als Gastdirigent bei renommierten Berufsorchestern, oder sei es direkt bei einer der rund zwanzig jährlichen Eigenveranstaltungen des Dirigentenforums im In- und Ausland.

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Eine "Spitzenförderung" dieser Art erlebten die vier vom Temperament her völlig unterschiedliche Dirigentenpersönlichkeiten im historischen Ambiente - nämlich in Berlins klassizistischem, seit der Uraufführung des Freischütz vor 175 Jahren berühmtesten "Kulturtempel", dem Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Mit einem Orchester, das trotz starker Verjüngung seinen ganz eigenen Charakter, zurückzuführen auf das Wirken Kurt Sanderlings, beibehalten hat - dem Berliner Sinfonie-Orchester.

Entsprechend wurde das Abschlusskonzert zu einem besonderen oder noch treffender, zu einem "etwas anderen Konzert", wie es Peter Gülke, Vorsitzender des Beirats des Dirigentenforums und Leiter des Meisterkurses, ankündigte. Mit vier Dirigenten, die sich mitten in den Werken abwechselten, würde es "halb pädagogisch, halb künstlerisch" sein. Ein Wettbewerb war zwar nicht explizit vorgesehen, aber das Publikum zog durchaus Vergleiche und beklatschte seine Favoriten etwas intensiver - unabwendbar traten im Stress der Aufführung dann auch einige Anhaltspunkte deutlich zutage, die eine zukünftige pädagogische Weiterarbeit mit Orchester empfehlenswert erscheinen lassen.

Der Erfolgsmaßstab lag freilich nicht in einem glänzenden zwanzigminütigen Publikums-Auftritt für die einzelnen Teilnehmer - so einflussreich sich auch das Echo der Presse und die Gunst des Publikums auf die Karriere auswirken mögen. Ziel des Programms ist es vielmehr, die Stipendiaten "auf verantwortungsvolle Positionen im deutschen und im internationalen Musikleben" vorzubereiten. Hat also der Workshop spezielle Kenntnisse vermittelt, die für die Leitung hochrangiger Orchester von Bedeutung sind? Der Besuch der öffentlichen Proben gab hierüber weit mehr Aufschluss als das eigentliche Konzert.

Leider war ein wichtiger Berührungspunkt zur Tradition - die Klavierproben mit dem Mentor - für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Für die großen Maestros von gestern war es nämlich noch der einzige Zugang zur Kapellmeisterkarriere, sich an den Theatern zunächst als Korrepetitoren hochzuarbeiten. Dabei vermittelte die Klaviereinstudierung mit den Künstlern eine sehr genaue Kenntnis der Opern. Tatsächlich wird diese Voraussetzung auch heute noch an den meisten Bühnen beim Berufsprofil des Maestros genannt - der "Königsweg" an die Spitze aber ist es nicht. Ist doch der "hierarchische" Aufstieg längst blockiert durch einen übersättigten Stellenmarkt - und die "Überflieger" benötigen Fertigkeiten und Erfahrungen im direkten Umgang mit dem Orchester, die sie als Korrepetitoren am Klavier kaum erreichen können.

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Diese "Geheimnisse" im Umgang mit dem Orchester kennt natürlich am besten der Mentor. Kein anderer war aus langer Erfahrung so präzise imstande, den Stipendiaten zu benennen, was noch fehlte. Der Dirigent, Pädagoge und Musikwissenschaftler Peter Gülke, der mit exquisiter Höflichkeit immer erst in den kleinen Dirigierpausen intervenierte, half nicht nur mit reichlichen Hinweisen zum Charakter der von ihm ausgewählten Werke, wie etwa in der Sentenz "Haydn war ein pfiffiges Bürschchen" gerne etwas zugespitzt. Er bot auch, viel wertvoller noch für jene Abkürzung des "Königswegs" zur Karriere, einen Reichtum an praktischen Tipps, von denen einer der wichtigsten am wenigsten beherzigt wurde: "Wir reden zuviel über Dynamik - Dynamik dirigieren wir." Man könnte sogar eines der Hauptanliegen seines Workshops in dieser Richtung definieren - die Umsetzung der dirigentischen Intentionen in verständliche Gesten und weniger Worte.

So konnten Besucher die "Maestros von Morgen" erst erleben, als sie schon bestens akklimatisiert vor dem noch schlank besetzten Orchester standen, anfangs noch im technisch hochmodernen Werner-Otto-Saal unter dem Dach des Konzerthauses. Ein romantisches Cellokonzert und Joseph Haydns Oxford-Sinfonie waren angesagt. Noch versuchten die Dirigenten ihre Vorstellungen durch relativ viele verbale Korrekturen umzusetzen, die Stimmung war gelöst, die Blechbläser ein wenig unterfordert, so dass parallel zur Musik während der Pausentakte auch schon einmal eine erbauliche Lektüre ("Rassestandard der Bordeaux-Dogge") auf dem Notenständer Fortschritte machen konnte - wie das eben in multitaskfähigen Spitzen-Orchestern heutzutage üblich sein mag.

Genauso gelöst und ausgeglichen erschien dann auch der "Allrounder" unter den Stipendiaten, der Berliner Andreas Schüller, ohne Zweifel auch der Erfahrenste unter den Vieren, als Hornist seit frühen Jahren mit dem Orchesterspiel vertraut und als Dirigent bereits unter Vertrag bei der Wiener Volksoper. Freilich auch begabt mit einem verbalen Talent als "großer Kommunikator", das ihn unweigerlich zur Professur vorbestimmt und möglicherweise zu einer Intendanz. Nur hier in Berlin war der sprachliche Aspekt dem Mentor weniger willkommen - statt den Charakter des a-Moll-Cellokonzerts des dänisch-mährischen Romantikers Franz Xaver Neruda als "leidenschaftlich wie Schumann" zu beschreiben, sollte ihn Schüller in die entsprechenden Dirigierbewegungen umsetzen, die anfangs noch klein und unterkühlt wirkten.

Stark befördert wurde aber diese Leidenschaftlichkeit durch das Solospiel der Kölnerin Beate Altenburg, die eigentlich gar nicht romantisch-tiefsinnig, sondern wie ein pulsierendes Energiebündel spielte, ja mitunter geradezu mit ihrem Cello zu tanzen schien. Diese Ausstrahlung war so vollkommen, dass Schüller die Vermittlung aller Nuancen ihres Spiels zum Orchester in den Proben wie in der Aufführung vorzüglich gelang.

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Dagegen musste Peter Gülke in der Haydn-Sinfonie, deren überschäumendes Finale ebenfalls Andreas Schüller dirigieren durfte, immer wieder auf den "Pfiff" hinweisen, der freilich oft dem Vorverständnis der Teilnehmer über klassische sinfonische Glätte zu widersprechen schien. Insbesondere hatte dann Cornelia von Kerssenbrock, die sachlich und besonnen an die Einstudierung der ersten drei Sätze heranging, mit der Umsetzung der "übermütigen" Passagen zu kämpfen. Der Forderung nach einem "großen" Taktschlag in den Tutti-Passagen kam sie so vollkommen nach, dass sie fast selber den Klang zu erzeugen schien. Ein weiterer Tipp für die Karriere erfolgte vom Professor, als sie schon die Probe nach Erklärung ihrer Wünsche beenden wollte, vielleicht um das Werk noch "reifen" zu lassen, wie es oft Chorleiter tun: Er ließ sie noch einen "richtigen" Durchgang machen - vermag doch ein professionelles Orchester unter Leitung eines Könners schon in der ersten Probe so zu klingen, wie es im Konzert erklingen soll.

Im Großen Saal steigerten sich dann die folgenden Proben zum akustischen Erlebnis, besonders als sich das BSO für das Konzert für Orchester von Witold Lutosławski zum Vollklang von rund 85 Instrumenten erweiterte. Der Bielefelder Kevin John Edusei, dem die Aufführung der gewaltigen Intrada und des zweiten Satzes (Capriccio, Notturno e Arioso) anvertraut war, äußerte sich begeistert über das "unglaublich wache, interaktive" Orchester. In der Tat war zu beobachten, dass Mitglieder des Orchesters in den Pausen das Gespräch mit ihm suchten. So gab ihm Soloklarinettist Ralf Forster kollegiale Ratschläge zur Bewältigung der rhythmischen Verständigung mit dem Orchester. Obwohl Edusei unter vielen Qualifikationen auch ausgebildeter Schlagzeuger ist, bildeten gerade die rhythmischen Komplexitäten nach der berühmten Fanfare eine große Herausforderung für ihn, so dass der Mentor mit dem Ratschlag intervenierte, statt der Melodie eben jene darunter liegenden rhythmischen Figuren auszudirigieren. Technische Hürden überall - wie erreicht man nach dem juwelenglitzernden Nachtgesang einen präzisen Einsatz der Holzbläser?

Ganz anders erging es dem jüngsten Teilnehmer, dem Stuttgarter Ulrich Kern, der das Finale (Passacaglia, Toccata e Corale) von Lutosławskis monumentalem Konzert übernahm. Vielleicht war es gar kein Vorteil, dass seine Statur und genialischer Haarwuchs am ehesten dem Archetypus des "klassischen" Maestros entsprechen. Der Mentor hielt sich lange Zeit hinter ihm auf und studierte jede Bewegung, kritisierte auch gelegentlich die überzogene Gestik, die noch wenig von der Geschmeidigkeit der erfahreneren Dirigenten aufwies. Spannungsreich kontrastierte dazu der extrem sanfte, geradezu verhaltene Umgangston Kerns mit den Kollegen - hatte seine Laufbahn doch mit dem Cellospiel ihren Anfang genommen: "Liebe Streicher, ich kann Sie nur ermutigen, geben Sie alles an der Stelle." Er hatte klare Vorstellungen, dass etwa der Choral nach der gewaltigen Toccata wie ein "Kyrie eleison" klingen sollte, doch als er das Orchester ermahnte, sich an einer Stelle ganz zurückzunehmen, schrieb ihm der Professor ("der Schlag war einfach zu groß!") eine weitere unsterbliche Erkenntnis für die Karriere ins Stammbuch - dreimal soll man es dirigieren, und erst nach dem dritten Mal soll man es ansagen.

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Der spannungsreiche Moment des Finalkonzerts brachte Adrenalinstöße nicht nur für die vier Stipendiaten, sondern auch für den Beobachter der Proben. Ziel des Workshops war sicher auch Bildung - das was übrig bleibt, wenn man das Gelernte vergessen hat - aber vornehmlich eine Umsetzung von Intentionen in wirksame Gesten, eine Befähigung für das gesamte Berufsleben. Was würde davon übrig bleiben in den kurzen Momenten der Glorie, wenn sich die Stipendiaten im tadellosen Frack - und ihre Kollegin im eleganten Gehrock - vor dem nicht unansehnlichen Publikum im Großen Saal des Konzerthauses beweisen sollten?

Unterschiedlicher als bei diesen vier ausgeprägten Persönlichkeiten konnte das Ergebnis gar nicht sein - und das lag nicht allein an der Musik. Cornelia von Kerssenbrock gelang es, die Oxford-Sinfonie vom ersten, schmeichelnden Adagio-Vorspiel an in poetische, fast himmlische Regionen zu versetzen. Sie atmete mit dem Orchester und gestaltete das Allegro spiritoso mit der Grazie eines Menuetts. Profunde weibliche Spiritualität kam zur Geltung im Adagio cantabile, worin sie ihre handwerklich vollkommene Gestaltungskraft einsetzen konnte. Der plötzliche Einbruch von Pauken und Blech kostete sie sichtlich Überwindung, denn sie dirigierte ihn mit der Kraft eines Pritschenschlags, um dann dem Menuett eine fast königliche Würde zu verleihen. So bereinigte sie das Werk von aller derben Schelmenhaftigkeit, welche Meister wie Sir Simon Rattle bis zum letzten Tropfen auszukosten gewohnt sind.

Das Publikum schätzte und honorierte diese Grazie mit dem längsten Applaus des Abends - freilich hatte sie dieser Reinheit den gesamten "Pfiff" aller Proben zum Opfer gebracht. Ihr eigener Stil und ihre Stärke liegen ganz deutlich darin, die Musik mit einer fast religiösen Ehrfurcht zu zelebrieren, was sie für bestimmte Opern von Gluck oder Mozart geradezu prädisponiert. Mit einer solchen Spezialbegabung für nahezu chorische Sinfonik könnte sie einem Domkapellmeisteramt weibliche Spiritualität einhauchen, wie es bisherigen Inhaberinnen wie Ingrun Fußenegger noch nicht in gebührendem Maße gelungen ist. Dass sie dieses eminente Talent einst von den Anforderungen eines gewöhnlichen Kapellmeisteramtes verbiegen ließe, ist schwer vorstellbar - dennoch hätten ihre speziellen Begabungen eine entsprechende Förderung verdient, wie es vielleicht in diesem Programm nicht vorgesehen ist.

Das Gegenteil dazu bildete der Berliner Andreas Schüller, der schon mit dem energischen Schritt eines Altmeisters auf die Bühne eilte, welcher seine Jugendlichkeit unter Beweis stellt, der mit selbstsicherer Kühnheit die Sinfonie zu Ende dirigierte, mit kurbelndem Schwung des Armes das Orchester zum Erheben brachte, dem Konzertmeister Michael Erxleben lebhaft die Hand drückte und wieder hinausschwebte - professionelle Etikette, für die er einen Bruchteil der Zeit seiner Kollegen brauchte.

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Dass er auch musikalisch gereift war, bewies Schüller mit der Berliner Erstaufführung von Franz Xaver Nerudas Cellokonzert, dessen in der Probe noch leer und banal klingendes Einleitungsthema jetzt eine schmachtende, fast spielfilmhafte Klangfülle erhielt und sich mit klarer Struktur bis zu Beate Altenburgs violoncellistischen Feuerwerken steigerte. Zwar gelang der unvorbereitete Attacca-Übergang vom langsamen Zwischenspiel zum feurigen slawischen Tanz genauso wenig wie in allen Proben, doch blieb die leidenschaftliche Glut bis zum Schluss erhalten, während er gleichzeitig auf jede Ausdrucksänderung der Solistin behutsam einging. Ein Könner, der eigentlich aus der Norm dieses Programms herausragt, durchaus selbst in einer Jury sitzen könnte und selbst keiner Förderung mehr bedürfte, außer der Vermittlung in eine Kapellmeisterstelle, in der er sich - wie bald in Wien - durch seine Vielseitigkeit mit Gewissheit behaupten und profilieren wird.

Dagegen erwies sich Kevin John Edusei als der ideale Förderkandidat für dieses Programm. Just weil die Fanfare in Lutosławskis Intrada nicht so durchdringend und zackig geriet, dass sich ältere Zuhörer an den schrillen Vorspann des einstigen ZDF-Magazins erinnert fühlten, gerade weil er die vollständige rhythmische Kommunikation mit dem Orchester nicht vollständig erzielte und sich Schwankungen ergaben, eben weil er bei der Aufführung vorsichtiger vorging und sich weniger verausgabte als in den Proben - aus allen diesen Gründen ist die Erfahrung mit großen Orchestern im Dirigentenforum für ihn besonders wertvoll. Indes kamen seine Professionalität und seine Fähigkeit, diese Erfahrungen in sein Können einzubringen, in diesem Workshop stets voll zur Geltung.

Die größte Überraschung des Abends war das Finale von Lutosławskis Konzert für Orchester, nicht weil Ulrich Kern an Grazie und Geschmeidigkeit gewonnen hätte, sondern weil es ihm trotzdem gelang, ungeheure Spannungsbögen aufzubauen, atemlose Momente und starke Kontrastwirkungen einzubauen und das ganze Orchester mitzureißen. Die vollkommene und schweißtreibende Hingabe ist in unserer "coolen" Zeit für Dirigenten nicht mehr selbstverständlich - nur Wagnerianer wissen noch das seltene Talent zu schätzen, welches musikalische "Orgasmen" zu erzielen vermag. In Kern steckt dieses außergewöhnliche Talent und das Potenzial einer Kultfigur. War es die sechzig Jahre alte, noch gewöhnungsbedürftige Musik, die dafür sorgte, dass sich das Publikum am Ende für alle Vier nur in kurzem, herzlichem Applaus erging, oder hatten die Zuhörer mehr erwartet?

Fazit: Für die vier "Maestros von Morgen" war das Dirigentenforum schon deswegen ein großer Erfolg, weil sie ein besonders aufgeschlossenes, kollegiales Ensemble mit dem Berliner Sinfonie-Orchester vorfanden, das ihnen in einer kurzen Woche gestattete, unter Anleitung eines erfahrenen Dirigenten Vertrautheit mit der Arbeitsweise eines hochrangigen professionellen Orchesters zu erlangen und anspruchsvolle Werke zu erarbeiten. Auch war es für die Stipendiaten in zweiter Linie sicher ebenfalls von Bedeutung, sich dem Urteil von Publikum und Presse zu stellen. Voraussehen kann man aus ihrer Leistung, dass sie alle im Musikleben unseres Landes eine gewisse Prominenz erreichen werden. Aber sind sie nun Überflieger auf dem Weg in die internationale Karriere? Genau dieser Sprung hängt von der Förderung und den Entscheidungen Anderer ab. Würde Kern zum Beispiel zum Assistenten bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth ernannt, wäre die Wette auf einen baldigen Aufstieg leicht.

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Gerade deswegen nehmen auch die nächsten Fördermaßnahmen des Dirigentenforums Wichtigkeit an, so dass es interessant wäre zu erfahren, wie die per Video aufgenommenen Leistungen der Stipendiaten ausgewertet werden und welche Folgen sie haben. Dass die Maßnahmen weniger auf die Ausbildung von Spezialbegabungen, sondern eher auf eine allgemeine Rundum-Kompetenz der Dirigenten zielen, lässt sich schon aus dem Hinweis auf die große Anzahl von Generalmusikdirektoren schließen, die bis heute aus dem Förderprogramm des Deutschen Musikrats hervorgegangen sind.

Der faszinierendste Lernprozess beginnt vielleicht erst nach dem Eintreten des fachlichen Feinschliffs, worauf schon Peter Gülke und auch Andreas Schüller hingewiesen haben: Die erfahrensten Maestros wie Herbert von Karajan oder Karl Böhm und auch Kurt Sanderling konnten nämlich bis ins hohe Alter erfolgreich dirigieren, weil sie wussten, was man beim Dirigieren von Spitzen-Orchestern auslassen kann - weniger konnte auch mehr sein. Viele Ratschläge des Meisters werden sich den Teilnehmern vermutlich lebenslang einprägen: "Über Dynamik spricht man nicht - Dynamik dirigiert man." Beim Versuch, alles zu leisten, erschloss sich den vier "Maestros von Morgen" vielleicht intuitiv das eigentliche Geheimnis des "Königswegs zur Karriere" - nämlich zu erfassen, worauf es ankommt.



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