Dezember 2003

Die Berlin Philharmoniker - Amerika-Tournee und Vorschau 2004

Ein Gespräch mit Orchestervorstand Peter Riegelbauer

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Die Berlin Philharmoniker - Amerika-Tournee und Vorschau 2004

Ein Gespräch mit Orchestervorstand Peter Riegelbauer

Von Nancy Chapple

Klassik-in-Berlin hatte Gelegenheit mit Peter Riegelbauer über die jüngsten Erlebnisse und die Pläne der Berliner Philharmoniker für das kommende Jahr zu sprechen. Riegelbauer ist seit 1980 Bassist des Orchesters und Mitglied des Orchestervorstands.

Peter Riegelbauer

In der zweiten Novemberhälfte unternahmen die Berliner Philharmoniker eine zweiwöchige Konzertreise durch die USA: New York, Philadelphia, Washington, Chicago, Los Angeles, San Francisco. "Eine sehr erfolgreiche Tournee: Die Stimmung war positiv und angenehm, und überall spürten wir eine echte Zuneigung", fasst Peter Riegelbauer die Eindrücke der Reise zusammen. Gefragt nach Besonderheiten bei den insgesamt 10 Konzerten schilderte er das sehr wache, aufmerksame und interessierte Publikum in San Francisco, und das eher elektrisierte Publikum in Carnegie Hall, das "noch aufgeregt vom wahnsinnigen Tempo der New Yorker Straßen eine Weile brauchte, um sich ruhig auf uns zu konzentrieren ...". Ein Höhepunkt der Reise war die Möglichkeit, im neuen Walt-Disney-Hall in Los Angeles zu spielen: "eine atemberaubend schöne Architektur und eine wunderbare Akustik. Man hört wirklich alles - auch jeden Huster im Publikum! Vielleicht muss da noch etwas nachadjustiert werden".

Ob es besondere Vorkommnisse auf der USA-Reise gab, die für die Leser von Klassik-in-Berlin interessant sein könnten? "Trotz oder vielleicht gerade wegen der Entwicklung eines zum Teil ausgeprägt kritischen Amerika-Bildes unter vielen von uns Deutschen, war diese Reise wieder mal eine Bestätigung, ‚Mensch, es gibt noch ein anderes Amerika.' Da wir in einem besonderen Umfeld, nämlich in den großen Städten, spielten, kann ich nicht sagen, inwiefern das Verhalten typisch war. Aber der Umgang der Menschen untereinander, der Umgang der Leute auf der Straße mit uns als Fremden, war unglaublich freundlich, offen und relaxed. Es war fast einen Schock, nach Deutschland und insbesondere Berlin zurückzukehren, wo die Leute zunächst immer skeptisch und abwartend auf alles Neue reagieren".

Herr Riegelbauer sprach nicht viel über die Rolle des Orchestervorstands (den er zusammen mit dem Oboisten Andreas Wittmann kleidet), aber verriet: "Wir sind in allem, was die Organisation des Hauses betrifft, eingebunden. Unsere primäre Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass das Orchester funktioniert. Das bedeutet u.a., dass die Besetzung stimmt, und dass alle Plätze mit den richtigen Musikern gefüllt sind".

Berliner Philharmoniker

Gefragt nach den besonderen Highlights des Jahres 2004 erzählte Riegelbauer, dass das Orchester sich besonders auf die Konzertreisen mit dem Chefdirigenten freue. Zum einen mache es Spaß, auf der internationalen Ebene gewissermaßen als kulturelle Botschafter unterwegs zu sein - das Rampenlicht sporne zu Höchstleistung an. Zum anderen genießen sie auch eine intensive Zeit mit dem Chefdirigenten. Bei den traditionellen Oster-Festspielen in Salzburg, wo Karajan immer wieder die Berliner Philharmoniker stolz vorführte, werden die Aufführungen von Così fan tutte und Idomeneo bestimmt große Publikumsmagnete. Im Mai gibt es dann eine Konzerttournee über Athen, Rom, Baden-Baden, Frankfurt, Köln und Wien. Zum größten Teil werden zwei Programme in Wechsel gespielt: zum einen Dvorák und Bruckners 4. Symphonie, zum anderen das erste brandenburgische Konzert zusammen mit einer Haydn-Symphonie und Brahms-Schönberg. Im Herbst wird das Orchester zum ersten Mal mit Simon Rattle nach Japan reisen. "Wir spielen immer wieder sehr gerne dort". Gefragt nach dem typischen Konzertpublikum in Tokio: "sehr verwöhnt, da die ganzen ‚Großen' dort spielen; nicht immer gleich freundlich, aber dann sehr interessiert, ja sogar euphorisch". Ein letztes Highlight für das Jahr 2004: Claudio Abbado kehrt nach Berlin zurück und dirigiert drei Konzerte am Anfang Juni - Sechs Monologe von Frank Martin mit Thomas Quasthoff als Solist und Mahlers 6. Symphonie.

Und allgemein, wie ist die Stimmung im Orchester? "Die Stimmung war noch nie so gut. Trotz intensiver Arbeitsatmosphäre herrscht eine entspannte Stimmung, ein Gefühl der Gemeinsamkeit. Das hat mit Simon zu tun: Er bringt die Leute zusammen, ein wahrer Integrator".



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