++++++ 14.01.2010 ++++++

Die berliner Operngruppe
Der Dirigent Felix Krieger und der Pianist Saleem Abboud Ashkar haben die berliner Operngruppe ins Leben gerufen. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Verein, der Laienmusiker die Möglichkeit geben soll, mit internationalen Gastsolisten weniger bekannte Werke gemeinsam einzustudieren und aufzuführen. Mit der Oper "Oberto" soll nun am 3. Mai 2010 im Radialsystem der Startschuss fallen. Vor reichlich 170 Jahren begann in der Mailänder Scala mit diesem Stück die Karriere eines gewissen Giuseppe Verdi. In der Titelpartie wird Francesco Ellero d'Artegna zu hören sein, die musikalische Leitung liegt bei Felix Krieger. Interessierte Instrumentalisten und Sänger können sich unter www.berlineroperngruppe.de informieren und anmelden. Na denn: Toi toi toi.

++++++ 09.11.2009 ++++++

Ein Freund, ein guter Freund - Heiko Schon
Man kann diesen Mann nur bewundern! Da singt Plácido Domingo sechs Vorstellungen Simon Boccanegra, besucht dazwischen die Dirigate seines Freundes Daniel Barenboim (Lohengrin, Beethovens Eroica in der Gethsemanekirche) und findet dann immer noch Zeit, um am Benefizkonzert zugunsten der Staatsopernsanierung teilzunehmen. Wenn seine Tage in Berlin vorbei sind, geht es - mit der neuen Rolle im Koffer - nach Mailand, New York, London und Madrid. Er leitet die Opernhäuser von Washington und Los Angeles (wo er im neuen Ring von Achim Freyer als Siegmund mitwirkt), kümmert sich mit seinem Gesangswettbewerb Operalia erfolgreich um Nachwuchs, steht im Aufnahmestudio oder im Orchestergraben - der König der Oper bekommt alles unter einen Hut. Da grenzt es fast an ein Wunder, wie die Kondition des 68-Jährigen mitspielt. Sein Siegmund jedenfalls ist eine Symbiose aus Vollbluttenor und fassbarem Charakter. Wie die Stimme sicher auf dem Atem sitzt und selbst bei diesen trompetenartig schmetternden Wälse-Rufen im Fokus bleibt - sensationell. Und dennoch ist da mehr als nur ein tenorales Leuchtfeuer. Ist es die Seele der Rolle? Der Künstler selbst? Ein Faktor X? Es ist schwer zu sagen, womit Domingo diese Gänsehaut verursacht. Ihm zu Seite standen mit Michaela Schuster (Sieglinde) und Kwangchul Youn (Hunding) gleichwertige Partner. Die Staatskapelle Berlin spielte unter Daniel Barenboim zupackend auf. Die Leitmotive: energiegeladen; das Solo-Cello: vortrefflich; die Hörner: verschnupft. 237.000 € wurden an dem Abend Anfang November in die Sanierungskasse gespült.

++++++ 01.06.2009 ++++++

Vereinte Klassik - Foto: Jesse Benjamin
Bei einem Fototermin am Brandenburger Tor wurde am 28. Mai der Konzertzyklus Vereinte Klassik vorgestellt. Zum 20. Gedenktag des Mauerfalls setzen die Berliner Philharmoniker und das Konzerthausorchester Berlin musikalisch ein Zeichen mit einer gemeinsamen Kammermusikreihe, die sechs Abende umfasst.



Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, präsentierte ein besprühtes Mauersegment (gestaltet von dem Künstler Nick Santoro), das in den nächsten Monaten an verschiedenen Plätzen im Osten und Westen der einstmals geteilten Stadt aufgestellt wird, um auf den Zyklus hinzuweisen.

»Diese Konzertreihe ist ein wunderbares Geschenk für alle Berlinerinnen und Berliner und natürlich unsere Gäste zum Mauerfall-Jubiläum«, sagte Wowereit. »Ich wünsche den beiden Orchestern viele interessierte Zuschauer in den Sälen von Philharmonie und Konzerthaus.«

Pamela Rosenberg, Intendantin der Berliner Philharmoniker, bekräftigte das gemeinsame Ziel: »Ich hoffe und glaube, dass es uns mit der Initiative zur Konzertreihe Vereinte Klassik gelingen wird, die gläserne Mauer zwischen Konzerthaus und Philharmonie endgültig zu durchbrechen.« Prof. Dr. Frank Schneider, Intendant des Konzerthauses, wies auf die Konzeption einer inhaltlichen Verschränkung hin: »Wie das symbolische Mauerstück in den nächsten Monaten quer durch die Stadt wandern wird, pendeln auch die Ensembles, die Komponisten und die Musik zwischen Ost und West, besuchen und durchdringen sich gegenseitig.«

Der Zyklus Vereinte Klassik startet am 21. Oktober im Kammermusiksaal der Philharmonie. Die weiteren Konzerte finden dann jeweils abwechselnd im Konzerthaus Berlin und in der Philharmonie statt.

Infos unter www.vereinte-klassik.de

++++++ 20.02.2009 ++++++

Löwen für Kinder - Heiko Schon
Bereits zum 14. Mal lud der Lions Club Berlin-Wannsee zur Benefizgala und Udo Maier, Gastgeber und Clubpräsident, stellte erfreut fest, dass die Bude - gemeint war die Deutsche Oper Berlin - voll sei. Durch das Programm führte ein gut gelaunter, scharfzüngiger Dr. med. Eckart von Hirschhausen, der zunächst mit dem Schirmherren des Konzerts, Prof. Dr. Klaus Töpfer, über Kinderarmut und Bildung plauderte, bevor man in den kulturellen Teil der Veranstaltung überging. Passend zum Rosenmontag dirigierte Martin Baeza Rudio Camille Saint-Saens Karneval der Tiere, welcher nicht zuletzt durch den Sprecher Jörg Schörner und den Karikaturen von Carsten Meyer zu einer niedlichen Angelegenheit geriet. Nach der Pause übernahm der designierte Generalmusikdirektor des Hauses, Donald Runnicles, die Musikalische Leitung des DOB-Orchesters und servierte ein Best of British mit Märschen von Edward Elgar (Imperial March, Pomp and Circumstance) und Eric Coates (The Dambusters March) sowie den Stücken On hearing the first Cuckoo in Spring von Frederick Delius und Fantasia on Greensleeves von Ralph Vaughan Williams. Von Hirschhausen meinte völlig zu recht, dass es doch nicht normal sei, bei solch einer Musik ruhig sitzen zu bleiben. Daraufhin sprang zwar niemand auf, dafür sang das gesamte Auditorium gemeinsam mit Bariton Markus Brück das Rule, Britannia von Thomas Arne. Es war, trotz einer Dauer von drei Stunden, ein kurzweiliger, vergnüglicher Abend für den guten Zweck. Mit den Sponsorengeldern und Ticketverkäufen konnten in diesem Jahr das Projekt "Zauberhafte Physik" (www.buergerstiftung-berlin.de) und das Kinderhaus Berlin-Mitte e. V. (www.kinderhaus-berlin.de) unterstützt werden. Die 15. Lions Benefizgala findet am 19. März 2010 statt.

++++++ 11.01.2009 ++++++

Raddatz wird Generaldirektor der Berliner Opernstiftung
Der Geschäftsführende Intendant der Bühnen Köln, Peter F. Raddatz, wird Generaldirektor der Berliner Opernstiftung. Raddatz tritt am 1. September 2009 die Nachfolge von Stefan Rosinski an, der die Stiftung kommissarisch leitet. Rosinski bleibt jedoch kaufmännischer Geschäftsführer des Bühnenservice der Opernstiftung. Raddatz übernimmt das Amt für fünf Jahre bis 2014. In der Stiftung Oper in Berlin sind die Deutsche Oper, die Staatsoper und die Komische Oper organisatorisch vereint. Zwischen dem Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit (SPD) und Rosinski hatte es immer wieder Konflikte gegeben.

++++++ 10.01.2009 ++++++

Jürgen Flimm wird Intendant der Staatsoper
Jürgen Flimm übernimmt zum 1. September 2010 die Leitung der Staatsoper Unter den Linden. Der Intendantenvertrag von Jürgen Flimm hat eine Laufzeit von 5 Jahren und umfasst damit die 2010 beginnende Phase der Sanierung, die dreijährige Spielzeit in der Ersatzspielstätte Schiller Theater und die feierliche Wiedereröffnung der Staatsoper zur Saison 2013/14. Jürgen Flimm steht der Staatsoper bereits ab 1. Januar 2009 beratend zur Verfügung und plant und gestaltet gemeinsam mit dem derzeitigen kommissarischen Intendanten, Ronald H. Adler, die Zukunft des Hauses mit.

Jürgen Flimm: "Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Daniel Barenboim und Ronald Adler. Und ich freue mich auf Berlin. Das ist eine aufregende Aufgabe und eine große Herausforderung." Daniel Barenboim: "Ich bin eng befreundet mit Jürgen Flimm und wir arbeiten seit vielen Jahren zusammen - zuletzt wieder in Salzburg. Uns verbindet ein ähnliches Streben nach höchster Qualität. Ich bin sehr glücklich über diese Entscheidung."

Klaus Wowereit: "Professor Jürgen Flimm ist konsequent im intellektuellen Meinungsaustausch und ebenso zielstrebig wie umsetzungsstark, wenn es darum geht, theoretische Diskurse in die künstlerische Praxis zu überführen. Mit ihm geht ein Kapitän an Bord, der das Schiff Staatsoper in guter Zusammenarbeit mit Generalmusikdirektor Daniel Barenboim sicher durch die gewiss nicht einfache Zeit der Sanierung steuern wird, um dann mit der Wiedereröffnung im Herbst 2013 einen fulminanten Neustart hinzulegen."

++++++ 15.11.2008 ++++++

Für ein saniertes Zauberschloss - Heiko Schon
Noch 18 Monate. Dann erschallen Unter den Linden Presslufthämmer statt Kontrabässe, Atze & Kalle statt Mimi & Rodolfo, Baulärm statt Wagner. Sagenhafte 242 Millionen Euro sind veranschlagt, um den Knobelsdorff-Kahn wieder flottmachen zu können. Zwar hat der Bund die Zahlung des Löwenanteils zugesichert, das allein aber reicht nicht aus: Privates Engagement ist gefragt! Und so stellen sich Freunde, Förderer, Orchestermitglieder, Dirigenten und Tenöre der Staatsoper in den Dienst der guten Sache. Zum Beginn einer Reihe von Benefizkonzerten verzichtete als erster Rolando Villazón auf eine Gage und spülte damit zusätzliche Einnahmen in die Sanierungskasse seiner - Zitat - musikalischen Familie. Dem mexikanischen Star werden hochkarätige Gäste folgen. So haben bereits Gesangskollege Plácido Domingo, Maestro Zubin Mehta und Pianist Lang Lang ihre Teilnahme für die nächsten Konzerte zugesagt. Der Startschuss ging zur Freude aller Beteiligten schon mal ins Schwarze. Im ersten Konzertteil kamen die Liebhaber Mozarts mit Don Giovanni-Ouvertüre, Maurerischer Trauermusik und Wolferls letztem Klavierkonzert auf ihre Kosten. Nach der Pause legte Kapitän Barenboim in Russland ab, um nach Zwischenstopp in Spanien nach Argentinien überzusetzen. Als tosender Grandseigneur trat Barenboim sicht- wie hörbar in seiner Lieblingsrolle auf, ließ mit ordentlich Power die Carmen-Säbel rasseln und wiederholte die Polonaise aus Eugen Onegin mit gleicher Messerschärfe wie in der gerade abgespielten Premierenstaffel. Ein kübelweise Charme versprühender Rolando Villazón besang mit Schmelz und Schluchzer die Damen Donna Anna (Il mio tesoro), Pamina (Dies Bildnis ist bezaubernd schön), Olga (Kuda, kuda), Carmen (Blumenarie) und Marola (No puede se). Das Finale: Ein freundschaftlicher Schulterschluss, eine strahlende Kanzlerin und ein Publikum außer Rand und Band.

++++++ 20.10.2008 ++++++

Opernwerkstatt wird gebaut
Die Berliner Opernstiftung hat in der letzten Woche den Bau ihrer Zentralwerkstatt am Franz-Mehring-Platz beschlossen und dafür 25,5 Millionen Euro freigegeben. Das ist seit elf Monaten und ungezählten Skandalnachrichten über die Staatsoper Unter den Linden die erste positive Nachricht, die die Stiftung bekannt geben kann. Das Geld für den Bau kommt aus dem Verkauf der Immobilien in der Chausseestraße, der Zehdenicker und der Französischen Straße, in denen die drei Werkstätten bisher untergebracht waren. Sie soll 2010 fertig sein.
Die Zentralwerkstatt ist wesentlicher Bestandteil des Opernstrukturkonzeptes von 2004, mit deren Hilfe die Opern die ihnen auferlegten Einsparungen erreichen sollten. Die eine Werkstatt für alle drei Opern und das Staatsballett sollte günstiger arbeiten als die dezentralen Einrichtungen. Geplant ist, die Dekorations- und Kostümwerkstätten, den Personalservice, das Rechnungswesen und die Generaldirektion ab 2010 zusammenzuführen. Bisher sind die 270 Mitarbeiter an fünf Standorten über die Stadt verteilt.

++++++ 01.10.2008 ++++++

4:1 für Berlin - von Heiko Schon
Zuerst die schlechte Nachricht. Das Ärgernis des Opernjahres 2008 fand - mal wieder - in Berlin statt. Mittlerweile quittieren das alle Beteiligten höchstens noch mit einem Achselzucken. Köpfe, wie etwa damals der vom ehemaligen DOB-Intendant Udo Zimmermann, rollen schon lange nicht mehr. Welche denn auch? Peter Mussbach, Ex-Intendant, und Georg Vierthaler, Ex-Geschäftsdirektor der Staatsoper, wurden bereits in die Wüste geschickt. Die Kulturpolitiker erledigten ihren Job nach Vorschrift und trafen die Entscheidungen so, wie es von ihnen erwartet wurde. Der erst auserkorene und später abgeschmetterte Entwurf von Klaus Roth zählt da eindeutig mit rein. Nachdem alle Geldgeber der Staatsopernsanierung ihr Missfallen öffentlich geäußert hatten, dürfte die Ablehnung doch keinen mehr wirklich überrascht haben.

Viel wahrscheinlicher ist daher, dass den 50 Kritikern, die an der Umfrage der Zeitschrift Opernwelt teilnahmen, das wochenlange Gezerre um diese Fragen, also das Wie, einfach zum Halse raushing. Schaut man nämlich auf die anderen Punkte im Fragebogen, dann haben die drei hauptstädtischen Opernhäuser ihre Sache ganz gut gemacht. Die Staatsoper konnte mit Henzes Phaedra die Uraufführung des Jahres verbuchen; die Staatskapelle teilt sich mit den Essener Philharmonikern den Titel Orchester des Jahres. Zudem fiel das Echo über die Neuproduktion Der Spieler positiv auf. Die Komische Oper, letztes Mal mit Bremen Opernhaus des Jahres, wurde vereinzelt erneut in dieser Sparte, aber auch bei Kostümbildner (Alfred Mayerhofer für Kiss me, Kate) und Chor des Jahres, genannt. Der Regisseur des Jahres (Hans Neuenfels teilt sich den Titel mit Christof Loy) kehrt noch im November mit Verdis La Traviata an die KOB zurück. Und siehe da: Selbst Kirsten Harms kann die Schampusflasche öffnen, denn ihr Wiederentdeckungs-Konzept an der Deutschen Oper trägt erste Früchte: Zur Ausgrabung des Jahres wurde Walter Braunfels' Jeanne d'Arc (Regie nach Christoph Schlingensief) gekürt. Als eine richtige Wahl entpuppte sich ebenso Harms' frisch gebackener Chordirektor: Hinter dem Chor des Jahres steht Neuzugang William Spaulding. Herzlichen Glückwunsch!

++++++ 15.07.2008 ++++++

Sanierung der Staatsoper wird neu ausgeschrieben
Nach der Absage an einen neuen Zuschauerraum für die Berliner Staatsoper Unter den Linden wird die Sanierung des gesamten Hauses neu ausgeschrieben. «Keiner der im Wettbewerb präsentierten Entwürfe ist in der Lage, den Denkmalschutz zu gewähren», sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). In einem neuen Verfahren solle ein Generalplaner für das auf 241 Millionen Euro bezifferte Projekt gefunden werden. Dabei werde auf einen neuen Architekturwettbewerb verzichtet. Die Umgestaltung des Zuschauerraums müsse sich eng an dem vorhandenen Saal des DDR-Architekten Richard Paulick anlehnen.

++++++ 25.06.2008 ++++++

Homoki verlässt vorzeitig Komische Oper
Der Intendant der Komischen Oper Berlin, Andreas Homoki, wird seinen Vertrag nicht bis 2014 erfüllen, sondern ihn schon vorher beenden. Dabei hatte er ihn erst im November vergangenen Jahres verlängert.

Sein Nachfolger soll der australische Regisseur Barrie Kosky werden, verlautete aus Kreisen der Opernstiftung. Danach werde der derzeitige Intendant Andreas Homoki seinen Vertrag vorzeitig beenden und zum Opernhaus Zürich wechseln. Von 2012 an soll dann der Australier Barrie Kosky als Intendant die Komische Oper Berlin in der Behrenstraße in Mitte übernehmen. Zur Zeit wird Koskys Inszenierung des Musicals Kiss me Kate an der Komischen Oper aufgeführt.

Andreas Homoki war erst im November 2007 in seinem Amt bestätigt worden. Damals unterschrieb er die Verlängerung seines Vertrages. Der neue sollte von 2009 bis zum Sommer 2014 laufen. Homoki leitet das Haus seit Sommer 2004, seit 2002 ist er außerdem Chefregisseur.

++++++ 25.06.2008 ++++++

Friedrich, der Große - von Heiko Schon
Mit einem Einweihungsfestspiel in drei Akten wurde am 13. Juni der Götz-Friedrich-Platz, der Krumme Straße Ecke Bismarckstraße direkt neben der Deutschen Oper liegt, feierlich eröffnet. Zunächst hielt Kulturstaatssekretär André Schmitz die Laudatio für den langjährigen Generalintendant des Hauses. Als einer der ganz Großen in der nationalen wie internationalen Opernwelt bezeichnete Schmitz den im Dezember 2000 verstorbenen Regisseur und Theaterleiter. Wie Friedrichs Inszenierungen in den Bann ziehen und vom Stammpublikum der DOB nach wie vor geliebt werden, zeigte sich nach dem offiziellen Teil in der Galavorstellung von Puccinis La Bohème. Stefano Ranzani übernahm die musikalische Leitung; auf der Bühne standen u.a. Valter Borin als Rodolfo, Markus Brück als Marcello und Anja Harteros, die für ihre Mimi zu Recht den größten Publikumszuspruch erhielt. So wie Fionnuala McCarthy (Musetta) wechselten viele anschließend vom "Café Momus" in das hauseigene Restaurant, wo die BigBand der Deutschen Oper für ausgelassene Stimmung bis weit nach Mitternacht sorgte. Unter den Gästen: Kammersängerin Karan Armstrong-Friedrich, Regisseur Peter Stein und Objektkünstler Günther Uecker, der für den Platz eine Nagel-Skulptur beisteuerte. Im Areal, welches finanziell durch den Förderkreis der DOB, dem Richard-Wagner-Verband und zahlreichen Weggefährten Friedrichs geschultert wurde, sind eine Treppe mit Leuchtstreifen und ein Fontänen-Viereck untergebracht. In den Pausen kann man sich zwischen Platanen und Buchsbäumchen die Beine vertreten oder auf einer der Bänke in die Sonne blinzeln.

++++++ 20.05.2008 ++++++

Brand in der Philharmonie
Am Dienstag den 20. Mai um 13:57 brach oberhalb des großen Saals der Berliner Philharmonie ein Feuer aus. Die Lösch- und Sicherungsarbeiten werden aller Voraussicht nach Mittwoch früh abgeschlossen sein. Das Ausmaß des Schadens ist zur Zeit nicht abschätzbar. Bis auf Weiteres bleibt die Philharmonie geschlossen. Der Betrieb im Kammermusiksaal ist nicht betroffen. Auswirkungen auf geplante Konzerte in der Philharmonie werden wir über die Presse und auf unserer Website bekannt geben. Alle sonstigen Informationen zum Brand entnehmen Sie bitte der Presse.

++++++ 10.05.2008 ++++++

Rattle verlängert
Die Berliner Philharmoniker haben sich für eine Verlängerung des derzeit bis 2012 laufenden Vertrages ihres Chefdirigenten Sir Simon Rattle ausgesprochen. Die Berliner Philharmoniker und Sir Simon Rattle werden sich nun darüber austauschen, wie die gemeinsame Zukunft nach 2012 aussehen könnte.

++++++ 09.05.2008 ++++++

Fußtritt! Rücktritt? - von Heiko Schon
Was die Berliner seit einigen Wochen aus der Staatsoper hören - sei es Flurgeflüster oder bestätigte Pressemitteilung - klingt mehr nach Rosenkrieg als Rosenkavalier. Erst verwarf Peter Mussbach seinen Plan, vorzeitig das Intendanz-Büro zu räumen, weil ihm die Ablösesumme der Senatskulturverwaltung zu mickrig war, dann forderte er Daniel Barenboim auf, die musikalische Leitung seines Don Giovannis abzugeben (was dieser auch sofort tat) und nun ließ der Theaterleiter auch noch verlauten, dass drei der sechs szenischen Neuproduktionen der nächsten Spielzeit nur konzertant realisiert werden könnten. Zu gern hätte man Mäuschen gespielt, um beizuwohnen, wenn Künstlerego auf Machtpolitiker, schlechter Verlierer auf kühlen Rechner, Theatraliker auf Choleriker prallt.

Der dramaturgische Höhepunkt in dieser Posse ist, wen wundert's, der Kampf ums liebe Geld. Die gestrige Sitzung des Stiftungsrates brachte keine endgültige Klärung, wofür denn nun die zusätzlichen 10 Millionen verwendet werden sollen. Mussbach startete erneut den Versuch, diesen Subventionsaufschlag vorwiegend in opulent ausgestattete Inszenierungen zu stecken. Der Stiftungsrat lehnte dies mit der Begründung ab, dass die Staatskapelle nicht ausreichend Berücksichtigung fände. Zumindest die aus der Politikersprache bekannten "Eckpunkte" sollen jetzt aber feststehen. Aus denen muss nun der Opernvorstand unter Generaldirektor Stefan Rosinski bis Ende Mai ein Gemeinschaftswerk erstellen. Es wird also sowohl den ersehnten Wirtschaftsplan als auch eine Saisonvorschau geben. Ob Letztere dann allerdings von einem Intendanten Peter Mussbach vorgestellt wird, sei dahingestellt. Soeben haben die Abteilungsleiter der Lindenoper Mussbachs Rücktritt gefordert...

++++++ 30.03.2008 ++++++

Feststehende Fakten, hartnäckige Gerüchte
Anmerkungen zum Berliner Intendantenkarussell - von Heiko Schon

Wenn sich Zwei streiten, freut sich der Dritte? Ja, es sieht ganz danach aus. Der Chef der Berliner Staatsoper, Peter Mussbach, erhielt vom eigenen Generalmusikdirektor, Daniel Barenboim, die Mitteilung, dass der Opernstiftungsrat seinen Intendantenvertrag über den Sommer 2010 hinaus nicht verlängern werde. Das zugleich auch der Verwaltungsdirektor Georg Vierthaler, mit dem sich Mussbach schon seit längerem überworfen hat, seinen Job verliert, dürfte ihm ein schwacher Trost gewesen sein. Schon seit einigen Wochen rauschte es in den Lindenblättern, dass Barenboim auf der Suche nach einem neuen Intendanten wäre. Zwar wurde am Dienstag, als Mussbach vor die Belegschaft trat, kein Nachfolger vorgestellt, aber Barenboim, unangefochtener Star und Zugpferd des Hauses, wird schon rechtzeitig mit seinem Wunschkandidaten an die Herren Schmitz und Wowereit herantreten.

Das heißt: Mit der Schließung des maroden Staatsopernhauses schließt auch die Ära Mussbach. Am neuen Hausherrn hängt also nicht nur die schwierige Spielplangestaltung im Ausweichquartier Schillertheater sondern auch der Festakt, wenn 2013 planmäßig Wiedereröffnung im Knobelsdorff-Bau gefeiert werden soll. Das wird kein Kinderspiel. Da muss ein Profi ans Werk.

Jemand wie Pamela Rosenberg. Ihr Name geistert nun wieder durch die Gänge der Kulturinstitutionen dieser Stadt, zumal sich das Gerücht hartnäckig hält, Rosenberg klebe nicht allzu sehr am Intendantenposten der Berliner Philharmoniker. Schon einmal wurde ihr ein Berliner Opernhaus, nämlich die DOB, angeboten. Diese Offerte lehnte Rosenberg aber mit dem Verweis auf Christian Thielemann ("zu alt im Kopf") ab. Später hörte man von dem Versuch, sie werde mit ihrem früheren Musikchef der San Francisco Opera, Donald Runnicles, das glücklose Team Kirsten Harms / Renato Palumbo aus dem Amte putschen. Rosenberg dementierte dies offiziell - und ein paar Monate später wurde Runnicles als designierter Generalmusikdirektor der DOB vorgestellt, während Palumbo am gleichen Tage das Handtuch warf. Da es auch um die Vertragsverlängerung von Kirsten Harms eher schlecht bestellt sein soll, kann sich Rosenberg das Haus vielleicht bald aussuchen, an dem sie zukünftig arbeiten möchte. Wer weiß, wer weiß.

++++++ 08.12.2007 ++++++

Homoki bleibt Intendant der Komischen Oper
Der Intendant der Komischen Oper Berlin, Andreas Homoki, ist in seinem Amt bestätigt worden. Die Stiftung Oper in Berlin habe seinen Vertrag als Intendant und Chefregisseur bis zur Spielzeit 2013/2014 verlängert, teilte die Komische Oper im November mit.

Homoki war zum Beginn der Saison 2002/2003 als Nachfolger von Harry Kupfer als Chefregisseur verpflichtet worden, am 1. August 2004 übernahm er auch die Intendantenpflichten. Er freue sich über die Bestätigung der Arbeit der Komischen Oper, sagte Homoki.

Dieser Erfolg sei auch durch die jüngste Auszeichnung zum "Opernhaus des Jahres" attestiert worden. Das Haus habe mit "glaubhaftem Musiktheater" ein unverwechselbares Markenzeichen in der Berliner Opernlandschaft. Auch künftig wolle er junge Sänger und profilierte Regisseure an das Haus binden, wie bereits Peter Konwitschny, Calixto Bieito und Barrie Kosky.

++++++ 21.11.2007 ++++++

Mehr Musik - weniger Gefängnisse
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat den Stellenwert von Musik in deutschen Haushalten betont: "Musik gehört zur frühkindlichen Bildung wie Sprache und Bewegung". ... Musizieren, Tanzen und Musik hören sollten Kinder schon in den ersten Jahren nach der Geburt. Länder und Kommunen müssten sich intensiv darum kümmern. Auch die Intendantin der Berliner Philharmoniker, Pamela Rosenberg, warnte vor weiteren Personal- und Mittelstreichungen bei den 950 öffentlichen Musikschulen in Deutschland. "Die Alarmglocken läuten", sagte sie, denn viele sozial schwache Familien könnten sich den Musikunterricht für ihre Kinder nicht mehr leisten. ...

Am Rande einer Tagung zum Thema "Kulturelle Bildung" in Berlin betonte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), öffentliche Kultureinrichtungen sollten nicht nur nach Einnahmen und Besucherzahlen bemessen werden. Wichtig sei vor allem ihr Beitrag zur Integration von Menschen, besonders für die, die nicht zur klassischen Klientel von Kulturveranstaltungen gehörten.

Mit dem Erlernen eines Musikinstrumentes könne die Ausdauer und das Erleben von Erfolg gefördert werden. Gerade das sei für Menschen prägend. So könne Musik eine "existenzielle Bedeutung für Kinder" entfalten, sagte Rosenberg. "Wir produzieren viele Menschen, die mit sich und der Gesellschaft nicht zurecht kommen". Viel Geld werde an der falschen Stelle ausgegeben. "Die Hälfte der Gefängnisse könnte überflüssig sein, wenn wir mehr in die musikalische Früherziehung investieren", sagte die Philharmoniker-Intendantin.

Die Zeit, 21. November 2007

++++++ 01.11.2007 ++++++

Donald Runnicles ersetzt Renato Palumbo
Der britische Dirigent Donald Runnicles wird neuer Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin. Der 1954 in Edinburgh geborene Runnicles tritt am 1. August 2009 für fünf Jahre die Nachfolge von Renato Palumbo an, der seinen Vertrag auf eigenen Wunsch vorzeitig zum 1. November 2007 aufgelöst hat. Er lief ursprünglich noch bis 2009. Der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz zeigte sich erfreut über die Berufung Runnicles. Sie sei "ein deutliches Signal der Ermutigung und des Aufbruchs für die Deutsche Oper".

Runnicles ist seit 1992 Musikdirektor der Oper San Francisco und ständiger Gastdirigent des Atlanta Symphony Orchestra. Seine internationale Karriere begann er 1980 in Deutschland, wo er 1989 Generalmusikdirektor in Freiburg wurde. Runnicles dirigierte an den wichtigsten Opernhäusern und beim Musikfestival in Glyndbourne. In San Francisco leitete er unter anderem zwei komplette Zyklen von Wagners Ring des Nibelungen.

Palumbo werde seine künstlerischen Verpflichtungen aber noch bis zum Ende dieser Spielzeit erfüllen. Der Italiener werde als Gastdirigent der Deutschen Oper verbunden bleiben und unter anderem Verdis Traviata mit Starsopranistin Anna Netrebko in diesem November und die Neuproduktion von Aida im März 2008 musikalisch leiten.

++++++ 17.10.2007 ++++++

Sanierung der Staatsoper
Die Staatsoper Unter den Linden wird umgebaut. Die Kosten der Sanierung bewegen sich derzeit bei etwa 260 Millionen EUR, da das Gebäude komplett entkernt und ein zusätzlicher Rang eingebaut werden soll. Der Bund bietet dafür 150-200 Millionen Euro zur Sanierung an, unter der Bedingung, dass die Stadt Berlin den Jahresetat der Opernstiftung um 10 Millionen Euro anhebt. Der Förderkreis der Staatsoper und das Land Berlin (letzte Kostenzusage: 50 Millionen) werden sich auch an der Sanierung beteiligen.

Nach Einschätzung von Intendant Peter Mussbach wird die Staatsoper während des ab 2010 geplanten Umbaus in das Schillertheater in Charlottenburg umziehen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit scheine inzwischen auch dafür zu sein, sagte Mussbach der Frankfurter Rundschau. Der Umbau im Schillertheater würde rund 20 Millionen Euro kosten: "Das ist machbar." Das Theater liegt ungefähr 500 Meter von der Deutschen Oper entfernt. Er plane in der Ausweichspielstätte zehn Premieren, weil er nicht glaube, "dass wir viel aus unserem alten Spielplan an einen neuen Ort mitnehmen können". Alle Premieren sollten an der neuen Spielstätte wirksam sein und seien nicht unbedingt dafür konzipiert, in der renovierten Staatsoper wieder aufgenommen zu werden. Der Flughafen Tempelhof als Ausweichquartier sei nicht finanzierbar, weil man dort ganz neue Spielstätten bauen müsste. Er selbst habe ein Modell für den Marx-Engels-Platz vor dem Roten Rathaus entworfen. Seine gläserne Trommel hätte jedoch 40 Millionen Euro gekostet und nicht stehen bleiben können.

++++++ 09.10.2007 ++++++

Komische Oper "Opernhaus des Jahres"
Die Komische Oper Berlin erhielt den Titel "Opernhaus des Jahres" gemeinsam mit der Bremer Oper in einer Umfrage der Zeitschrift Opernwelt unter 50 Kritikern. Das geht aus dem am 28.09. veröffentlichten Jahrbuch des Blattes hervor.

Intendant und Regisseur Andreas Homoki habe die Komische Oper als "hippe Adresse für ein frisches Publikum" etabliert. Erwähnt wurde der ausgeprägte Ensemblegeist, die effektive Jugendarbeit und das "flotte Marketing", womit neues Publikum gewonnen wurde. Mit dem scheidenden Generalmusikdirektor Kirill Petrenko hat das Haus auch den Titel "Dirigenten des Jahres". Der laut Jury "musikalisch wie szenisch überaus flexible" Chor des Hauses kann sich darüber hinaus mit der Trophäe "Chor des Jahres" schmücken.

Berlin sorgte allerdings auch für das "Ärgernis des Jahres". Die Deutsche Oper unter der Leitung von Kirsten Harms erhielt die meisten Negativstimmen der befragten Kritiker. Verantwortlich dafür sei unter anderem die voreilig vom Spielplan genommene Idomeneo-Inszenierung von Hans Neuenfels, befanden die Kritiker, aber auch die künstlerischen Ergebnisse der Spielzeit 2006/2007 insgesamt.

++++++ 16.11.2006 ++++++

Schindhelms Rücktritt
Paul Moor, Kenner der Berliner Musikszene, verfasste eine treffende Analyse des neuesten Eklats bei der Berliner Opernstiftung. Nach 18 Monaten seines 5-Jahresvertrags hat Generaldirektor Michael Schindhelm angewidert seine Stelle aufgegeben. Die Bundesregierung hatte entschieden, das Stiftungsbudget zurückzuschneiden. Inzwischen hat es den Anschein, dass Schindhelm seine Position zumindest vorübergehend doch beibehalten wird.
Lesen Sie die ganze Geschichte bei musical america

++++++ 01.09.2006 ++++++

Konzerthausorchester Berlin
Lothar Zagrosek wird ab August der neue Chefdirigent des Berliner Sinfonie-Orchesters sein. Neu wird dann auch der Name des Orchesters sein: Konzerthausorchester Berlin. Zagrosek erzählte: "Als mich meine Freunde fragten: Wo gehst du denn hin?, da sagte ich ihnen: zum BSO. Aha, zum Orchester von Nagano. Nein, sagte ich, das ist das DSO. Ich gehe zum Berliner Sinfonie-Orchester. Ach, das Orchester, das gerade aufgelöst wird? Nein, das sind die Berliner Symphoniker".

Die Berliner Zeitung schreibt: Dieser Dirigent zeichnet sich durch "pädagogisches Interesse, Arbeit mit jungen Kräften, Einsatz für eine Musik, die im Repräsentativen nicht aufgeht, Sinn für das Programmatische" aus.

Lothar Zagrosek ist künftig auch stellvertretender Intendant. In die konzeptionelle Arbeit des Konzerthauses, die Entwicklung thematischer Programmreihen und neuer Konzertformen wird das Orchester jedenfalls noch entschiedener eingebunden werden. Zu seiner neuen Funktion als stellvertretender Intendant des Konzerthauses sagt er, "Das ist mehr ein symbolischer Titel, der keine operative oder pragmatische Funktion beinhaltet. Es ist einfach ein Bekenntnis zu diesem tollen Haus, das durch seinen Intendanten Frank Schneider und die Direktorin Heike Hoffmann von einer Kunsthaltung geprägt ist, die meiner genau entspricht. Deshalb bin ich hier."

Die Berliner Morgenpost sprach mit Lothar Zagrosek: "Ich glaube, dass wir unsere Institutionen für unsere Zeit mehr öffnen müssen. Allerdings nicht mit Crossover oder Event-Kultur. Ich hasse dieses ganze Chichi. Das ist der absolut falsche Weg."
Zu den Auswirkungen der Umbauten zur Verbesserung der Akustik des großen Saals sagt er: "Wir haben in verschiedenen Bereichen die zu großen Nachhallzeiten rausgenommen. Ein voller Erfolg. Mit Konzerthaus und Philharmonie hat Berlin zwei gleichwertige Säle."

++++++ 01.09.2006 ++++++

Ingo Metzmacher und das DSO
Ab August 2007 wird Ingo Metzmacher neuer Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin (DSO). Sein Vertrag ist zunächst auf drei Jahre befristet. Metzmacher tritt die Nachfolge von Kent Nagano an, der das Orchester zum Ende der laufenden Spielzeit verlässt. Metzmacher hatte zur Bedingung gemacht, dass "die besondere Stellung" des DSO innerhalb der Berliner Rundfunkorchester und -chöre GmbH (ROC) erhalten bleibe. Diese Bemerkung kann nur bedeuten, dass das DSO im Etat der ROC-GmbH weiterhin bevorzugt wird zu Ungunsten des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin.

++++++ 30.08.2006 ++++++

Opernstiftungschef Schindhelm
Die Stiftung Oper in Berlin kann die Einsparvorgaben in 2008 und 2009 nicht erfüllen. Nach der Berliner Wahl will Stiftungs-Chef Michael Schindhelm Vorschläge für eine "Neujustierung der Stiftung" vorlegen. Der Berliner Morgenpost sagte er: "Wir werden die Gesamtbesucherzahl nicht von 687 000 im vergangenen Jahr auf 900 000 schaffen, nicht in drei oder vier Jahren, nicht bei der bestehenden Konjunktur. Da müssten wir noch stärker als bisher auf Blockbuster setzen. Die Häuser würden zu einer wachsenden Konvergenz gezwungen. Jeder müsste spielen, was sich am besten verkauft. Der finanzielle Druck schärft also nicht unbedingt die Profile, sondern zwingt die Häuser zu ähnlichen Programmstrategien, wenn es nur noch ums Geld geht."
Zum Zustand der Staatsoper sagte er, "Ich habe noch nie ein so geschundenes Theater gesehen. Selbst die kleineren Thüringer Theater von Nordhausen, Altenburg oder Gera, in denen ich vor 15 Jahren gearbeitet habe, waren in besserem Zustand, kurz nach der Wende!"
Gefragt nach einer Reform des derzeitigen Drei-Häuser-Spielbetriebs sagt er: "Es gibt drei Reformvarianten: zerstören - wenn die Probleme unlösbar geworden sind; erhalten - wenn sich die verantwortlichen Akteure der Politik und der Opern darin einig sind, dass alles so bleiben kann, wie es ist; verändern - was für alle Seiten unbequem sein könnte. Variante 1 steht für mich nicht zur Debatte, Variante 2 übersteigt meine kulturpolitische Phantasie und ob es eine dritte Variante geben wird, hängt nicht nur von mir ab."

++++++ 30.08.2006 ++++++

ROC Berlin
Am 1. Juli übernahm Gernot Rehrl die Intendanz der roc berlin. 1955 in Bamberg geboren, diente er früher in verantwortungsvollen Positionen bei den Münchner Philharmonikern unter ihrem Chefdirigenten Sergiu Celibidache, beim Windsbacher Knabenchor, beim Chor des Bayerischen Rundfunks, und war als Orchestermanager beim Münchner Rundfunkorchester tätig. In einem Interview mit der Berliner Zeitung sagte er "Wo liegt Berlin im europäischen Wettbewerb vorn? Als Industriemetropole? Gewiss nicht. Als Wirtschafts- und Finanzstandort? Sicher auch nicht. Einiges entsteht im Dienstleistungssektor, im Bereich der neuen Technologien und Medien. Berlin ist aber ohne Frage eine Kulturmetropole. In der Kultur kamen durch die Vereinigung Energien zusammen und verstärkten sich (während sie sich auf anderen Gebieten neutralisierten). Kultur ist ein wesentliches Kapital der Hauptstadt. An dessen Einsatz verantwortlich mitzuarbeiten, ist eine großartige Aufgabe."
Gefragt nach der Funktion des Intendanten dieser Dachorganisation mit zwei Orchestern und zwei Chören, sagt er "Die Ensembles arbeiten in Eigenverantwortung, auch wenn beim Intendanten der moderierende und koordinierende Schwerpunkt in Zukunft liegen wird. Chöre und Orchester veranstalten gemeinsame Konzerte. Schon dadurch entstehen Programmabsprachen und -diskussionen. Wir können durch unsere besondere Konstellation manche groß besetzten Projekte effizienter verwirklichen, daher wird man in unseren Programmen immer Werke finden, die im Konzertleben selten vorkommen. In jedem Fall wird die Dachmarke roc berlin eine Stärkung erfahren, Synergieeffekte werden mehr zu nutzen sein. Wir werden uns als Gesamtkunstwerk und Kulturinstitution klarer positionieren."

++++++ 30.08.2006 ++++++

Philharmoniker Intendantin Rosenberg
Die Berliner Morgenpost zur neuen Intendantin der Berliner Philharmoniker, Pamela Rosenberg: "Die reine Machtfrage ist bei den Philharmonikern traditionell anders geklärt. ... Das entscheidende Wort haben nach wie vor die 'Orchesterrepublik' und der jeweilige Chefdirigent. Und falls die Zwei sich streiten, hat der Dritte nichts zu lachen, sondern besser zu vermitteln. In dieser Funktion wirkt ab sofort Frau Rosenberg. Sie ist die Frau für den philharmonischen Konsens - nach innen und nach außen. Von Amtswegen. Die Philharmoniker sind ein Stiftungskonstrukt mit einem Stiftungsvorstand. Dem gehören vier Personen an: der Chefdirigent, zwei Orchestervorstände und die Intendantin. Eine geschmeidige, geduldige Diplomatin ist gefragt. Womöglich auch, um Simon Rattle in der Öffentlichkeit zu entlasten, ja vor sich selbst zu schützen. Der Chefdirigent, der sich am Pult so energisch, so aktiv, so fröhlich zeigt, ist offenkundig viel dünnhäutiger, viel selbstzweiflerischer als gedacht. Was ihn als Künstler ehrt, aber als Oberhaupt der Philharmoniker angreifbar macht."

++++++ 06.05.2006 ++++++

Neuer Chefdirigent bei RIAS-Kammerchor
Ein neuer Chefdirigent leitet ab der Saison 2007/2008 den RIAS Kammerchor: Hans-Christoph Rademann, Professor in Dresden und - als Kontrapunkt zum Briten Simon Halsey beim Rundfunkchor Berlin - namhafter Exponent der großen sächsischen Chortradition. Die hohen Maßstäbe und das vielseitige Repertoire, wie der zum Sommer ausscheidende Daniel Reuss sie pflegte, will Rademann durchaus bewahren - doch ließ er schon die eigenen speziellen Interessengebiete durchblicken: C.P.E. Bach und Georg Philipp Telemann.

++++++ 05.05.2006 ++++++

Offener Brief von Kent Nagano an Senator Böger
In einem Brief an Berlins Senator für Bildung Klaus Böger beklagt Kent Nagano das geplante "gemeinsame Stundenkontingent in den Fächern Musik und Kunst".
Lesen Sie den vollständigen Brief im pdf-Format:
Brief an Senator Böger

++++++ 10.09.2005 ++++++

Pamela Rosenberg Intendantin der Philharmoniker
Ab 2006 soll die 60-jährige amerikanische Musikmanagerin Pamela Rosenberg Intendantin der Berliner Philharmoniker werden. Rosenberg ist noch bis Sommer 2006 als Leiterin der Oper in San Francisco verpflichtet. In Berlin soll sie im Januar 2006 mit einem Vorvertrag ihre Arbeit aufnehmen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Pamela Rosenberg ein Kandidat für das Amt des Generaldirektors der Berliner Opernstiftung, für die Leitung der Salzburger Festspiele und als Intendantin der Bayerischen Staatsoper München war. Aber nun hat sie sich für Berlin entschieden.

Drei Jahre lang wird der Intendanten-Posten dann verwaist gewesen sein, zum 1. Januar 2003 hatte Rosenbergs Vorgänger Franz Xaver Ohnesorg um die Auflösung seines Vertrages gebeten. Drei Jahre, in denen Ohnesorg, der angeblich weiter als Berater fungierte, sehr umfänglich ausbezahlt werden musste. Orchestervorstand Peter Riegelbauer sagt, man freue sich zukünftig von einer Persönlichkeit mit so viel ‚natürlicher Autorität' vertreten zu werden. Hauptsächlich aber erhoffe man sich von ihr und mit ihr eine Stärkung der künstlerischen Programmatik. "Überhaupt stellt diese Frau von gewinnender Klugheit den gar nicht so häufigen Typus des unneurotischen Intendanten dar. Die traditionelle Macht- und Interessenskonkurrenz zwischen dem Orchestervorstand der Philharmoniker, dem Chefdirigenten und der Intendanz wird sie mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht anheizen" schreibt die Berliner Zeitung.

Sie sagte auf einer Pressekonferenz: "Wir stehen vor einer großen Krise unserer Kultur, wenn wir es nicht schaffen, die ganz anderen Lebenserfahrungen der jungen Generation in unsere Kunst einzugliedern. Alles hängt davon ab, ob wir Kunst wieder relevant machen können. Die klassische Musik ist marginalisiert worden, irrelevant für 98 Prozent der Bevölkerung. Kein Opernhaus der Welt würde mir momentan die Möglichkeit geben, mich diesen Fragen in dem Ausmaß zu widmen, wie ich es hier, bei den Berliner Philharmonikern kann".

++++++ 10.09.2005 ++++++

"Wünsch-dir-was"
Die Stiftung "Berliner Philharmoniker" erhält künftig nicht mehr wie bisher 1,7 Millionen Euro ihres 14,7 Millionen-Euro-Zuschusses vom Land Berlin aus dem "Lotto-Topf" - doch eine Gehaltskürzung müssen die Musiker darum nicht hinnehmen. Denn Berlin hat sich 2001 auf die Summe von 14,7 Millionen Euro bindend festgelegt. Der Zuschuss für 2006/2007 erhöht sich insgesamt also nicht, nur muss die gesamte Summe nun aus dem Landeshaushalt aufgebracht werden.

Die Berliner Zeitung schreibt: Die Fördergelder steigen laut Plan von 13,3 auf 15 Millionen Euro jährlich an. Politiker zeigten sich 'verwundert' und 'geschockt' über dieses Ansinnen. "Thomas Flierl erläuterte, das sei der Wunsch der Philharmoniker gewesen. Diese wollten die Kosten für ihre steigenden Gehälter ersetzt haben und wünschten außerdem eine Entschädigung für die planmäßige Streichung der Lottomittel. Ja sind wir hier bei Wünsch-dir-was? Leidet das Orchester an völligem Realitätsverlust? Hat es nicht außerdem vier Millionen Euro Sponsorengelder zur Verfügung? [Diese Gelder werden von der Deutschen Bank für die Arbeit mit Berliner Schulkindern gesponsert. Anmerkung der Redaktion] Ist die Abwicklung der Symphoniker schon Geschichte? Die Not dieser Stadt scheint bei den höchst bezahlten Musikern nicht anzukommen."

++++++ 10.09.2005 ++++++

Marek Janowski unterzeichnet bis 2011
Marek Janowski hat seinen Vertrag als Chefdirigent und künstlerischer Leiter des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin bis zum Ende der Saison 2010/11 unterzeichnet. Seit September 2002 prägt Marek Janowski als Künstlerischer Leiter das RSB. Mit seiner Verpflichtung konnte das älteste deutsche rundfunkeigene Sinfonieorchester seine Position zwischen den Berliner Spitzenorchestern und in der ersten Reihe der deutschen Rundfunkorchester nachhaltig ausbauen. So konnte das RSB in seinen Konzerten der letzten Saison steigende Besucherzahlen um 20 % auf eine Gesamtauslastung von 89 % verzeichnen.

Die Berliner Zeitung schreibt: "Anders als manche seiner Kollegen strahlt Marek Janowski nicht von Plakatwänden auf die Stadt, die von ihm geleiteten Konzerte sind keine Medienspektakel, bringen keine schwererziehbaren Jugendliche auf Trab und gefallen sich auch nicht in wild gerüttelten Programmzusammenstellungen, setzen dafür aber auf Qualität, auch wenn der Komponist kein Publikumsmagnet ist, wie etwa Paul Hindemith oder Karl Amadeus Hartmann. Ebenso allen Äußerlichkeiten, allen momentanen Spezialeffekten abhold, dabei aber bis ins Detail durchdrungen und stets aus einer souveränen formalen Übersicht gebaut sind Janowskis Interpretationen; auf einen Abend unter seiner Leitung kann man sich immer freuen als eine ernsthafte und doch sinnliche Auseinandersetzung mit der Musik."

++++++ 10.09.2005 ++++++

Schieflage bei der Kulturförderung
Norbert Lammert, Kulturexperte im CDU-Kompetenzteam, kritisiert die Berlinförderung des Bundes. Unter Rot-Grün seien serienweise Berliner Kultureinrichtungen übernommen worden, die Folge sei "eine Schieflage zu Lasten der anderen 15 Länder", so Lammert im Focus-Interview. Da es "nicht wirklichkeitsnah" sei, dass der Bund Einrichtungen an Berlin zurückgebe, müsse man den mit etwa 11,65 Millionen Euro ausgestatteten Hauptstadtkulturfonds überdenken, betonte der Politiker, der im Fall eines Regierungswechsels als Kandidat für den Kultur(staats)ministerposten gilt.

Die Berliner Zeitung veröffentlichte Kulturpolitiker Norbert Lammert (CDU) und Theaterchef Matthias Lilienthal (HAU) im Gespräch:

Lilienthal: Berlin hat eine Ausstrahlungskraft, die doch ein wenig über die anderer west- und ostdeutscher Metropolen hinausgeht. Hervorragende internationale Künstler zieht es aufgrund der billigen Mieten, der billigen Lebensverhältnisse, der guten Kunst-Infrastruktur nach Berlin. Das ist eine riesige Chance.

Lammert: Wenn diese Szene so vital ist, frage ich mich, weshalb sie ausschließlich von Zuwendungen des Bundes abhängen soll.

Lilienthal: Diese Stadt hat keine Industrie, sie hat keine wirtschaftliche Potenz. Sie hat aber Universitäten und eine Kulturszene. Wissenschaft und Kultur müssen sich in einer völlig neuen Weise verzahnen und eine ganz andere Wichtigkeit in der Stadt bekommen. Diese Prozesse muss man befördern. Es geht mir um einen anderen, popkulturell aufgeladenen Kulturbegriff.

++++++ 10.09.2005 ++++++

Auslastung des "Young Euro Classic"-Festivals
Die durchschnittliche Auslastung des "Young Euro Classic"-Festivals - ein Treffen 17 Jugendorchester aus aller Welt - liegt bei 97 Prozent. Die Berliner Zeitung berichtet von einer Äußerung des Chefs der Senatskanzlei: diese Traumzahlen seien trotz 'Nörgeleien' in der Presse zu Stande gekommen. "Warum kommt es als Genörgel an, wenn man feststellt, dass "Young Euro Classic" keine Idee von Kunst vertritt? Hätte es je einen Zweifel geduldet, dass es bei diesem Festival nicht um Musik, sondern um wohlerzogenes Miteinander geht, die breiter Zustimmung sichere Abkanzelung kritischer Stimmen als "Nörgelei" hätte sie endgültig ausgeräumt. ... Nichts gegen wohlerzogenes Miteinander, davon braucht das Leben im Kleinen und im Großen viel mehr. Aber die Musik ist nicht der Vorschein dieser Verhältnisse, sie darf und soll Spielraum der Anarchie, der Unverständlichkeit, des restlos verwirklichten Individuums sein - sie ist einer der wenigen Orte, an denen solches überhaupt möglich ist."

++++++ 14.08.2005 ++++++

Ingo Metzmacher wird Chefdirigent des DSO
Ingo Metzmacher wird Kent Nagano als Chefdirigent des Deutschen Sinfonie-Orchesters im Herbst 2007 ablösen nach acht Jahren als Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper und des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg. Das Orchester sagt dazu in ihrer Pressemitteilung: "Für die Entscheidung von Findungskommission und Orchester gab den Ausschlag, dass Ingo Metzmacher von seiner Persönlichkeit, Autorität und Ausstrahlung her einen weiteren Aufstieg des Orchesters erwarten lässt." Und Der Tagesspiegel schreibt: "Manchmal wird doch die bestmögliche Lösung gefunden. Denn nichts anderes ist die jetzt verkündete Nachricht, dass Ingo Metzmacher ab 2007 Nachfolger von Kent Nagano beim DSO werden soll."

++++++ 14.08.2005 ++++++

Zur Orchesterlandschaft Berlins
Zur Orchesterlandschaft Berlins schreibt die Berliner Zeitung: "[Es] steht jetzt mit Simon Rattle ein Dirigent dem berühmtesten Orchester der Stadt vor, der trotz aller Bewertungsschwächen gegenüber neuer Musik die Suche nach neuen Ausprägungen des Sinfonischen vorantreibt. Kommt Metzmacher Mitte 2007 hinzu, und mutmaßlich ein Jahr zuvor schon Lothar Zagrosek als Chef des Berliner Sinfonie-Orchesters, dann kann man sagen, Berlin habe einen wirklichen Paradigmenwechsel im Konzertbetrieb vollzogen. Bereits Marek Janowski, der Chef des Rundfunk-Sinfonieorchesters, steht mit seinem scheinbar so konservativen Metierbeherrschungs-Appeal auf dem Boden der klassischen Moderne. Nur noch Daniel Barenboim repräsentierte dann mit seiner Staatskapelle den traditionalistischen kompakten Orchesterklang, eine an den Gestalten des 19. Jahrhunderts orientierte Werkpsychologie und ein romantisches Dirigentenpathos."

++++++ 14.08.2005 ++++++

Orchestermusiker sollen mehr arbeiten
Der Deutsche Bühnenverein dringt auf einen effektiveren Arbeitseinsatz der rund 10.000 Orchestermusiker in Deutschland. Dazu hat er Ende Juni wesentliche Teile des Tarifvertrags für Musiker in Kulturorchestern - d.h. Opern-, Konzert- und Rundfunkorchester, allesamt über Steuern oder Rundfunkgebühren subventionierte Einrichtungen - gekündigt. Von den Kündigungen sind besonders die Vergütungsordnung und die Regelung der Arbeitszeit betroffen. Auch die Vorschriften zum 13. Monatsgehalt und zum Urlaubsgeld seien gekündigt. Aus Sicht des Bühnenvereins können die bisherigen Vergütungen nur weiter gezahlt werden, wenn es wesentliche Änderungen beim Arbeitseinsatz der Musiker gebe. Dabei gehe es vor allen Dingen um eine stärkere Dienstauslastung in vielen Orchestern.
Die Komponisten sind schuld an dem ganzen Dilemma. Die Morgenpost: "Die Klassiker haben sich partout nicht an heutige Tarifregelungen gehalten. Streicher haben statistisch mehr zu tun als etwa der Bläser. Das mag ungerecht sein und widerspricht dem Regulierungswillen mit acht Diensten à drei Stunden (Oper) und zweieinhalb Stunden (Konzert) pro Woche. Und dauert eine Operntragödie wie bei Richard Wagner einmal länger, gibt es gleich noch einen Dienst obendrauf. Laut Tarifrecht darf ein Musiker maximal neun Dienste pro Woche machen - hat ein Dirigent oder Veranstalter einmal Größeres im Sinn, gerät er schnell in die Defensive."

++++++ 14.08.2005 ++++++

Foyer der Komischen Oper
Komische Oper Intendant Andreas Homoki verweist auf Zuschauerbefragungen, die bezeugen, dass die Zuschauer mit dem Ambiente unzufrieden seien. Nur der im Wiener Spätbarock gehaltene Zuschauerraum sowie Teile des Treppenhauses haben den zweiten Weltkrieg überlebt. Der Rest ist DDR-Präsentation. Bei der ankündigten Renovierung des Foyers der Komischen Oper geht es darum, das "muffige" Foyer umzubauen. Mit einer deckenhohen Rundum-Verspiegelung soll das Foyer ins Unendliche vergrößert werden. Seitlich der Fensterbögen plant Architekt Stefan Braunfels ein langes Sofa unter der Spiegelwand, vor dem kleine, quadratische Tische mit kratzunempfindlichen Glasplatten und würfelförmige Hocker Sitzgruppen bilden.

++++++ 14.08.2005 ++++++

Bühnentechnik an der Staatsoper
Der heutige Zustand der Bühnentechnik an der Staatsoper: Risse in der Hoffassade, Wasser im Verwaltungsgebäude, hervorquellender Teer aus dem Tieffundament. Die Bühnentechnik, mit der das Haus heute arbeitet, stammt aus den zwanziger und fünfziger Jahren. Für die DDR-Technik, die in den achtziger Jahren im Rahmen einer Mini-Sanierung eingebaut wurde, gibt es längst keine Ersatzteile mehr. Die Technik soll erneuert, das Haus von Wasser und Schimmel befreit werden. Auch die Klimaanlage, Garderoben und sanitären Anlagen sind in erbärmlichen Zustand. Die Sicherheitstechnik muss verbessert werden. Der vierte Rang, der in den fünfziger Jahren abgeschafft wurde, soll wieder eingebaut werden.
Die "Freunde und Förderer der Staatsoper" beobachten die technische Entwicklung seit langem besorgt. Zwischen 120 und 160 Millionen Euro soll die Generalsanierung kosten. 30 Millionen will der Freundeskreis beisteuern - noch ist das eine Willenserklärung, da das Geld in den nächsten Jahren erst eingeworben werden muss. Die tausend Mitglieder werden um Spenden gebeten und eine Fundraisingagentur soll neue, potente Sponsoren suchen.

++++++ 14.08.2005 ++++++

Resümee zur Opernsaison 04/05
Der Tagesspiegel schreibt: "Vor allem die Komische Oper hat mittlerweile gute Chancen, zum impulsgebenden Regietheater der Republik zu werden ... Die Lindenoper scheint, in ihrer Mischung aus maroder Substanz, großer Tradition und fragwürdigem Hype die Befindlichkeit Berlins en miniature zu verkörpern. ... An der Deutschen Oper hält sich Intendantin Kirsten Harms, paralysiert durch die Planungen ihrer Vorgänger, bislang mit programmatischen Ansagen zurück. Lange wird sie das nicht mehr können."

++++++ 14.08.2005 ++++++

Alexander von Pfeil Chefregisseur an der Deutsche Oper
Mit Beginn der Spielzeit wird an der Deutschen Oper die Position eines Chefregisseurs besetzt. Der 34-jährige Alexander von Pfeil zieht von Kiel nach Berlin. Ein beachtlicher Karrieresprung für einen jungen Regisseur, der gerade knapp 20 Inszenierungen hinter sich hat. Die Oper liegt buchstäblich in der Familie. Vater Carl von Pfeil ist Dirigent an mittleren Häusern, Mutter Astrid Schirmer, Wagner-Sängerin, hat heute eine Professur in Hannover. Alexander von Pfeil bezeichnet sich als ein Teamarbeiter. Die Berliner Zeitung schreibt: "Davor herrschte die Generation von Götz Friedrich, dem Regie-Intendanten der Deutschen Oper, und Harry Kupfer, dem Chefregisseur der Komischen Oper, die alles allein und bis ins Detail bestimmten."

++++++ 14.08.2005 ++++++

Neues Personal bei der Opernstiftung
Der Stiftungsrat der "Oper in Berlin" hat beschlossen, die beiden Kaufmännischen Geschäftsführer der Deutschen Oper und der Komischen Oper auszutauschen. Zum 1.1.2006 übernimmt Axel Baisch, bisher Geschäftsführender Direktor des Staatstheaters Nürnberg, den Posten als Kaufmännischer Direktor der Deutschen Oper. Bereits zum 1.9.2005 tritt Susanne Moser an der Komischen Oper an. Die 32-Jährige arbeitete im Bereich Kulturmarketing, leitete das Controlling am Wiener Burgtheater und war zuletzt als Geschäftsführerin des Wiener Schauspielhauses tätig.
Stefan Rosinski wird zum Geschäftsführer des Bühnenservice berufen und gleichzeitig Stellvertreter des Generaldirektors der Opernstiftung. Jahrgang 1961, er studierte Musiktheaterregie bei Götz Friedrich und arbeitete anschließend als Regieassistent, Theaterkritiker, Regisseur, Schauspieler, Produzent, Drehbuchautor, Fernsehdramaturg und Hochschuldozent.

++++++ 14.08.2005 ++++++

Orchesterakademie der Staatsoper
Alice Ströver ist neue Vorstandsvorsitzende der Orchesterakademie der Staatsoper Unter den Linden. Die Akademie leiste einen wichtigen Beitrag zum Berufseinstieg für angehende Profimusiker, sagte die Grünen-Politikerin, die auch Vorsitzende des Kulturausschusses des Abgeordnetenhauses ist. Die 1996 von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim gegründete Akademie bildet zusammen mit den Musikern der Staatskapelle ständig 20 junge Absolventen bis zur Orchesterreife aus. An vielen deutschen Musikhochschulen liege das Augenmerk vor allem auf der Ausbildung für die Solistenlaufbahn, betonte Orchestervorstand Matthias Glander.

++++++ 14.08.2005 ++++++

Ingmar Bergman glaubt an Bach
Der schwedische Filmregisseur Ingmar Bergman (86) glaubt eher an Bach und Beethoven als an Gott. "Ich glaube an andere Welten, andere Wirklichkeiten. Aber meine Propheten sind Bach und Beethoven. Die zeigen ganz sicher eine andere Welt", sagte der Regisseur bei einer Diskussionsveranstaltung auf der Ostseeinsel Farø.

++++++ 05.06.2005 ++++++

Auslastung bei Berlins Opernhäusern
Im Zeitraum Januar bis März 2005 haben 217468 Besucher die 222 Vorstellungen der drei Berliner Opernhäuser besucht, gut 10000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Ticketverkäufe stiegen im Vergleich zu 2004 um 1,62 Millionen Euro auf 6,74 Millionen Euro.

++++++ 05.06.2005 ++++++

Zukunft der Staatsoper
Angela Merkel hat es versprochen: Wenn sie Kanzlerin wird, soll die Berliner Staatsoper vom Bund übernommen werden. Wenn die Staats- zur Nationaloper umwandelt wird, würde Frau Merkel mit einem Mann in den Clinch geraten, mit dem sie in den Achtzigern ein Laborzimmer in Adlershof teilte: Michael Schindhelm, den Opernstiftungsdirektor.

++++++ 05.06.2005 ++++++

Dirigent Zagrosek will BSO übernehmen
Der Dirigent Lothar Zagrosek will das Berliner Sinfonie-Orchester (BSO) als Chefdirigent nach Auslaufen seines Vertrages in Stuttgart in der Saison 2006/2007 übernehmen. Der Vertrag des gegenwärtigen Orchesterleiters, Eliahu Inbal, endet 2006. "Ich gehe fest davon aus, daß ich Chefdirigent werde", sagte Zagrosek in Stuttgart. Zu klären seien allerdings noch einige vertragliche Fragen. "Dabei geht es vor allem um die langfristige Sicherung der Zukunft des Orchesters", sagte der Generalmusikdirektor der Stuttgarter Oper. Die Verhandlungen seien weit fortgeschritten, allerdings wage er keine Prognosen mehr, wann diese abgeschlossen sein könnten.

Zagrosek verlangt offenbar eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen des Berliner Sinfonieorchesters: konkurrenzfähige Gehälter, eine tragfähige Zahl von Orchesterstellen, eine Verbesserung wohl auch der Akustik des Hauses. Der Senat möchte diese Verbesserungen derzeit nicht verbindlich zusagen.

++++++ 05.06.2005 ++++++

Marathon um eine Rolle an der Oper
Bei einem dreitägigen Gesangsmarathon wollen sich 100 junge Sänger aus aller Welt Mitte Juni in Berlin für ein Engagement an einem Opernhaus bewerben. Die angehenden Solisten aus 32 Ländern hätten dabei die Möglichkeit, bei einem einzigen Vorsingen vom 20. bis 22. Juni vor Entscheidern aus führenden Opernhäusern aufzutreten und eventuell einen Vertrag zu bekommen. An den "Berlin International Opera Auditions" beteiligen sich unter anderem Opernvertreter aus Chicago, Los Angeles, Paris, Kopenhagen und Madrid, wie die Deutsche Oper Berlin mitteilte.

++++++ 23.05.2005 ++++++

Neues von der Komischen Oper
Andreas Homoki, Intendant der Komischen Oper, hat die Arbeit fachfremder Künstler als Opernregisseure kritisiert. Die Morgenpost zitiert: "Es sei ein Verfall des guten Musiktheaters, wenn es nicht nur egal ist, ob jemand eine Oper inszenieren kann, sondern es sogar als positiv dargestellt wird, es nicht zu können'. Es gebe ein zunehmendes Bedürfnis, die bekannten Werke aus dem Opernrepertoire für ein jüngeres Publikum neu zu deuten und von Klischees zu befreien, sagte Homoki, der vor drei Jahren die Leitung des kleinsten der drei Berliner Opernhäuser von Harry Kupfer übernommen hatte. "Doch man muß dabei auch sein Handwerk beherrschen", betonte Homoki.

Statt auf klingende Namen zu setzen, wolle die Komische Oper mit der Leistung seines Ensembles überzeugen, betonte Homoki. "Das Publikum soll wissen, dass wir jeden Abend eine schlüssige Inszenierung bieten". Als Beispiel nannte Homoki Die Entführung aus dem Serail unter der Regie des Spaniers Calixto Bieito oder Peter Konwitschnys Don Giovanni. Dadurch habe die Komische Oper zwar ein Teil seines Stammpublikums verloren, jedoch ein jüngeres Publikum gewonnen.

Auch der Tagesspiegel kommentiert das neue Publikum an der Komischen Oper: "Anders als viele Künstlerintendanten erkennt Homoki Qualität bei Kollegen neidlos an und hat es geschafft, heiß begehrte Regiestars wie Bieito, Kosky, Konwitschny und Neuenfels langfristig an die Komische Oper zu binden. Mittlerweile hat sich auch das Publikum neu sortiert: Es sind gerade die kontroversen Arbeiten, die die Besucherzahlen in die Höhe treiben, während bei braveren Produktionen wie Deckers Albert Herring die Reihen leer bleiben."

++++++ 23.05.2005 ++++++

Neues von der Deutschen Oper
Bei einem Brand in der Rüstkammer der Deutschen Oper Berlin Ende April sind rund 300 Quadratmeter der Werkstätten und Magazine beschädigt worden. Den Flammen zum Opfer gefallen sind Stöcke, Regenschirme, Schlagstöcke, sowie viele Klappdegen und Rüstungen.

Der Tagesspiegel schreibt zur Deutschen Oper: Unterbühne und Orchestergraben sollen renoviert werden, das bringt Kosten und Spielausfälle mit sich. Auch ein Generalmusikdirektor von Rang muss gefunden werden, Regisseure von Qualität müssen ermuntert werden, etwas zu leisten. "Besonders drängend ist die Suche nach einem neuen Chefdirigenten: Doch welcher Maestro von Weltruf sollte sich für ein Haus interessieren, das mal eben alle Sinfoniekonzerte streicht, mit dem Argument, man brauche die Bühne komplett für szenische Aufführungen, weil die Erneuerung der Untermaschinerie ab Mai 2006 eine Schließung erzwingt? Für die zwei Monate, in denen das Haus dann während der Saison dicht ist, liegen bisher fast keine Planungen vor. Man darf gespannt sein, womit sich die Angestellten acht Wochen lang beschäftigen werden. ... Kirsten Harms befindet sich derzeit im schlimmsten Dilemma: Eine künstlerische Linie des Hauses ist nicht erkennbar. ... Der Fall zeigt, wie heikel es heute ist, Künstlerintendanten an den ganz großen Häusern zu installieren. Mit dem mittelgroßen Kieler Theater kam Harms blendend zurecht - um einen schlingernden Musiktheater-Tanker wie die Deutsche Oper wieder auf Kurs zu bringen, braucht es aber ganz offensichtlich einen hauptberuflichen Kulturmanager."

++++++ 23.05.2005 ++++++

Neues von der Staatsoper
Vor einer Mai-Vorstellung von Tannhäuser an der Staatsoper Unter den Linden kam es zu einer Havarie. Ein hydraulisches Podium sackte ungesteuert und ungebremst ca. 3 m ab. Die gesamte hydraulische Anlage der Untermaschine wurde mit sofortiger Wirkung stillgelegt. Die Behebung der Mängel an den hydraulischen Anlagen kostet ca. 30 Mio. Euro. Angesichts der notwendigen Generalsanierung der Staatsoper Unter den Linden ist eine solche Investition für eine Sanierung allein der Hydraulik unverhältnismäßig. Laut Aussage des Kultursenators Thomas Flierl soll im Herbst 2005 ein Gesamtsanierungskonzept für die Staatsoper Unter den Linden einschließlich eines Finanzierungsplans vorgestellt werden.

Das Konzept von Peter Mussbach fängt mit der Sanierung des Funktionsgebäudes bei laufendem Spielbetrieb an. "Dann bauen wir eine unterirdische logistische Verbindung zwischen dem Funktionsgebäude und dem Opernhaus. Als Drittes wird das Opernhaus selbst saniert. Das schaffen wir in einer Saison. Somit wird die Oper nur für ein Jahr geschlossen sein."
Die Berliner Staatsoper hat den Schweizer Philippe Jordan mit gerade 30 Jahren als "Ersten Gastdirigenten" ab Herbst 2006 verpflichtet: Jordan wird 20 Abende pro Saison leiten, darunter eine Premiere. Der Vertrag läuft bis 2011.

++++++ 23.05.2005 ++++++

Rehrl Intendant der Rundfunkorchester
Gernot Rehrl, der frühere Orchesterdirektor des Münchner Rundfunkorchesters, soll ab September 2006 neuer Intendant der Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH (ROC) werden, beschlossen die Gesellschafter in Berlin. Zur ROC gehören das Deutsche Symphonie-Orchester, das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, der Rundfunkchor und der RIAS Kammerchor.

++++++ 23.05.2005 ++++++

Berlins erster Musik-Kindergarten
Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Staatsoper, wird im September 2005 in Berlin einen Musik-Kindergarten eröffnen, in dessen Zentrum die musikalische Früherziehung von Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren stehen soll. Die Sinne wach zu halten und zu sensibilisieren, sei die erste Pflicht im Erziehungsprozess kleiner Kinder, sagte Barenboim in seiner Eröffnungsrede. Eine besondere Verbindung soll geschaffen werden: Die Musiker der Staatskapelle Berlin werden durch regelmäßige Betreuung ihre musikalische Leidenschaft und ihr Können an die Kinder weitergeben.

++++++ 23.05.2005 ++++++

Ausbildung von Musikmentoren
Die Deutsche Orchestervereinigung hat ein Schulungsprogramm für jugendliche Musikmentoren gefordert. Dabei sollen Schüler bundesweit als Mittler gewonnen werden, die in Schulen, Musikschulen und Vereinen für Musik werben.

++++++ 23.05.2005 ++++++

Neues Domizil für Hanns Eisler
Der 1901 errichtete Neue Marstall beherbergte zu Kaisers Zeiten 300 Gäule sowie den Kutschenpark des Hofes. Der umgebaute Marstall wird ideale Lehr- und Arbeitsbedingungen für die Musikhochschule Hanns Eisler bieten. Neben dem "Krönungskutschensaal" und den beiden "Galakutschensälen", eingerichtet für Orchester- und Kammerkonzerte, gibt es im Schloßflügel 19 und im Spreeflügel, der vier zusätzliche Stockwerke erhielt, 72 gut isolierte Übungsräume von unterschiedlicher Größe - insgesamt 3000 qm Nutzfläche. Nicht alle 850 Studenten können ans Spreeufer ziehen, sondern nur die Streicher, Bläser und Schlagzeuger; die Bereiche Musiktheater, Dirigieren, Klavier sowie alle theoretischen Fächer bleiben dem Standort in der Charlottenstraße treu.

Der Rektor Christhard Gössling, Solo-Posaunist der Berliner Philharmoniker freut sich über den Ausbau und den guten Ruf der Hochschule: "Der Name Hanns Eisler wird in der Fachwelt immer weniger im Zusammenhang mit dem Namensgeber selbst, als mit der nach ihm benannten Einrichtung verbunden".

++++++ 23.05.2005 ++++++

Der Rundfunkchor mit Simon Halsey
Im Mai 1925 wurden die ersten Arbeitsverträge unterschrieben für ein Ensemble, das sich zunächst Chor der Berliner Funk-Stunde nannte. Dieses Datum gilt als offizieller Gründungsakt des Rundfunkchors Berlin, und so feiert er in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag. Chefdirigent Simon Halseys Vertrag wurde soeben bis 2011 verlängert. Zum Verdienst des Chors schreibt die Morgenpost "Es gibt international wohl keinen Chor, der die Berliner in Sachen Perfektion, Intonation, Expressivität und Klangsinn übertrifft. ... Das ist im wesentlichen Simon Halseys Werk, des vor vier Jahren aus Rattles Birminghamer Dunstkreis hereingewunkenen, quietschfidelen und enthusiastischen Chefdirigenten. Er hat den Chor, die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers Robin Gritton fortsetzend, in einen Klangkörper von geradezu luxurierender Farbigkeit verwandelt, in ein zugleich prachtvolles wie filigranes Wunderwerk der Stimmen."

++++++ 23.05.2005 ++++++

DSO sucht Chefdirigenten
Das dringlichste Problem des Deutschen Sinfonie-Orchesters ist es, einen Nachfolger für Kent Nagano zu finden, dessen letzte Saison als Chefdirigent im Herbst beginnt. Ashkenazy und Nagano, zuvor schon Riccardo Chailly, haben das Ensemble geprägt und einen neuen Typus von Orchestermusiker erzogen, sagt Andreas Lichtschlag, seit 30 Jahren Cellist im DSO. Das sei der Musiker, der nicht nur seine Stimme, sondern die ganze Partitur kenne, der in jedem Moment um seine Bedeutung im musikalischen Ganzen wisse, also der eigenverantwortlich denkende, partnerschaftlich handelnde Mensch. Einen autoritären Kapellmeister kann sich dieses Orchester als Chefdirigent nicht mehr vorstellen.

++++++ 30.03.2005 ++++++

Sanierung der Deutschen Oper
Die Deutsche Oper wird in diesem Sommer für einen einstelligen Millionenbetrag saniert. Das 1961 in Charlottenburg eröffnete Haus soll zunächst neue Fenster bekommen. Im kommenden Jahr ist dann die Erneuerung der Bühne einschließlich Orchesterpodium, Drehscheibe und Seitenbühnenwagen vorgesehen.

++++++ 20.03.2005 ++++++

Staatsoper: Sanierung soll 160 Millionen kosten
Berlins Kultursenator Thomas Flierl hat im Theaterausschuss des Abgeordnetenhauses die Summe von 160 Millionen Euro genannt, die benötigt werde, um die Staatsoper wieder fit zu machen. Seit Jahren klagen die Verantwortlichen, der Prunkbau stehe kurz vor der Schließung durch die
Baupolizei. Dennoch geht der Spielbetrieb ohne für die Zuschauer sichtbare Beeinträchtigungen weiter. Die genaue Höhe des Vorhabens hängt davon ab, ob neben der unverzichtbaren Erneuerung der Bühnentechnik und der Fundamente nach dem Wunsch der Opernmacher ein weiterer Rang und ein Dachterrassencafé realisiert werden. Nach der parlamentarischen Sommerpause wird Flierl Einzelheiten zur Finanzierung vorlegen.

++++++ 20.03.2005 ++++++

Opernzahlen 2004
Der erste Jahresabschluss der Opernstiftung verzeichnete einen geringen Rückgang der Auslastungszahlen an Berlins drei Opernhäuser von 62,7 Prozent im Jahre 2003 auf 62,1 Prozent 2004. Insgesamt wurden 665.361 Tickets verkauft, gut 400.000 mehr wären möglich gewesen.
Die drei verschieden große Opernhäuser haben allerdings mit verschiedenen Problemen zu kämpfen. Das Schlusslicht bildet die Komische Oper, wo Intendant Andreas Homoki einen "eindeutigen Aufwärtstrend" bei der Steigerung von 48,7 auf 52,7 Prozent sieht. Die Staatsoper bleibt Nummer eins, obwohl sie durch die Herausrechnung der Zuschauerzahlen für das Staatsballett Verluste erlitt (von 76,4 Prozent auf 72,8). Bei der Deutschen Oper stieg die Auslastung von 61,9 auf 64 Prozent.
Aber die Deutsche Oper Berlin hatte durchschnittlich 1194 zahlende Besucher bei insgesamt 1865 Sitzplätze, während die Deutsche Staatsoper Unter den Linden (insgesamt 1396 Sitzplätze) durchschnittlich nur 1016 zahlende Besucher allabendlich hatte.

++++++ 07.03.2005 ++++++

Philharmoniker bezahlt nach Leistung
Die Berliner Philharmoniker werden in Zukunft nach der wirtschaftlichen Entwicklung und Leistung ihrer Orchester-Stiftung bezahlt. Mit dem neuen Tarifvertrag, der zum Beginn der kommenden Saison in Kraft tritt, werde die nicht mehr zeitgemäße Bindung des Orchesters an das Beamtenrecht weitgehend aufgehoben, teilte Kultursenator Thomas Flierl (PDS) als Vorsitzender des Stiftungsrates mit. Mit der neuen Rechtsform kann das Orchester auch selbst Sponsorengelder einwerben.

++++++ 07.03.2005 ++++++

Schindhelm fängt an
Michael Schindhelm hat einen Vertrag mit einer Laufzeit von fünf Jahren unterschrieben. Am 1. April fängt er seine Doppeltätigkeit als Intendant in Basel (Vertrag bis Sommer 2006) und als Generaldirektor der Berliner Opernstiftung an. Bei einer Pressekonferenz sagte er, die Einsparungen an den Opernhäusern dürften "nicht zu einer Todesspirale führen. Wenn die Häuser so ausgemergelt werden, dass sie nicht mehr kreativ sein können und ihnen die Kraft fehlt, mehr Zuschauer zu gewinnen, sind sie zum Scheitern verurteilt." Ein Konzept für die Werkstätten fehlt ebenso wie ein Leiter der Bühnenservice GmbH.

++++++ 07.03.2005 ++++++

Neuigkeiten zu den Symphonikern
Die Berliner Symphoniker haben ihr Büro jetzt in dem Gebäude, in dem auch die Kultursenatsverwaltung residiert; eben jene Verwaltung, die am 1. September des vergangenen Jahres die Zuwendungen an das Orchester eingestellt hat. Hier sind Kartenschalter, Buchhaltung, Geschäftsführung untergebracht, hier kämpft das Orchester weiter um seine Existenz.
Unmittelbar nach dem Wegfall der Zuwendungen - er entsprach dem Verlust von 80 Prozent des Budgets - musste der Intendant Jochen Thärichen den Antrag auf Insolvenz stellen; am 1. Dezember wurde der Verein abgewickelt. Der neuer Geschäftsführer, der frühere Orchestervorstand Andreas Moritz, handelte mit den Musikern eine Übergangslösung aus: Sie melden sich arbeitslos und werden von Konzert zu Konzert auf Honorarbasis einzeln verpflichtet, müssen sich also beim Arbeitsamt jedesmal neu ab- und danach wieder anmelden.
Einige haben sich eine neue Tätigkeit gesucht, nicht immer im Musikgeschäft. Die Verbliebenen spielen für Honorare, die weit unter dem liegen, was ein Orchestermusiker verdienen sollte; ansonsten müssten die Karten um die 200 Euro kosten. Erschwerend kommt hinzu, dass man auch das musikpädagogische Programm nicht aufgeben will. Bis zum Beginn der nächsten Spielzeit muss der Geschäftsführer eine privatwirtschaftliche Finanzierung gefunden haben, sonst ist dieses Modell der Selbstausbeutung nicht länger tragbar.

++++++ 07.03.2005 ++++++

War Mozart ein Stadtrat aus München?
Nach der Präsentation eines bislang unbekannten Mozart-Portraits waren die Reaktionen euphorisch. Doch jetzt behauptet Münchens Stadtarchivar Richard Bauer: dargestellt sei gar nicht Mozart, sondern ein Stadtrat aus München. Rainer Michaelis, Oberkustos der Berliner Gemäldegalerie, wehrt sich gegen die Vorwürfe. "Seine Fakten sind ein Witz! Absoluter Blödsinn. Wir sind doch keine Laien. Wir haben das Bild geröntgt und untersucht. Es steht fest: Das Gemälde hat seinerzeit, also um 1790, der Münchner Johan Georg Edlinger gemalt. Von der Fachwelt wird das Gemälde anerkannt. Und jetzt kommt ein Münchner daher und meint: stimmt alles nicht. Unfug. Die Nasenhügel, die Augen, die Röntgenaufnahmen, die Zeit: alles passt. Bitte, alle Mozart-Experten sind sich einig - nur ein Münchner spricht vom Gegenteil. Der erklärt uns Preußen für dumm."

++++++ 23.02.2005 ++++++

Dirigent Marc Albrecht sagt nein
Der Dirigent Marc Albrecht, hoch gehandelt als Generalmusikdirektor und Nachfolger von Christian Thielemann an der Deutschen Oper Berlin, hat der Intendantin Kirsten Harms offiziell abgesagt. "Dort ist vor allem erst einmal Präsenz nötig. Die kann ich in den nächsten Jahren nicht so erbringen, wie sie erforderlich wäre, da ich ab der Saison 2006/07 das Orchestre Philharmonique in Straßburg übernehmen werde und darüber hinaus die nächsten drei Jahre bereits verplant sind." Ob der 41-Jährige, wie bisher, in Berlin weiterhin als Erster Gastdirigent arbeiten wird, ließ Albrecht offen.

++++++ 23.02.2005 ++++++

Sanierung der Berliner Staatsoper
Berlins Kultursenator Thomas Flierl hat erfreut auf die Forderung der Grünen reagiert, der Bund solle die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden aus dem Fonds "Entwicklungsmaßnahme Hauptstadt Berlin" finanzieren: "Das ist eine gute Idee, die der Senat auch schon hatte". Bislang beharrte die Bundesregierung auf dem Standpunkt, die inhaltliche Definition des Fonds ließe eine Finanzierung der Staatsopern-Renovierung nicht zu.

++++++ 23.02.2005 ++++++

Inbal verlängert um ein Jahr
Der Chefdirigent des Berliner Sinfonie-Orchesters, Eliahu Inbal, verlängert seinen Vertrag um ein Jahr. Der seit September 2001 tätige Dirigent werde seine Arbeit bis Ende August 2006 weiterführen, teilte die Kulturverwaltung mit. Mit Blick auf eine Fortsetzung der Arbeit des Orchesters über die Spielzeit 2006/2007 hinaus führe Kultursenator Thomas Flierl zur Zeit Gespräche über Inbals Nachfolge.

++++++ 23.02.2005 ++++++

Kinder oft Musik-Analphabeten
Immer mehr Kinder in Deutschland seien "musikalische Analphabeten", beklagt die Deutsche Orchestervereinigung. "Sie können nicht mehr richtig singen, geschweige denn ein Instrument spielen", sagt Geschäftsführer Gerald Mertens. Und er verwies auf neuere psychologische Untersuchungen, wonach die Offenheit für neue musikalische Eindrücke bei Kindern schon ab dem sechsten Lebensjahr abzunehmen beginnt, mit etwa zwölf Jahren sei der musikalische Geschmack verfestigt. Britische Orchester, sagte Mertens, hätten bereits die Konsequenzen gezogen und würden spezielle Programme und Ensembles für Kindergärten entwickeln. Deutsche Orchester hätten da noch vieles nachzuholen. Verantwortlich für diese Misere sei vor allem der Rückgang der Musikstunden an den Schulen. "Der Unterricht fällt zunehmend entweder ganz aus oder wird halbiert."

++++++ 05.02.2005 ++++++

Erste gemeinsame Rabattkarte der Berliner Opern
Die erste gemeinsame Vertriebsinitiative von "Oper in Berlin" ist eine überregional angebotene Janacek-Karte. Zum 150. Geburtstag des Komponisten geben die drei Berliner Opernhäuser von Januar bis Juni eine Rabattkarte aus. Wer Karten für drei Vorstellungen gekauft hat, erhält die Karte für die vierte Janacek-Vorstellung kostenlos. Das Publikum hat die Wahl zwischen 32 Vorstellungen der Janacek-Werke.

++++++ 05.02.2005 ++++++

Mozart-Porträt in Berlin
In der Berliner Gemäldegalerie ist ein bisher unbekanntes Mozart-Porträt entdeckt worden. Das 80 mal 62 cm große Ölgemälde von Johann Georg Edlinger ist wahrscheinlich während Mozarts letztem Aufenthalt in München 1790 entstanden. Es sei wohl das letzte authentische Porträt des 1791 gestorbenen Musikers, teilten die Staatlichen Museen zu Berlin mit.

Die jetzige Neubestimmung gelang dem Musikliebhaber Wolfgang Seiller durch eine gründliche Analyse unter Nutzung der Computertechnik. Der Informatiker aus Ottobrunn bei München, ein Nachfahre des Kunstmalers Edlinger, verglich anthropometrisch mit einem speziellen Computerprogramm die Gesichtszüge des Porträts mit dem letzten bekannten Porträt des Musikers.

Nach neuesten Forschungen starb Mozart 1791 nicht an der Syphilis oder infolge des Neids von Antonio Salieri. Mozart erlag einem Nierenbluten. Die vorangehende Quecksilberbehandlung sah man ihm schon Monate zuvor an. Sie ließ ihn leicht aufgeschwemmt erscheinen - wie auch auf diesem Porträt.

"Mit dem würde ich jederzeit ein Bier trinken", jubelt der deutsche Pianist Lars Vogt, der gerade Mozart-Sonaten spielt. Albrecht Mayer, Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker, findet die "Melancholie" des Bildes frappierend. "Daß Mozart angeeckt ist und in sich zerrissen war, sieht man. Das macht dies zu einem der menschlichsten Mozart-Porträts, die ich kenne." Hélène Grimaux, Pianistin, sagt, "So ein dickes Mopsgesicht! Aber die Augen sind definitiv Mozart. Die strahlen viel Neugier aus - und dieser spöttische Amadeus-Zug um den Mund. Doch, das ist er."
"Wer da gezeigt wird, weiß ich nicht", sagt Ulrich Konrad,
Mozart-Herausgeber und wissenschaftlicher Beirat des Mozarteums. Mozart sei 1,55 Meter groß gewesen, der Mann auf dem Bild erscheine deutlich größer.

++++++ 05.02.2005 ++++++

Rattle sprach mit The Guardian über seine ersten zwei Jahre mit den Philharmonikern
"Die Musiker sind sehr wortgewandt, sie sind sehr offen, sie sind sehr neugierig. Sie wollen immer wissen, warum wir etwas machen. Sie machen es nicht nur - sie sind kein gehorsames Orchester auf deren Weise, aber sie sind ein sehr kreatives Orchester. Sie sind nicht sonderlich leicht im Umgang, aber es macht viel Spaß. Große Temperamente, große Persönlichkeiten. Es ist schwer."

Beim Vergleichen des deutschen Orchesters mit seinen britischen Gegenstücken sagte Sir Simon, der das City of Birmingham Symphony Orchestra 18 Jahre lang dirigierte: "Es gibt was Wahres dran, dass britische Spieler viel flexibler sind und schneller sind und weniger festgefahrene Meinungen haben. Manche Sachen sind viel schwerer für deutsche Musiker. Aber was ich weiß, ist, wenn ich [Wagners] Prélude [vonTristan und Isolde] anfange, es gibt ein Gefühl von, 'Ach ja, jetzt sind wir zu Hause, dies ist unser Klang.' Und dieses erstaunliche Glühen entsteht, das man nicht an vielen Stellen findet."

Berlin "erinnert mich an Liverpool," sagt Sir Simon, der dort geboren und aufgewachsen ist. Er meint, dass die Berliner ein ähnliches Witz hätten: "Dass man einigermaßen direkt ist - man sagt genau, wo man gerade dran ist, aber es gibt einen groben warmen Humor, der einen richtig willkommen heißt."

++++++ 05.02.2005 ++++++

Mozarts Opernpartituren digitalisiert
Die in der Berliner Staatsbibliothek aufbewahrten Partituren der großen Opern Wolfgang Amadeus Mozarts sind digitalisiert worden. Dabei sei erstmals ein Spezialverfahren eingesetzt worden, das zu einer bisher unerreichten Detailgenauigkeit der Abbildungen geführt habe, teilte die Bibliothek mit. So konnten beispielsweise alle Strukturen der Schreibweise Mozarts genau erfasst werden. Mit der Digitalisierung der 1948 Seiten wurde der erste Schritt zur geplanten Faksimile-Edition getan.

++++++ 05.02.2005 ++++++

ROC Intendantin geht
Die Intendantin der Rundfunk-Orchester und Chöre GmbH (ROC), Bettina Pesch, verlässt im nächsten Jahr ihren Posten. Aus Gesellschafterkreisen verlautet, Pesch habe die ihr gesetzten Ziele erreicht: Sie habe die ROC finanziell konsolidiert, Rücklagen gebildet und diese vor den Begehrlichkeiten des Berliner Kultursenats bewahrt. Pesch selbst meinte, sie hätte noch Potenziale für ihre Arbeit gesehen: "Ich gebe gerne etwas ab, was fertig ist." Als Geschäftsführerin einer GmbH mit 328 Angestellten habe sie allerdings primär die ökonomischen Aspekte zu bedenken gehabt: "Ich bin keine künstlerische Intendantin und habe nie vorgegeben, eine werden zu wollen."
Endgültig gescheitert sein dürften die Pläne von Kultursenator Flierl zu einer "strategischen Allianz" zwischen ROC und dem Berliner Konzerthaus, von der viele befürchtet hatten, dass sie auf eine Orchesterfusion hinauslaufen würde: Sowohl in der ROC als auch im Berliner Senat sind Flierls Ideen abgelehnt worden.

++++++ 05.02.2005 ++++++

Auslastung bei der Deutschen Oper
Die Deutsche Oper verkündete, dass sich der positive Trend des Jahres 2004 auch im Dezember fortgesetzt habe. Das größte Berliner Opernhaus kann demnach im Advents- und Weihnachtsmonat eine Auslastung von 85,8 Prozent verzeichnen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag die Auslastung bei 77,8 Prozent.

++++++ 03.01.2005 ++++++

Spenden für Flutopfer
Die Wiener und die Berliner Philharmoniker haben ihre traditionellen Konzerte zum Jahreswechsel den Flutopfern in Südostasien gewidmet. Die Wiener Philharmoniker spendeten den Erlös eines der beiden Vorkonzerte zu ihrem Neujahrskonzert in Höhe von 115 000 Euro an die Weltgesundheitsorganisation WHO und verzichteten zum Ende ihrer Darbietung am 1. Januar auf den üblichen Radetzky-Marsch. Das Berliner Orchester stellte bei seinem Silvesterkonzert 50 000 Euro für die Flutopfer zur Verfügung. Beide Dirigenten, Lorin Maazel und Simon Rattle, riefen zugleich zu weiteren Spenden auf. Auch in den Konzerten des Deutschen Symphonie-Orchesters und des Rias-Kammerchors wurde gesammelt. Das Silvesterkonzert des Berliner Sinfonie-Orchesters begann mit einer Schweigeminute.

++++++ 03.01.2005 ++++++

Gute Aussichten für die Komische Oper
Jörg Königsdorf schrieb am 2. Februar im Tagesspiegel: "Nachdem der Neustart unter Andreas Homoki in den ersten anderthalb Jahren durch einige verunglückte Produktionen und eine entsprechend magere Platzauslastung abgebremst wurde, ist Berlins kleinstes Opernhaus plötzlich spürbar im Aufwind. Die kritischen Stimmen sind weitgehend verstummt, die musikalische Aufbauarbeit von Chefdirigent Kirill Petrenko wird weithin beachtet. ... Warum? Das Homoki-Haus hat es im Moment relativ leicht, in Berlin eine gute Figur zu machen: Die Staatsoper hatte mit ihren beiden ersten Saisonpremieren wenig Glück, während die Deutsche Oper derzeit noch durch den Kursschwenk ins Musiktheater der Sechzigerjahre paralysiert ist. ... Die Proteste bei der letzten Premiere, Puccinis Manon Lescaut, zeigten allerdings, dass Berlin eben doch nicht Wien ist - und dass historisches Ausstattungstheater für ein Publikum, dass immerhin zwei Jahrzehnte Götz Friedrich hinter sich hat, auch keine Lösung mehr ist. ... Berlins neuer Opernstiftungschef Michael Schindhelm hat zumindest ein Haus, um das er sich keine Sorgen machen muss."

++++++ 03.01.2005 ++++++

Schlechte Aussichten für Berufsmusiker
Die Aussichten für Berufsmusiker in Deutschland haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Immer mehr fertig ausgebildete Musiker finden nach einem Hochschulabschluss keine Festanstellung mehr, betonte der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung. In der Zeit von 1998 bis 2002 wurden altersbedingt nur noch 844 Stellen frei, in den kommenden drei Spielzeiten werden sogar nur noch 400 Stellen altersbedingt in deutschen Orchestern, Rundfunkchören und Big Bands frei. In Deutschland gibt es gegenwärtig 136 Kulturorchester mit 10220 Planstellen. Seit 1992 sind 32 Orchester durch Auflösung, Fusion oder Insolvenz abgebaut worden.

++++++ 28.12.2004 ++++++

Pianist Jeffrey Burns verstorben
Der im Mai 1950 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geborene Pianist Jeffrey Burns ist tot. 1972 kam Burns als DAAD-Stipendiat nach Deutschland, lehrte bis 1983 an der Universität Münster, bevor er nach Berlin zog. Er setzte sich intensiv für die Moderne ein, gab außerdem Computer-Kurse für Komponisten und leitete Meisterklassen in Rheinsberg.

++++++ 26.12.2004 ++++++

Schindhelm Generaldirektor der Opernstiftung
Der Ehrenrat hat eine Unbedenklichkeits-Erklärung zu Michael Schindhelm, dem zukünftigen Generaldirektor der Berliner Opernstiftung, ausgestellt. Dass das Berliner Gremium zu diesem Votum kommen würde, stand nicht fest. Gutachter in der Schweiz, die 2001 die Stasi-Akten durchguckten, waren vom Basler Theater-Verwaltungsrat benannt worden. Diesmal saßen Persönlichkeiten zusammen, die das DDR-System hautnah miterlebt hatten. Mit Lutz Rathenow gehörte dem Rat ein Schriftsteller an, über den Schindhelm in seiner Zeit als IM seinen Führungsoffizier schriftlich informierte.

Schindhelm hatte sich schriftlich zur Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit verpflichtet und unter anderem Berichte über Kommilitonen während seines Studiums in der Sowjetunion verfasst. Der Ehrenrat fasst zusammen: "Es ist kein reines Loblied, aber wir haben die Fakten berücksichtigt und sind in der Summe zu einem positiven Votum hinsichtlich einer Berufung für den Posten des Generaldirektors gekommen." Der Vertreter des Personalrats hatte etwas Vertrauen zum Kandidaten gefasst und sich trotz mehrfach geäußerter Bedenken im Vorfeld schließlich doch nur enthalten.

Die Stiftung befindet sich in einer Art Zwickmühle: Da betriebsbedingte Kündigungen bis 2009 ausgeschlossen sind, können sie nur durch Personalabbau richtig sparen. Wenn sie nicht genug Mitarbeiter finden, die zum Ausstieg bereit sind, rutscht die ganze Stiftung unweigerlich in den Konkurs. Wichtige Sachentscheidungen, etwa jene eines Standorts für die Werkstätten und die Gründung der vorgesehenen Service-GmbH, müssen bald getroffen werden. Die Zusammenlegung der Werkstätten, die den Löwenanteil der Synergieeffekte erbringen soll, wird Michael Schindhelm bestimmt lange beschäftigen. Ausgestattet mit der übersichtlichen Macht eines Bundespräsidenten, muss Schindhelm den Zusammenschluss nach außen als Zukunftsmodell verkaufen, bei offiziellen Anlässen die Trias würdig repräsentieren, Kontakte pflegen, Politiker umgarnen.

++++++ 26.12.2004 ++++++

Zuschauerzahlen bei den Opernhäusern
Im ersten Jahr der Opernstiftung sind die Zuschauer nicht mehr geworden, hat der Theaterausschuss des Abgeordnetenhauses angekündigt. Knapp 660 000 zahlende Besucher haben die drei Häuser in diesem Jahr, im Vorjahr waren es 667 000. Eingeplant waren 685 000, in den kommenden Jahren sollte die Zuschauerzahl sogar um bis zu 180 000 gesteigert werden. Damit fehlen der Stiftung 2,7 Millionen Euro, erklärte der kulturpolitische Sprecher der PDS.

Die Staatsoper kommt immerhin in den ersten neun Monaten dieses Jahres auf eine Auslastung von 76,5 Prozent - und erfüllt damit fast die selbst gesteckten Erwartungen. Ähnlich bei der Komischen Oper, allerdings auf deutlich niedrigerem Niveau mit 55 Prozent. Bei der Deutschen Oper klafft eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Im Schnitt waren knapp ein zwei Drittel aller Plätze belegt, aber im Wirtschaftsplan ging das Haus optimistisch von einer Auslastung von knapp 73 Prozent aus. Insgesamt blieben 258.000 Plätze unverkauft.

++++++ 26.12.2004 ++++++

Neugründung der Berliner Symphoniker
Die Berliner Symphoniker geben sich nach dem Ende der Förderung durch das Land Berlin nicht auf. Mit Beginn des Monats Dezember hat sich das Orchester neu gegründet, nun als gemeinnützige GmbH mit dem Nebentitel "Musikpädagogisches Zentrum". Neben der Konzerttätigkeit soll also auch mit der Arbeit an Schulen, mit der sich das Orchester schon einen Namen gemacht hat, Geld verdient werden. Sämtliche Musiker sind arbeitslos gemeldet und erhalten lediglich Honorare für die gespielten Konzerte. Jeweils danach melden sie sich wieder beim Arbeitsamt. Ab September 2005 hofft der Geschäftsführer, den Musikern wieder Arbeitsverträge anbieten zu können, allerdings zu Bedingungen, die unter den ihrerseits schon reduzierten Bedingungen der letzten Jahre liegen. Die angestrebte Orchesterstärke wird mit 55 angegeben, einschließlich fester Aushilfen. Die Verwaltung soll noch weiter verkleinert werden; der bisherige Intendant, Jochen Thärichen, führt sein Amt nicht weiter. Eine grundlegende Einnahmequelle soll das Sponsoring werden: Die Symphoniker bieten an, einzelne Konzerte oder Reihen (wie die erfolgreichen Familienkonzerte) an Investoren zu verkaufen.

++++++ 26.12.2004 ++++++

Zukunft der Künstlersozialkasse?
Die Künstlersozialkasse, eine weltweit einmalige und sehr deutsche Angelegenheit, wurde 1982 zur finanziellen Grundsicherung freiberuflicher Künstler gegründet, noch in den fetten Jahren der Bundesrepublik. Sie ist ihrem Wesen nach ein Geschenk: Freiberufliche Künstler und Publizisten müssen als Mitglieder nur die Hälfte ihrer Kranken- und Rentenversicherung zahlen, die andere Hälfte übernimmt die Künstlersozialkasse. Diese funktioniert also ähnlich wie ein Arbeitgeber, der die Beiträge für seine Angestellten mitträgt. Gegenüber freiberuflichen Klempnern und Schornsteinfegern ist das ein Privileg: Der Staat bewahrt die Künstler vor sozialer Härte, wie er bis heute viele Formen von Kunst vor dem Markt schützt.

18 Jahre lang funktionierte das System, dann griff der Staat ein und verfügte einseitig eine Veränderung. Bis dahin war gesetzlich genau festgelegt, wer welchen Anteil für die Künstlersozialkasse zu leisten hatte: 50 Prozent zahlen die Künstler, 25 Prozent die Verwerter und die restlichen 25 Prozent übernimmt der Staat. Verwerter sind Galeristen, Verlage, Plattenfirmen, Opernhäuser und Konzertveranstalter, also Institutionen, die mit Künstlern eng verbunden sind und von ihnen leben.

Das KSK ist sehr gewachsen: 12.000 Künstler waren 1983 hier versichert, 102.000 vor fünf Jahren, heute sind es 130.000. Das hat vor allem damit zu tun, dass Unternehmen, insbesondere Zeitungen und Verlage, ihre Mitarbeiter in die Selbstständigkeit entlassen, um Sozialabgaben zu sparen. Wenn gerade diese Verwerter jetzt gegen die vergleichsweise geringe Erhöhung der Künstlersozialabgabe (von 4.3 auf 5.8%) protestieren, hat das auch etwas Groteskes.

Würden etwa Konzertveranstalter, Galeristen und Verleger davon profitieren, wenn 130.000 Künstlern in Deutschland das soziale Netz entzogen würde? Es dürften zigtausend sein, die dann in den Sozialhilfestatus abrutschen würden. Schon jetzt haben Künstler nach den Statistiken der KSK ein durchschnittliches Einkommen von nur 11.000 Euro - pro Jahr. Selbst wenn manches nach unten geschummelt wurde, ist das lächerlich gegenüber dem Pro-Kopf-Einkommen der Gesamtbevölkerung, das bei 24.500 Euro liegt.

++++++ 26.12.2004 ++++++

Carnegie Hall lädt Philharmoniker ein
Die Berliner Philharmoniker werden mit der New Yorker Carnegie Hall enger zusammenarbeiten. Sie wurden als erstes Orchester für das neue "Orchestra Residency Project" ausgewählt, mit dem Orchester ab dem Jahr 2007 fester an die amerikanische Konzerthalle und die Stadt gebunden werden sollen. In jeder Konzertsaison sollen die eingeladenen Musiker über einen bestimmten Zeitraum nicht nur in der Carnegie Hall, sondern auch außerhalb der traditionsreichen Konzerthalle auftreten und am musikalischen Bildungsprogramm für junge Menschen teilnehmen.

++++++ 22.11.2004 ++++++

Oper bei Jugendlichen nicht hoch im Kurs
Klassische Kulturangebote haben es bei Jugendlichen schwer. Wie das in Berlin vorgestellte "Jugend-Kulturbarometer 2004" ergab, waren nur acht Prozent der Befragten häufiger in klassischen Konzerten und sechs Prozent in der Oper. Mehr Interesse haben Jugendliche demnach an Kunstschauen und Design. 52 Prozent gaben an, im vergangenen Jahr mehrfach Ausstellungen besucht zu haben. Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung befragte das Zentrum für Kulturforschung insgesamt mehr als 2500 Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren.

++++++ 22.11.2004 ++++++

Mussbach und die Lindenoper
Peter Mussbachs 2007 auslaufender Vertrag steht bald zur Nachverhandlung an. Dem Vernehmen nach soll Mussbach nicht mehr sonderliche Lust haben, Intendant bleiben zu wollen. Im Haus beklagen immer mehr frustrierte Mitarbeiter die mangelnde Motivation ihres Chefs. Mit Daniel Barenboim ist dieses Jahr keine Produktion geplant, lieber inszeniert Mussbach mit Kent Nagano in Berlin, München und Dresden.

++++++ 22.11.2004 ++++++

Eröffnung des Holocaust-Mahnmals
Die Feiern zur Eröffnung des Holocaust-Mahnmals in Berlin beginnen am 9. Mai 2005 mit einem Festkonzert der Jungen Deutschen Philharmonie in der Philharmonie. Auf dem Programm stehen unter anderem Schönbergs Ein Überlebender aus Warschau und die Uraufführung von Wolfgang Rihms Requiem Bruchstücke.

++++++ 22.11.2004 ++++++

Neues zu den Berliner Symphonikern
Da der Trägerverein die Musikergehälter nicht mehr bezahlen kann, musste er Konkurs anmelden. Allen wurde zum Ende der Saison gekündigt. Es gibt noch 42 Symphoniker. Die Insolvenzverwalter haben das Sagen.
Mit Marketingaktionen haben die Symphoniker bereits Erfahrungen gemacht. Mit Inline-Skating, Wohltätigkeitsessen und Family-Konzerten, so hatte im Mai der amerikanische Unternehmensberater Frederick Metz Shepperd angekündigt, könne man den Symphoniker finanziell aufhelfen. Die Aktionen fanden nie statt, derweil Shepperd Vorauszahlungen aus dem Subventionstopf forderte. "Es wäre ohnehin ein falsches Signal gewesen", meint Thärichen heute, "denn von Sponsoring allein kann in Berlin kein Orchester überleben. Man muss immer gegen subventionierte Orchester anspielen."

++++++ 22.11.2004 ++++++

Neuigkeiten von der Opernstiftung
Der Personalrat der Berliner Opernstiftung hat sich gegen eine Berufung des Stasi-belasteten Michael Schindhelm zum Generaldirektor ausgesprochen. Dies wäre eine Zumutung für alle Mitarbeiter, heißt es in einem Brief an die Intendanten der Staatsoper Unter den Linden, der Komischen Oper und der Deutschen Oper. Schindhelm habe sich erst nach Gerüchten über seine Aktivitäten als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der DDR-Staatssicherheit und kurz bevor die Gauck-Behörde die entsprechenden Dokumente übergeben habe an die Öffentlichkeit begeben. Dieses Verhalten sei "typisch für Menschen, die als Diener des DDR-Systems tätig waren", so der Personalrat. Die Spitze der mittlerweile bundesweit beachteten "Stiftung Oper in Berlin" könne nur mit einer seriösen und vertrauenswürdigen Person besetzt werden. Dies träfe auf Schindhelm nicht zu.
Der von Kultursenator Flierl berufene Ehrenrat über die Stasi-Kontakte des Basler Intendanten Michael Schindhelm ist erstmals zusammengekommen. Dem Gremium gehören die früheren DDR-Bürgerrechtler Ulrike Poppe und Wolfgang Templin, der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Walter Momper, sowie der Schriftsteller Lutz Rathenow an, teilte die Kulturverwaltung mit. Der Ehrenrat werde Dokumente der Stasi-Unterlagenbehörde einsehen und dem Stiftungsrat sowie der Öffentlichkeit ihre Erkenntnisse mitteilen. Bis dahin sei Stillschweigen vereinbart, hieß es.
Für einen Neuanfang bei der Suche nach einem Kandidaten für den Posten der Berliner Opernstiftung hat sich nach dem Personalrat auch die SPD-Fraktion ausgesprochen. Die kulturpolitische Sprecherin Brigitte Lange forderte, dass das "Verfahren neu aufgerollt werden muss".

++++++ 08.11.2004 ++++++

Berliner Symphoniker bei der Deutschen Oper
Wenn sich am 11., 15. und 18. November in der Deutschen Oper Berlin der Vorhang zu Gioacchino Rossinis Semiramide hebt, werden nicht die Musiker des Hauses im Graben sitzen, sondern die Berliner Symphoniker. Das Orchester der Deutschen Oper befindet sich zu diesem Zeitpunkt auf Europatournee mit ihrem ehemaligen Chefdirigenten Christian Thielemann. Um ihre bisher einzige Inszenierung an der Deutschen Oper wie geplant zeigen zu können, hat die neue Intendantin Kirsten Harms kurzerhand die Berliner Symphoniker engagiert, denen jüngst vom Berliner Senat sämtliche Subventionen entzogen wurden.

++++++ 08.11.2004 ++++++

Generaldirektor der Opernstiftung
Michael Schindhelm wird dem Stiftungsrat der Opernstiftung als kommender Generaldirektor vorgeschlagen.

In der Schweiz hat der studierte Quantenchemiker sich neben der Theaterarbeit als Generalintendant des Basler Theaters als Leiter einer Talkshow etabliert. "Schindhelm beherrscht die Kunst, zu reden. Das ist für das Amt des Generaldirektors der Berliner Opernstiftung, des künftig bedeutendsten an deutschsprachigen Musiktheatern, gewiss ein Vorteil." (Berliner Zeitung) "Er gilt als brennend ehrgeizig, verfügt über intellektuelle wie künstlerische Kapazitäten, und er hat in der Schweiz mit allerlei gewerkschaftsfernen Organisationsformen gute Erfahrungen gemacht. Man bedenke: Es ist stiftungsseits in den nächsten Jahren ein gewaltiges Sparpotenzial zu erwirtschaften, die Orchestertarifverträge harren ihrer Überarbeitung, etc. Hier muss einer nicht nur gut rechnen können, sondern vor allem vermitteln, wofür er rechnet." (Tagesspiegel)

Die in der Stiftung vereinigten Opern werden, ausgehend von einem Jahreszuschuss von 113,6 Millionen Euro im vergangenen Jahr, mit nur noch knapp 97 Millionen im Jahr 2009 auskommen müssen, bei steigendem Kostenniveau. Gelingt es nicht, die eigenen Einnahmen zu steigern, entsteht bereits ab der Spielzeit 2006/7 ein Defizit.

Allerdings: Schindhelm hat sich am 15. März 1984 als Informeller Mitarbeiter der Staatssicherheit der DDR verpflichtet. . Und viele Mitarbeiter der Berliner Verwaltung, auch der Staatsoper und der Komischen Oper, sind nach rigorosen Überprüfungen Anfang der neunziger Jahre wegen einer Tätigkeit als IM entlassen worden. Diese "Episode" in Schindhelms Leben verdient es, genau in Betracht gezogen zu werden. Nach Aussage der Berliner Zeitung: "Die Persönlichkeitsanalyse der Geheimdienstler empfähle Schindhelm geradezu für das Amt in Berlin. Sie lobt sein 'ausnehmend intelligentes und begabtes' Wesen, 'seine vielfältigen Kontakte und sein ständiges Bemühen, interessante Kontakte zu knüpfen' und fährt fort, 'der Kandidat ist bemerkenswert sprachbegabt und versteht es, gewinnend und treffend zu argumentieren'."

Der Stiftungsrat hat die Entscheidung für einen Operndirektor vertagt. "Er will kein Abnickgremium sein, sondern sich einbringen und einmischen." (Morgenpost)

++++++ 31.10.2004 ++++++

Ehrenmitgliedschaft für Bernard Haitink
Die Berliner Philharmoniker haben dem Dirigenten Bernard Haitink die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Am 12. März 1964 stand er mit Werken von Beethoven zum ersten Mal am Pult der Berliner Philharmoniker. Allein in Berlin hat er die Philharmoniker fast 130-mal dirigiert, hinzu kommen Konzerte auf verschiedenen Reisen.
Bernard Haitink zeigte sich sehr erfreut über die hohe Auszeichnung. Es sei für ihn eine große Ehre, Ehrenmitglied der Philharmoniker geworden zu sein, und die Auszeichnung habe eine ganz besondere Bedeutung, weil sie von den Musikern selbst komme. In einem vor wenigen Tagen veröffent-lichten Gespräch mit Andrew Clark bekannte Haitink: "Ich genieße den Luxus, Gast der Berliner Philharmoniker zu sein. Ich weiß, sie können recht schwierig sein, aber wenn sie einmal auf dem Podium sitzen, dann spielen sie sich ihre Seele aus dem Leib..."

++++++ 29.10.2004 ++++++

Die Zukunft des Staatsballet
Seit dieser Spielzeit tanzt das Staatsballett an zwei Häusern: in der Staatsoper, wo das Ballett in der letzten Saison eine Auslastung von 90 Prozent erreichte, und in der Deutschen Oper, wo die Auslastung nur 30 Prozent betrug. Die ersten Ballettvorstellungen dieser Saison waren in der Staatsoper ausverkauft, in der Deutschen Oper waren nur 30 Prozent der Plätze besetzt.
Die Berliner Zeitung interviewte Georg Vierthaler: "Das Ballett hängt bei allen Dienstleistungen von den Opernhäusern ab. Es hat keine eigenen Techniker, keine Tischler, keine Musiker, es ist ganz und gar mit den Opernhäusern verzahnt, und die Häuser müssen mit ihrem ganzen Know How das Staatsballett unterstützen. Das Miteinander ist notwendig."
Der Tagesspiegel zum Thema: "Schwarz und Flickwerk - sehen so Anfänge, Aufbrüche aus? Das neue Staatsballett müsste sich neu positionieren, als unabhängige Kraft durchstarten, vor allem ein wirkliches Konzept für die Deutsche Oper als zweite Spielstätte entwickeln. Doch stattdessen verloren sich dort wieder in Preljocajs exquisitem Le Parc' nur ein paar hundert Enthusiasten, die Auslastung dümpelt weiter bei 30 Prozent. Nirgends in der Stadt sieht man Plakate, kein Marketingkonzept ist zu erkennen."

++++++ 29.10.2004 ++++++

Interview mit Kirsten Harms
Die Berliner Morgenpost sprach mit Kirsten Harms, Intendantin der Deutschen Oper Berlin
Gefragt nach ihrem Modell für ein Profil für die Deutsche Oper, beantwortet sie: "Mir geht es um Spielpläne, die neben dem großen Repertoire Raritäten enthalten. Aber es wird keinen Barockschwerpunkt oder Ähnliches geben, wofür die anderen Häuser besser geeignet sind. Dafür wird es Wagner und Strauss, Verdi und Puccini geben. Darüber hinaus findet die Profilierung dadurch statt, wie wir die Stücke in verständlicher, genauer Regiesprache nacherzählen."
Zum Orchester der Deutschen Oper sagt sie: "Es geht darum, die Abwanderung von guten Musikern zu verhindern. Dazu brauchen wir aber die politische Bereitschaft."
Und zur gewünschten "Tonalität" an ihrem Opernhaus: "Also ich mag kein Sex und Crime auf die Bühne bringen, weil mir dabei der konstruktive Ansatz fehlt. Ich sehe solche Dinge zwar in der Gesellschaft, aber das nochmalige Vorführen als Abschreckung reicht mir nicht als Ansatz. Mich interessiert eine andere Kultur des Umgangs miteinander. Immer wird alles niedergemacht, kritisiert, gemobbt, einverleibt. Ich glaube aber, dass Menschen, um sich wohl zu fühlen, etwas ganz anderes brauchen: Respekt und das Gefühl der Dazugehörigkeit."

++++++ 29.10.2004 ++++++

Christian Thielemann warnt vor Kulturabbau
Der neue Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker, Christian Thielemann, hat vor weiteren Einsparungen im Kulturbereich gewarnt. Damit vergehe man sich an der nachfolgenden Generation, so Thielemann. Er zeigte sich schockiert darüber, dass der Bayerische Rundfunk sein Rundfunkorchester abwickeln will. Die Signalwirkung sei fatal. Gleichzeitig sprach sich Thielemann für mehr Sponsoring aus: "Ich fände das sehr, sehr schön. Man kann nicht alles vom Staat verlangen."

++++++ 29.10.2004 ++++++

Kultur als Staatsziel im Grundgesetz
Nach Auffassung der Enquete-Kommission des Bundestages "Kultur in Deutschland" soll die Kultur als Staatsziel im Grundgesetz verankert werden. Darauf verständigten sich jetzt die kulturpolitischen Parlamentarier. Kulturstaatsministerin Weiss begrüßte das Votum: "Die Kulturnation Deutschland braucht für ihr Selbstverständnis ein verbrieftes Bekenntnis zu den gemeinsamen Wurzeln und Werten."
Die Intendantin des Weimarer Kunstfestes, Nike Wagner, hat sich auch dafür ausgesprochen. Die einmalige Kulturlandschaft in Deutschland und Europa sei nur zu erhalten, wenn Kulturförderung einklagbar wäre, sagte Wagner. Dabei gehe es ihr nicht darum, besonders viel Geld für Kultur auszugeben. Auch Einsparungen seien möglich. Wagner warnte vor einer Kulturförderung nach dem Gießkannen-Prinzip. Dagegen könnten durch eine Förderung nach dem Leuchtturm-Prinzip zumindest einzelne attraktive Punkte erhalten und gestaltet werden.

++++++ 29.10.2004 ++++++

Benefiz für Berliner Symphoniker
Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin gibt am 18. November ein Benefizkonzert für die Berliner Symphoniker, die seit September keine Zuwendungen mehr vom Senat erhalten. DSO-Chefdirigent Kent Nagano präsentiert Werke von Bach und Beethoven. Solist ist der Pianist Olli Mustonen. Die Einnahmen sollen in voller Höhe den Symphonikern zu Gute kommen.

++++++ 12.10.2004 ++++++

Philharmoniker werben für WM
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat die Berliner Philharmoniker zu kulturellen Botschaftern für die Fußballweltmeisterschaft 2006 ernannt. Bei Auftritten im In- und Ausland soll das Ensemble vor allem Werbung für die WM-Begegnungen machen, die in der Hauptstadt stattfinden, sagte Wowereit.

++++++ 12.10.2004 ++++++

Kulturverwaltung komplettiert sich
Ab Januar wird die Berliner Kulturverwaltung unter Senator Thomas Flierl wieder einen Abteilungsleiter Kultur haben: Volker Heller (45), derzeit Geschäftsführer der Kulturmanagement GmbH Bremen. Seit September 2003 ist die Stelle unbesetzt, und die Suche nach einem Nachfolger hatte sich offensichtlich sehr schwierig gestaltet. Das erste Findungsverfahren, das die höchst besoldete Stelle eines Beamten der Verwaltung ausschrieb, blieb erfolglos und musste wiederholt werden. Flierl hatte monatelang weder eine Staatssekretärin noch einen Abteilungsleiter. Volker Heller studierte Musik und Kulturmanagement, arbeitete als Musiker, Komponist, Kulturreferent und Unternehmensberater.

++++++ 12.10.2004 ++++++

Simon Rattle erhält den Comenius-Preis
Der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Sir Simon Rattle, erhält den mit 25 000 Euro dotierten Comenius-Preis. Damit wird er für sein «beispielhaftes und leidenschaftliches Engagement, mit dem er jungen Menschen kulturelle Bildung vermittelt», geehrt.

++++++ 06.10.2004 ++++++

Ausstellung zu Wolfgang Stresemann
Berlins Philharmoniker begingen den 100. Geburtstag ihres Intendanten Wolfgang Stresemann durch eine Feier am Berliner Marathon-Sonntag und eine Ausstellung, die bis zum 5. Dezember im Foyer der Philharmonie zu sehen sein wird: Dokumente über den gebürtigen Dresdner, Briefe unterzeichnet von Walter, Böhm, Serkin, Carlo Maria und Daniel.

++++++ 06.10.2004 ++++++

Das Publikum des BSO
Noch immer besteht das Publikum der Konzerte des Berliner Sinfonie-Orchesters zu über 80 Prozent aus Bewohnern des Ostteils der Stadt mit einem Durchschnittsalter von 58 Jahren. Das ist auffällig, weil das übrige Angebot des Konzerthauses auch von den Bewohnern des Westteils angenommen wird: Hier liegt das Verhältnis West zu Ost bei 60 zu 40 Prozent.

++++++ 06.10.2004 ++++++

Wiederaufbau des Konzerthauses
Über 30 Jahre lang lag das Konzerthaus am Gendarmenmarkt, eines der Hauptwerke Karl Friedrich Schinkels, in Trümmern. In diesem Haus war einst Webers Freischütz uraufgeführt worden. Hier hatte Wagner seinen Fliegenden Holländer den Berlinern vorstellt, hier war schließlich Gustaf Gründgens Intendant, bis das Haus im letzten Kriegsjahr zerstört wurde und wie havariert zwischen den beiden Domen brütete. Über dreißig Jahre vergingen, dann ließ die Staatsführung der DDR von 1979 bis 1984 im Vorfeld der 750-Jahr-Feier das Haus wieder aufbauen. Anfang Oktober 2004 feierte man das 20-jährige Jubiläum dieses Wiederaufbaus.

Kritisch äußert sich Der Tagesspiegel zu den architektonischen Ergebnissen: "In die klassizistische Hülle wurden neue Räumlichkeiten im Retrolook eingepasst; so gut es mit den vorhandenen Ressourcen eben ging. ... misslungene Wandgemälde, auf denen die schaumgeborene Venus aussieht wie die Protagonistin aus einem sozialistischen Softporno und sich im pastellfarbenen Arkadien Nymphen und Faune mit Arbeiter- und Bauernphysiognomie tummeln."

Aber die Besetzung des Intendantenpostens des Konzerthauses mit dem Musikwissenschaftler Frank Schneider wird einstimmig gelobt: "eine der wenigen glücklichen Besetzungen im Berliner Musikleben". Schneider und sein Team halten an "dem Vergessenen, dem Unbekannten, dem Zeitgenössischen" fest und lassen den Saal nicht zur Kulisse für Events verkommen.

++++++ 20.09.2004 ++++++

Klarinettisten gesucht
Die Berliner Philharmoniker laden Klarinettisten - professionelle und Laienmusiker - aus ganz Berlin ein, sich zu einem großen Klarinettenorchester zu formieren und beim diesjährigen Tag der Musik am 17. Oktober in der Philharmonie aufzutreten.
Interessenten, die die Klarinette gut beherrschen, werden gebeten, sich schriftlich oder per e-mail zu bewerben beim Künstlerischen Betriebsbüro der Berliner Philharmoniker, Herbert-von-Karajan-Straße 1, 10785 Berlin, kb@berliner-philharmoniker.de. Ein formloses Schreiben mit biographischen Daten und Angaben über die klarinettistischen Fähigkeiten der Bewerber ist ausreichend. Gesucht werden auch Bass- und Kontrabassklarinettisten sowie Bassetthornspieler.
Die Noten der aufzuführenden Werke, die momentan noch nicht feststehen, werden rechtzeitig versandt. Die Interessenten sollten sich folgende Termine reservieren: 15. Oktober, 16-19 Uhr, Probe in der Philharmonie, 17. Oktober, 13-14 Uhr Anspielprobe, 14:30 Uhr Aufführung.

++++++ 18.09.2004 ++++++

Kent Nagano steckt zurück
Zur gleichen Zeit als Kent Nagano, derzeit Chefdirigent von Berlins Deutsche Symphonie-Orchester, einen Vertrag als musikalischen Leiter der Los Angeles Opera unterzeichnete, nahm er die selbe Rolle bei der Bayerischen Staatsoper an - und sie beinhielt eine Ausschließlichkeitsklausel. Er hat soeben angekündigt, dass er die L.A. Oper am Ende der 2005-2006 Saison verlassen wird. "Ich bin sehr traurig, dass die Umstände es mir nicht ermöglichen, in Los Angeles zu verlängern. Ich habe das Gefühl, dass die Sachen gerade zusammenkommen und dass die Oper richtig anfängt, sich hier zu verwurzeln und jetzt schon sehr, sehr raffiniert geworden ist."

++++++ 15.09.2004 ++++++

Einbrüche bei Konzertbesucherzahlen
Die Einbrüche bei Klassik-Veranstaltungen hielten an, so der Präsident des Verbandes der Deutschen Konzertdirektionen (VDKD), Michael Russ. In diesem Segment seien die Besucherzahlen in den vergangenen drei Jahren zwischen 12 und 15 Prozent zurückgegangen.

++++++ 15.09.2004 ++++++

Kent Nagano in der Morgenpost
Die Berliner Morgenpost fragte Kent Nagano, ob er für ihn ein Ritual gibt, wenn er ein Orchester übernimmt.

"Auf jeden Fall. Ich mache drei Sachen zum Anfang. Zunächst nehme ich mir ein, zwei Jahre vorher Zeit, um die Geschichte des Orchester zu recherchieren. Jedes Orchester hat sein eigenes Wesen. Wir glauben immer, Tradition ist das, woran wir uns 20, 30 Jahre zurück erinnern können. Aber es ist mehr. Die Tradition des Deutschen Symphonie-Orchesters reicht für mich viel länger als bis 1946 zurück, als es offiziell als RIAS-Symphonie-Orchesters kreiert wurde. Da waren auch Musiker der Staatskapelle darunter. Und sofort muss man in viel größeren Zeiträumen denken. Zweitens versuche ich die Sprache des Orchesters, des Hauses zu lernen. Ich würde niemals erwarten, dass die Musiker meine Sprachen sprechen müssen. Wenn mich jetzt jemand fragt, wo ich deutsch gelernt habe, kann ich sagen: beim Deutschen Symphonie-Orchester. Ich habe 114 wunderbare Lehrer. Sie korrigieren mich immer gern (lacht). Drittens lerne ich vorher alle Namen der Musiker auswendig."

++++++ 15.09.2004 ++++++

Rattle: Philharmoniker nicht gefährdet
Als Antwort auf die Frage "Können Sie sich vorstellen, dass die Berliner Philharmoniker eines Tages unbezahlbar werden?", antwortete Simon Rattle, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, am Montag in einem Spiegel-Interview, "man muss sich leider auch das schlimmste Szenario ausmalen". Gegenüber dem Tagesspiegel betonte der britische Dirigent, er habe damit keineswegs eine akute Bedrohung benennen wollen. Dennoch könne sich kein Künstler einer ewigen Förderung sicher sein: "Hätte ich gesagt, wir werden garantiert immer unterstützt, wäre die erste Reaktion gewesen: Die Philharmoniker sind aber arrogant!"
Aus Anlaß der Eröffnung des Films Rhythm is it! zum pädagogischen Projekt mit 250 Schülern zu Le sacre du printemps schreibt die Berliner Zeitung hierzu: "Nun hat Simon Rattle die musikerzieherische Jugendarbeit in Berlin nicht erfunden. Das Konzerthaus veranstaltet seit Jahren eigene Konzerte und Workshops für Kinder; die Staatsoper Unter den Linden leistet sich ebenfalls seit drei Jahren mit Rainer O. Brinkmann einen fähigen und engagierten Musiktheaterpädagogen. Vor allem haben die Berliner Symphoniker mit über 200 Schuleinsätzen pro Jahr in Berlin pädagogische Kärrnerarbeit geleistet. Gewürdigt worden ist diese Arbeit bislang durch keinen Film, durch keinen Preis, sondern durch Einstellung der Senatssubventionen an die Symphoniker mit Beginn dieser Spielzeit. … Sich jetzt hinzustellen und über eine gar nicht existente Bedrohung seines Orchesters zu jammern, das vom Staat und von der Wirtschaft mit Geld gestopft wird wie eine Weihnachtsgans, ist schlicht obszön."

++++++ 11.09.2004 ++++++

Harms und Vierthaler vor Kulturausschuss
Die neue Intendantin der Deutschen Oper, Kirsten Harms, beschrieb ihre Vision des Hauses bei ihrem ersten Auftritt vor dem Kulturausschuss des Berliner Senats. Die Tradition der Deutschen Oper, sich an ein fachkundiges Publikum zu wenden, wolle sie weiterführen, insbesondere mit Regisseuren, die fundiert arbeiteten und "eine Ahnung von der Oper" hätten. Dabei lege sie Wert auf das "Erzählen von Geschichten auf nachvollziehbare Art." Im Vergleich zum Regie- und Eventtheater an den beiden anderen Opernhäusern, setzt sie auf "Authentizität", "Ernsthaftigkeit" und auf "Regisseure, die ihr Handwerk gelernt" haben. Von "Regieexperimenten" grenze sie ihr neues Haus ab. Konglomerate modernistischer Ideen wie in den Inszenierungen der Filmregisseurin Doris Dörrie [Turandot und Così fan tutte an der Staatsoper] seien bei ihrem Haus fehl am Platze. Sie wolle einen Schwerpunkt auf Wiederentdeckungen und Wiederbelebungen, namentlich von Opern vom Beginn des 20. Jahrhunderts legen.

Um die Sparvorgaben des Senats erfüllen zu können, sieht sie nur zwei Möglichkeiten: Entweder Synergien, die man sich vor allem von der Zusammenlegung der Werkstätten erhofft, oder höhere Verkaufserlöse. Georg Vierthaler, kommissarischer Leiter der Opernstiftung, verdeutlichte, dass die Stiftung finanziell mittelfristig nur über die Runden komme, wenn die Zuschauerzahlen um "20 bis 25 Prozent gesteigert werden". Er sprach von "höheren Erlösen pro Zuschauer" - und kündigte damit dezent Preiserhöhungen an. Außerdem berichtete er: Die drei Opern und das Ballett arbeiteten als selbständige Einheiten, es gebe ein überregionales Marketingkonzept, rund 7,5 Millionen Euro Personalkosten seien eingespart, die Stiftungssatzung sei im Entwurf erstellt, der Stiftungsrat besetzt.

Die Oppositionsparteien CDU, Grüne und FDP fragten dagegen vor allem nach den Defiziten: So sei noch kein Zuwendungsvertrag mit dem Land Berlin geschlossen, die Rechte der übernommenen Beschäftigten seien nicht geklärt, die Stellen des Generaldirektors und des Geschäftsführers der zu gründenden Service-GmbH seien unbesetzt. Außerdem gebe es für die zu Einsparungszwecken wichtige Neuordnung der Werkstätten noch kein Konzept, für ihre Zentralisierung keinen Ort.

++++++ 11.09.2004 ++++++

Thielemann lässt nicht ganz los
Die Deutsche Oper verkündet, Thielemann wird als Gast die Strauss-Festtage 2005 dirigieren. Sein Teil besteht aus dem 3. Sinfoniekonzert am 30. Januar, fünf Vorstellungen des Rosenkavaliers, einmal Frau ohne Schatten und zweimal Daphne. Dazu kommen eine Europa-Tournee im November und Dezember sowie die Aids-Gala am 13. November.

++++++ 11.09.2004 ++++++

Quasthoff statt Bartoli
Die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli hat ihren Liederabend in der Philharmonie am 22. März 2005 aus "dispositionellen Gründen" abgesagt. Dafür werde am gleichen Tag im Rahmen der Festtage der Staatsoper Unter den Linden Bassbariton Thomas Quasthoff unter Begleitung von Daniel Barenboim am Klavier Schuberts Winterreise singen.

++++++ 11.09.2004 ++++++

Berliner Musikpersönlichkeiten bei "Echo-Klassik"
Als "Sänger des Jahres" erhalten die russische Sopranistin Anna Netrebko und der Bassbariton Thomas Quasthoff (ab Oktober 2004 Gesangsprofessur an der Hanns-Eisler-Hochschule) den "Echo-Klassik" 2004. Weitere Preise gehen an den Komponisten György Ligeti und an den Dirigenten Sir Simon Rattle (Chefdirigent der Berliner Philharmoniker).

++++++ 01.09.2004 ++++++

Eine Antwort auf Senator Flierls Thesenpapier
Das Forum Zukunft Kultur - bestehend aus Nele Hertling (Ex-Intendantin Hebbel-Theater), Volker Hassemer (Ex-Kultursenator), Peter Raue (Anwalt und Vorsitzender des Vereins der Freunde der Nationalgalerie) und Jürgen Schitthelm (Direktor der Schaubühne) reagieren auf das von Kultursenator Thomas Flierl vorgelegte Papier:
"Der Senat muss festlegen, wie wichtig ihm Kultur für seine gesamtstädtische Zukunftsstrategie ist. Was er mit der Kultur und von der Kultur für die Stadt will. Erst davon kann man ihre Aufgaben ableiten. Kultur (in einem breiten Verständnis, Wissenschaft einbeziehend) ist nicht irgendeine, es ist die Basisressource Berlins. Wir vertreten die Auffassung, dass Berlin Kultur und Wissenschaft als die Grundcharakteristik der Stadt erkennen und zur Leitgröße seiner Entwicklungsstrategie machen muss. ...
"Wir brauchen einen Pakt aller Beteiligten. Alle müssen sich jetzt in ungewöhnlicher Weise bewegen, zu Veränderungen bereit sein: natürlich die Politik, aber auch die Institutionen und ihre Leiter, auch die Künstler selbst und auch die, die sich für sie interessieren, ob als Zuschauer oder Sponsor.
"Die Opernstiftung hat bis zum heutigen Tage keines ihrer wesentlichen konstruktiven Ziele erreicht, manche schon endgültig verbaut. Sie ist kaum anders als als Sparmaßnahme kommuniziert und kommunizierbar. Sie hat alle Voraussetzungen, zu einem Paradebeispiel nicht der neuen Möglichkeiten, sondern der alten Unmöglichkeiten Berlins zu werden."
(Tagesspiegel, 25.08.)

++++++ 01.09.2004 ++++++

Schneider reagiert auf vorgeschlagene Strukturveränderungen
Aus einem Interview im Berliner Morgenpost mit Konzerthaus-Intendant Frank Schneider

"Die vorgeschlagene Strukturveränderung mit der ROC GmbH würde aus vielen Gründen wesentlich komplizierter als die Berliner Opernstiftung. Zumal niemand weiß, was am Ende der anvisierten Fusion künstlerisch bleiben oder besser werden soll. ...
Übrigens wird das Haus schon jetzt sehr intensiv für das gesellschaftliche Repräsentationsbedürfnis genutzt. Es finden eine ganze Reihe von Veranstaltungen jenseits der Kunst statt. Spaßkultur mit Duldung von Musik würde mit mir nicht zu machen sein. Ich hoffe nur, dass der Senat weiterhin an der Unentbehrlichkeit zweier Häuser für das hauptstädtische Konzertleben festhält."

++++++ 01.09.2004 ++++++

Flierls Agenda für Kultur
Die Berliner Zeitung schreibt zusammenfassend zu Kultursenator Flierls Mitte August präsentierten "Berliner Agenda 21 für Kultur": "Dank einer 'strategischen Allianz' zwischen Konzerthaus und der Rundfunk-Orchester und -Chöre-GmbH (ROC) könnte sich ersteres stärker gegenüber der Philharmonie 'als Musikzentrum mit eigener Dramaturgie' profilieren, die ROC wiederum würde über eine feste Spielstätte verfügen und könnte Saalmieten und Personalkosten einsparen. Bei diesen, auf den ersten Blick sinnvoll erscheinenden Überlegungen belässt es Flierls Agenda. Was sie, in die Tat umgesetzt, für Berlins Kulturleben bedeuten könnten, erfährt man anderswo. Ein internes Papier der Kulturverwaltung, eine Besprechungsunterlage für eine Senatssitzung im Juni, skizziert die Mittel, die durch diese Allianz geheiligt werden sollen: Es schlägt vor, die beiden Ost-Orchester BSO und RSB 'ab der Spielzeit 2006/2007 schrittweise zum Orchester des Konzerthauses' zusammenzuführen. Ein Orchester mit bis zu 120 Mitgliedern soll so entstehen, bis zu 90 Planstellen könnten eingespart werden. De facto wird ein Orchester abgewickelt."

++++++ 01.09.2004 ++++++

Für den Rückzug des Staates aus der Kulturförderung
Einen schrittweisen Rückzug des Staates aus der Kunst- und Kulturförderung hat der Vizepräsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Christoph Stölzl (CDU), gefordert. Stattdessen sollte eine Bürgergesellschaft mehr Verantwortung für Theater, Museen und andere Kultureinrichtungen übernehmen. Voraussetzung sei aber, dass der Staat Steuern und Abgaben drastisch senke, um genügend Spielraum für die Initiative der Bürger zu schaffen. "Die Krise ist da", sagte Stölzl, der von 2000 bis 2001 Kultursenator in Berlin war. "Es ist Zeit für den Sprung über den Graben." Nach Auffassung Stölzls sollte der Staat als ordnungspolitischer Faktor erhalten bleiben, aber auf seine Kernkompetenzen reduziert werden.

++++++ 01.09.2004 ++++++

Rau spendet für Berliner Symphoniker
Alt-Bundespräsident Johannes Rau hat 15000 Euro für die musikpädagogische Arbeit der von Auflösung bedrohten Berliner Symphoniker gespendet. Das Geld stamme aus dem Benefizkonzert des Bundespräsidenten vom 22. Juli mit der Staatskapelle unter Leitung von Daniel Barenboim, wie das Orchester mitteilte. Seit August bekommen die Symphoniker keine Subventionen mehr.

++++++ 22.08.2004 ++++++

Beschwerde der Berliner Symphoniker abgewiesen
Das Oberverwaltungsgericht hat den Berliner Symphonikern am 19.08. eine Ablehnung des Antrags auf Weiterfinanzierung des Orchesters durch das Land Berlin erteilt. Damit wurde die Entscheidung des Senats festgeklopft: Ende August endet die Subventionierung des Orchesters. Bereits im Juli hatte das Verwaltungsgericht den Eilantrag des Trägervereins auf Weiterzahlung durch das Land Berlin abgelehnt.
Mit dem Urteil ist der schlechteste aller Fälle eingetreten. Im besten Falle hatten die Symphoniker mit einer Weiterfinanzierung zumindest für eine Übergangszeit gerechnet. Als ungünstigste Variante hatten sie gehofft, dass das Land Berlin zumindest die Vertragsstrafen für bereits verpflichtete Künstler bezahlen müsse. Jetzt droht dem Trägerverein die Insolvenz.
Erinnert wird an Suhl, wo ein Arbeitslosenorchester ein Jahr lang durchhielt. Die Politiker gaben nach: Schließlich wurden die Suhler Musiker mit ihren Kollegen aus Gotha zur Thüringen Philharmonie fusioniert. Bei der Fusion sei keiner arbeitslos geworden, so der Gewerkschafter Strulick, es sei denn, ein Musiker habe die Abfindung oder eine andere Stelle angenommen.

++++++ 22.08.2004 ++++++

Museumsinsel der Moderne
Am Berliner Kulturforum zwischen Philharmonie, Gemäldegalerie und Neuer Nationalgalerie soll eine "Museumsinsel der Moderne" entstehen. Die Gebäude berühmter Architekten wie Hans Scharoun oder Mies van der Rohe sollen zu einem Museumskomplex für europäische Kunst des 20. Jahrhunderts zusammen geführt werden, sagte der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, bei der Eröffnung einer Ausstellung mit Entwürfen für die Neugestaltung des Areals. Die Ausstellung zeigt Studienblätter und Modelle eines Kulturforums der Zukunft, die unter Anleitung des Architekten Benedict Tonon an der Universität der Künste entstanden sind.

Der Platz ist für Senatsbaudirektor Hans Stimmann ein "Elefantenfriedhof berühmter Architekten" und eine "schwere Hypothek, die wir mit uns herumschleppen". Beim Anblick der Modelle durchfuhr ihm ein Schrecken: "Wir dürfen den Respekt vor den großen Monumenten nicht verlieren und sie womöglich noch zu übertrumpfen suchen!" Ihm geht es um die wesentlich bescheidenere städtebauliche Vollendung des Forums.

++++++ 22.08.2004 ++++++

Zu wenig Geld
Die neue Intendantin der Deutschen Oper, Kirsten Harms, kritisiert die finanzielle Ausstattung des Hauses unter dem Dach der Berliner Opernstiftung mit der Staatsoper Unter den Linden und der Komischen Oper. So wie die Einsparungen im Moment geplant seien, werde die Deutsche Oper kaputt gemacht, warnt die frühere Kieler Operndirektorin in der September-Ausgabe des Magazines "Die Deutsche Bühne".

++++++ 22.08.2004 ++++++

Stiftungsrat ist komplett
RBB-Intendantin Dagmar Reim, der Intendant der Bayerischen Staatsoper, Sir Peter Jonas, Heike Kramer vom Sparkassen- und Giroverband sowie Hans-Kornel Krings von der Dresdner Bank sollen auf Vorschlag von Berlins Kultursenator Flierl Mitglieder im Stiftungsrat der Opernstiftung werden. Vorsitzender ist der Kultursenator. Die Wahl erfolgt durch das Abgeordnetenhaus.

++++++ 06.08.2004 ++++++

Thielemann wird Levine Nachfolger
Der US-Dirigent James Levine leitete vor kurzem seine letzten Konzerte als Chef der Münchner Philharmoniker. Er wird künftig die Position des Music Directors des Boston Symphony Orchestra übernehmen. In München wird er im September von Christian Thielemann abgelöst, der einen Sieben-Jahres-Vertrag als neuer Generalmusikdirektor des Orchesters unterschrieben hat.

++++++ 06.08.2004 ++++++

Flierls Orchesterfusion
Kultursenator Thomas Flierl plant für 2006 die Fusion zwei Berliner Orchester zum "Orchester des Konzerthauses". Das eine der beiden Orchester gehört aber zur Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH (ROC) - deren vier Gesellschafter, darunter der Bund, müssen zustimmen. Die Berliner Morgenpost befragte Ernst Elitz, der als Intendant des DeutschlandRadios zugleich den Hauptgesellschafter vertritt. ...
Flierl bietet die Verortung des DeutschlandRadios im Berliner Konzerthaus. Ist das nicht ein guter Preis?
DeutschlandRadio hat zwei bedarfsgerechte Funkhäuser in Köln und Berlin. Als Radio aller Länder hat es den Auftrag, in allen Regionen Flagge zu zeigen. So veranstalten wir in der kommenden Spielzeit hundert öffentliche Konzerte in 27 Städten. Es ist vollkommen unrealistisch, dass wir eine Immobilie wie das Konzerthaus übernehmen. Das würde in den anderen fünfzehn Ländern keiner verstehen.
Aber Berlin ist doch die Hauptstadt auch für ein Deutschland-Radio?
Stimmt, aber deswegen sind wir noch immer keine Immobilienbetreiber oder Hausverwalter.

++++++ 06.08.2004 ++++++

Politiker und Kultur
Jüngere Politiker in Deutschland haben nach Einschätzung der Theaterintendantin Amélie Niermeyer (38) kein Interesse an der Kultur. "Ich finde es erschreckend, dass die meisten Politiker meiner Generation selbst keinen Bezug zur Kultur und somit auch nicht das Gefühl haben, sie schützen zu müssen", kritisierte die Freiburger Bühnenchefin in einem Interview mit dem Theater-Fachblatt "Die Deutsche Bühne".

++++++ 04.07.2004 ++++++

Top und Flop in der Berliner Oper
Im Tagesspiegel schreibt Christina Tilmann: "Die beiden jüngsten Inszenierungen, mit denen sich der Hauptstadt kleinste und größte Oper [Komische Oper - Entführung aus dem Serail bzw. Staatsoper - Don Carlo] zum Ende der Spielzeit präsentieren, sind indes paradigmatisch für den Zustand der Häuser. Mit spannenden Inszenierungen hat von den drei Berliner Musiktheatern zuletzt nur die Komische Oper geglänzt: mit David Aldens Alcina, mit seinem Tamerlano, mit Peter Konwitschnys Don Giovanni und eben jetzt mit der Entführung des spanischen Regisseurs Calixto Bieito. Das glänzende Schlachtschiff Staatsoper segelt hingegen ungestört von einer uninspirierten Inszenierung zur nächsten. Dass bei allen Opernreformplänen gleichwohl immer nur die kleine, von keiner Lobby unterstützte Komische Oper, nie aber die von Kanzlerhand geschützte Staatsoper zur Disposition stand: Das wiederum ist paradigmatisch für den Zustand Berliner Kulturpolitik."

++++++ 04.07.2004 ++++++

Flierls Strategiepapier
Die Berliner Morgenpost schreibt über Senator Thomas Flierls Strategiepapier "Zukunft der Berliner Orchesterlandschaft", "das bislang im Schreibtisch verschlossen liegt." 9 Millionen Euro sollten an den Berliner Orchestern gespart werden. Das heißt, dass ein weiteres Berliner Orchester aufgelöst werden muss. Das Berliner Sinfonie-Orchester (BSO) ist das letzte rein kommunale Konzertorchester. Eine Auflösung verstieße gegen den Einigungsvertrag, die landesbediensteten Musiker genießen Rechte und würden erhebliche Abfindungszahlungen kosten. Obendrein hat Flierl Angst vor der "ausgeprägten Emotionalität" in der öffentlichen Diskussion - das BSO hat immerhin 15 000 Abonnenten. ... Der Sprecher der Berliner Senatskulturverwaltung, Torsten Wöhlert, bestätigte entsprechende Pläne. Die Entscheidung hänge von den Gesellschaftern der Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH (ROC) ab, zu denen neben dem Land Berlin der Bund, das Deutschlandradio und der RBB gehören. Sie solle im September auf einer Gesellschafterversammlung fallen. Die Stelleneinsparungen sind Wöhlert zufolge noch nicht im Detail durchgerechnet. Ein fusioniertes Orchester hätte 120 Stellen; etwa 90 Orchesterstellen müssten abgebaut werden.

++++++ 04.07.2004 ++++++

Symphoniker scheitern vor Gericht
Ein Eilantrag des Trägervereins der Berliner Symphoniker auf weitere Förderung wurde vom Verwaltungsgericht abgewiesen. Die Kulturverwaltung dürfe die Mittel nicht gewähren, da es keine Zustimmung des Abgeordnetenhauses gebe. Aus dem Recht auf Kunstfreiheit lasse sich eine Förderung am Parlament vorbei nicht begründen.

++++++ 04.07.2004 ++++++

Simon Rattle sucht eine Wohnung
Die Berliner Morgenpost sprach mit Sir Simon Rattle über seine ersten zwei Jahre als Chefdirigenten: "Ich muss immer daran denken, was mir Herbert von Karajan gesagt hat: Sie werden einem solchen Orchester zehn Prozent geben, und das Orchester wird das weiter entwickeln und immer viel mehr zurück geben. Denn andere Orchester geben einem - wenn sie gut sind - das zurück, was man wollte. Diese Musiker aber geben einem viel, viel mehr. ... Im Augenblick teste ich die Möglichkeiten dieses Orchesters aus - und bin immer wieder erstaunt, wie weit die gehen können. Ich glaube inzwischen, die Berliner könnten auch fliegen." Gefragt, ob er auch über andere Präsentationsformen nachdenkt, meint Rattle: "Wir diskutieren über das Konzert als Ritual. Anderseits finde ich es sehr schön, wenn es in einer Stadt noch ein paar Orte gibt, wo das Licht ausgeht, und dann werden die Leute ruhig und konzentrieren sich auf das, was da kommen wird. ... Berlin ist das Zentrum meiner Arbeit geworden. Deswegen haben meine Frau und ich beschlossen, Berlin nun zu unserem Lebensmittelpunkt zu machen. Wir werden uns in einer ruhigen Kudamm-Seitenstraße oder in Prenzlauer Berg eine Wohnung suchen."

++++++ 24.06.2004 ++++++

Skandal an der Komischen Oper
Wegen Calixto Bieitos Interpretation der Mozart'schen Entführung aus dem Serail erwägt DaimlerChrysler der Komischen Oper seine finanzielle Unterstützung zu entziehen (jährlich 10.000 Euro). Der für Sponsoring zuständige Berater des Konzerns kündigte laut Bild-Zeitung an: "Die gesamte Darbietung von Sex und Gewalt war für mich absolut unakzeptabel." Die Berliner Zeitungen kommentieren dazu: "Für die Kultur ein Lehrstück: Sie darf sich nicht abhängig machen von privaten Geldgebern, um ihrer Freiheit willen. Deshalb und dafür gibt es Subventionen. Für Schönheit und Wahrheit. Für Erkenntnis und Schmerz. Für die Kunst." (Der Tagesspiegel) "Nur wenn sich die Oper entwickelt, ästhetische Grenzen auslotet und in der leidenschaftlichen Diskussion bleibt, hat sie eine Überlebenschance. Auch wenn manche Bilder schmerzen." (Morgenpost)

Aus einem Interview mit Calixto Bieito in Die Zeit (19.06.2004):
"Diese Gewalt ist ja auch in der Wirklichkeit allgegenwärtig. ...Die modernen Kriege sind nicht so sauber, wie es uns das Fernsehen immer weismachen will. ... Es reizt mich, solche abgründige Dumpfheit auf der Bühne zu zeigen. Wenn sie im Stück angelegt ist! ... Die Oper muss Spiegel der Gesellschaft sein. Es ist eine fantastische Gelegenheit, die Menschen sich selbst betrachten zu lassen. Am Ende sollen sie denken: Mein Gott, das also passiert in Afghanistan, im Irak, im Kongo oder wo immer. Oper ist unglaublich emotional. Die Musik geht direkt in den Bauch. Sie verbindet sich mit den Bildern auf der Bühne zu einer unglaublich starken Einheit. ... Ich arbeite mit extremen Bildern von Sexualität. Sex als schnell konsumierbare Ware, Sex als grelle expressionistische Geste. Sex gibt es überall, im Fernsehen, in der Reklame für Parfüm oder für Butter, überall. Nur auf der Bühne will man den Sex nicht sehen. Man will die Oper als eine Art Paradies bewahren."

++++++ 24.06.2004 ++++++

Thielemann Nachfolger?
Aus einem Interview in der Berliner Morgenpost mit Marc Albrecht, Favorit für die Thielemann-Nachfolge an der Deutschen Oper
Was, glauben Sie, muss ein GMD an der Deutschen Oper für Qualitäten haben?
Es wird jemand gebraucht, der mehr den klassischen GMD macht. Das heißt: Präsenz, Präsenz, Präsenz. Jemand, der sich neben der zentral wichtigen Arbeit mit dem Orchester auch intensiv um den Ensembleaufbau kümmert. Darüber hinaus ist bei der momentan leicht depressiven Stimmung im Haus in allen Bereichen Motivation dringend gefordert. Es ist eine große Aufgabe. Das Niveau eines Hauses macht sich nicht an der besten Premiere, sondern an der finstersten Repertoire-Vorstellung fest.

++++++ 24.06.2004 ++++++

Die Diskussion zum Kulturforum geht weiter
Die neue Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyher benannte vier Fragenkomplexe, die der Senat klären möchte: erstens die Sichtbeziehung zwischen Neuer Nationalgalerie und Philharmonie; zweitens, ob der Matthäikirchplatz wieder zu einem "Stadtplatz" ausgestaltet werden soll; drittens die Zukunft von "Piazzetta" und Museumszugang; und viertens die Beziehung der beiden Konzertbauten zum umgebenden Raum. Es gehe darum, ob das Areal ein "Forum im Sinne des Wortes" werde. Geld ist allerdings im Landeshaushalt nicht vorhanden. Die erforderlichen Mittel sollen stattdessen durch die Vermarktung von Grundstücken erbracht werden. Eine Ausstellung wurde im Hause der Stadtplanungsverwaltung eröffnet, die die vom Senat gebilligten Pläne auf Schautafeln erläutert. Zudem wird der "Online-Dialog" mit dem Bürger gesucht: Unter www.kulturforum-dialog.de können Interessenten in den kommenden Monaten an der Meinungsbildung teilnehmen.

++++++ 13.06.2004 ++++++

Junge Leute hören Klassik für weniger

ClassicCard

Es gibt zwei besondere Angebote auf der Berliner-Klassikszene für junge Zuhöher: die ClassicCard und das berlinerjugendabo.

Konzert, Oper und Ballett, Klassik und Jazz, vom Barock bis zur Moderne - die ClassicCard bietet alles. Jeder unter 28 kann die ClassicCard für einmalig 25 Euro erwerben und damit bei den teilnehmenden Veranstaltern auf den besten Plätzen Konzerte für nur acht Euro sowie Oper und Ballett für nur zehn Euro genießen. Das ClassicCard-Netzwerk besteht aus: Berliner Festspiele, Berliner Symphoniker, Deutsche Oper Berlin, Komische Oper Berlin, Konzerthaus Berlin, Staatsoper Unter den Linden und die Ensembles der roc berlin (Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin, RIAS-Kammerchor und Rundfunkchor Berlin).

Die Karte ist ab dem individuellen Wunschtermin zwölf Monate gültig und kann in diesem Zeitraum beliebig oft für die Veranstaltungen der ClassicCard-Partner eingesetzt werden. Der Kartenkauf mit der ClassicCard gilt an der Abendkasse in Verbindung mit aktuellem Personalausweis. Sie ist für alle Eigenveranstaltungen der ClassicCard-Partner gültig. Die ClassicCard ist nicht übertragbar.

Die ClassicCard kann telefonisch unter 030 203545-55 oder per Fax unter 030 202987-29 bestellt werden. Außerdem können Sie Ihre Bestellung auf dem Postweg an roc berlin, Team ClassicCard, Charlottenstraße 56, 10117 Berlin senden oder im Internet unter www.classiccard.de aufgeben.

Für junge Leute von 16 bis 21 bietet das berlinerjugendabo 6 Konzerte von den 6 beteiligten Orchestern jeweils mit den Chefdirigenten zum Paketpreis von € 33,- an. Die Konzerte finden zwischen September 2004 und April 2005 statt. Die Berliner Philharmoniker, das Berliner Sinfonie-Orchester, die Berliner Symphoniker, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin, das Landesjugendorchester Berlin und das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin werden unter Leitung der Chefdirigenten Simon Rattle, Marek Janowski, Eliahu Inbal, Kent Nagano und Lior Shambadal stehen. Besondere Highlights sind zweifelsohne das Oktober-Konzert der Philharmoniker mit Werken von Strawinsky, Lindberg und einer Uraufführung von Mark Anthony Turnage, ein RSB-Konzert mit Werken ausschließlich von Richard Strauss und Maurizio Pollini als Solist mit dem 2. Klavierkonzert von Chopin bei dem Deutschen Symphonie-Orchester. Bestellungen sind über den JugendKulturService (Tel. 030 / 23 55 62 0) und die Internet-Adresse www.berlinerjugendabo.de möglich.

++++++ 13.06.2004 ++++++

Kompromisslose Leidenschaft für das Theater
Von Andreas Homoki, kommissarischer Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin: "Als Intendant der Komischen Oper freue ich mich, dass am 20. Juni einer der weltweit interessantesten Regisseure sein Berlindebüt bei uns gibt: Calixto Bieito inszeniert Mozarts Entführung aus dem Serail. Ich wünsche mir, dass das Berliner Publikum von seiner kompromisslosen Leidenschaft für das Theater angesteckt wird - wie unser Ensemble auf den Proben. ... Kunst und Theater mögen in Zeiten leerer Kassen und schmerzhafter gesellschaftlicher Umstrukturierungen als Luxus erscheinen. Ich meine aber: Der spielerische Geist künstlerischer Arbeit ist für eine humane Gesellschaft unverzichtbar. ... Ich würde mir wünschen, dass ein politischer Diskurs über Kunst - bei allen auch hier notwendigen Umstrukturierungen - sich endlich an Inhalten ausrichtet. Denn: Es ist es die Kultur, die den Menschen vom Tier unterscheidet ..."

++++++ 02.06.2004 ++++++

Kirsten Harms kommt
Kirsten Harms, 48, übernimmt im Herbst 2004 als Intendantin die Deutschen Oper Berlin. Sie ist eine renommierte Opern- und Theaterregisseurin und verliess nach acht Jahren im Sommer 2003 ihre Position als Direktorin des Kieler Opernhauses, um wieder selbst intensiver als Regisseurin arbeiten zu können. Der Stuhl des Intendanten war seit einem Jahr unbesetzt, nachdem vor einem Jahr ihr Vorgänger Udo Zimmermann nach einem "Frontalzusammenprall" mit dem ehemaligen GMD Thielemann vom Kultursenator Berlins unsanft "abgeschoben" wurde.

++++++ 02.06.2004 ++++++

Thielemann geht
Christian Thielemann, Generalmusikdirektor der Deutschen Oper, verläßt vorzeitig zum Ende der Saison das Haus, dem er sich bis 2007 vertraglich verpflichtet hat. Das Haus muss ab sofort ohne Musikchef auskommen, da er in dieser Spielzeit bereits alle Dirigierverpflichtungen absolviert hat. In den Worten der Berliner Zeitung: "Das größte Problem der Deutschen Oper ist der Mangel an zusammenhängender künstlerischer Arbeit und die daraus folgende Schwäche der öffentlichen Ausstrahlung." Diverse renommierte Dirigenten kommen zur Zeit als Nachfolger in Frage, darunter zum Beispiel Philippe Jordan, Lothar Zagrozek, Ingo Metzmacher und Marc Albrecht.

++++++ 02.06.2004 ++++++

Völkerverständigung
Daniel Barenboim, GMD der Staatsoper Unter den Linden, spricht sich seit Jahren für die Völkerverständigung zwischen Israelis und Palästinensern aus. Seine Rede in der Knesseth in Jerusalem anläßlich der Verleihung des Wolf-Preises löste verärgerte Reaktionen beim Präsidenten Moshe Katsav und Bildungsminister Limor Livnat aus. In der Rede sagte er, "Gibt es eine Logik zur Unabhängigkeit eines Volks, wenn die Kosten den Grundrechten eines anderen Volks einen Schlag erteilen? Kann sich das jüdische Volk mit ihrer Geschichte voller Leiden und Verfolgung erlauben, apathisch gegenüber die Rechte und das Leiden eines Nachbarvolks zu sein?" In einem neulich veröffentlichten Aufsatz schrieb er: "Ich glaube nicht an eine militärische Lösung des Nahost-Konflikts. Moralisch ebenso wenig wie politisch. ... Wenn man also wie ich nicht ans Militär glaubt, dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder das Ganze führt direkt in die totale Katastrophe - wozu wir auf dem besten Wege sind -, oder aber es gibt eine friedliche Lösung. Wenn dies geschieht, dann wird man Kontakte knüpfen: kulturelle, wissenschaftliche, gesellschaftliche, ökonomische. ... Wenn ich als Musiker die Möglichkeit habe, Kontakte zu stiften, warum soll ich es dann nicht tun, hier und jetzt? Und wenn es doch zur Katastrophe kommen sollte, dann haben diese jungen Leute wenigstens ein paar Monate in einer Art Oase gelebt."
Das Preisgeld des israelischen Wolf-Preises hat Daniel Barenboim für die Musikausbildung junger Palästinenser und Israelis gespendet. Der Betrag gehe zu gleichen Teilen an die Friends School in Ramallah sowie an das Jerusalem Music Center, sagte der Generalmusikdirektor der Staatsoper.

++++++ 02.06.2004 ++++++

Bundespräsident Rau zur Kultur
Zum Ende seiner Amtszeit hat Bundespräsident Johannes Rau verkündet: "Ich bin dafür, Kultur auf allen staatlichen Ebenen zu verankern. Erst dann ist Kultur gleichberechtigt, wenn es um die Verteilung öffentlicher Mittel geht. Die öffentlichen Mittel für Kultur dienen nicht einer kleinen Gruppe, sondern unserem ganzen Land." Bei einem letzten Treffen des von ihm selber 2002 ins Leben gerufene "Bündnis für Theater" formulierte er seine Vision künftiger Kulturförderung: nicht freiwillige Leistung des Staates solle diese sein, sondern Pflichtaufgabe.

++++++ 13.05.2004 ++++++

Thielemann im Tagesspiegel
Christian Thielemann sprach mit dem Tagesspiegel über die Situation des Opernorchesters an der Deutschen Oper, O-Ton:
"Seit Jahren werde ich hingehalten, vertröstet, mit falschen Hoffnungen und Fehlinformationen genährt. In dieser Zeit haben sich die Arbeitsbedingungen an der Deutschen Oper dramatisch verschlechtert. Wir werden kaputtgespart. ... Es interessiert niemanden, wenn ich die Zweite von Brahms mit 16 Aushilfen dirigieren muss, es interessiert niemanden, dass wir für die Art von Repertoiretheater, die man von uns erwartet, längst nicht mehr die 125 Stellen haben, die wir brauchen. Trotzdem stehen wir weiter im internationalen Konkurrenzkampf - noch. ... Will man, dass Christian Thielemann sich an seinem eigenen Haus - schreckliches Wort - überqualifiziert fühlt? Ich habe in den zwei letzten Jahren alles getan, was ich konnte. Ich habe mit Politikern gequatscht, bis mir die Lippen in Fransen hingen. ... Wenn mir nächste Woche mitgeteilt wird, es bleibt dabei, das Orchester der Deutschen Oper wird weiterhin schlechter gestellt sein als die Staatskapelle, dann muss ich gehen. Ich wäre ein schlechter Generalmusikdirektor, wenn ich hier nicht warnen würde. Oder soll ich hier der ewige zweite Sieger sein? ... Dann ist es eben so, dann hat man den deutschen Dirigenten, der es in seiner Generation bislang am weitesten gebracht hat, hier schlicht vergrault."

++++++ 07.05.2004 ++++++

Inbals Vertragsverlängerung
Der Chefdirigent des Berliner Sinfonie-Orchesters, Eliahu Inbal, verhandelt gerade über seine Vertragsverlängerung über 2005 hinaus. Davon hängt auch die Zukunft seines von Fusionen bedrohten BSOs ab. "Falls die Auflösung der Berliner Symphoniker wirklich notwendig ist, muss die Stadt sich umso mehr um ihre anderen Orchester bemühen und nicht ständig alle möglichen Fusionskombinationen durchspielen. Ich halte auch die Verflechtung von Rundfunk und Stadt für ungeheuerlich. Das gibt es nur in Berlin. Warum muss die Stadt die Rundfunkorchester mitfinanzieren? Das ist unmoralisch und ungesetzlich. Die Rundfunkanstalten leben von nicht gerade geringen Gebühren, die jeder in Berlin und Brandenburg bezahlt. Berlin subventioniert trotzdem die Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH, obwohl es das Geld gar nicht mehr hat. Dafür werden die Orchester der Stadt vernachlässigt, die Berliner Symphoniker sogar aufgelöst. Der Rundfunk muss endlich seine Verantwortung wahrnehmen. ... So wie die Philharmonie das Stammhaus der Berliner Philharmoniker ist, gehört das Berliner Sinfonie-Orchester zum Konzerthaus. Das war und ist so. Und diese Verbindung muss konzeptionell für die Zukunft abgesichert sein. Das wäre nur gerecht - auch mit Blick auf die Abonnentenzahlen." [derzeit etwa 15.000]

++++++ 07.05.2004 ++++++

Thielemanns Zukunft
Dirigent Christian Thielemann ist immer wieder in den Nachrichten, zuletzt wegen seines Auftritts bei der Jahrespressekonferenz der Deutschen Oper. Christine Lemke-Matwey hat sich ihn im Tagesspiegel zu Gemüte geführt: "Kundige Spatzen pfeifen es übrigens längst von den Dächern: Christian Thielemann hat keine Lust mehr auf Berlin. ... Ein Verlust für die Deutsche Oper? Gar eine neue Chance? Das hängt davon ab, was die Berliner Kulturpolitik vorhat, wenn sie etwas vorhat. Ein Verlust für Thielemann? Persönlich, gewiss. Seine Stadt, sein Orchester, sein Publikum. ... Christian Thielemann gilt als schwierig. Schon Joachim Kaiser prägte im wohlwollenden Blick auf den Berliner Jung-Dirigenten das viel sagende Wort vom 'Preußen, wie Gott ihn schuf'; andere rühmen Thielemanns 'kapellmeisterliche Souveränität' und seinen Willen zum 'schlechthin Außerordentlichen'; wieder andere beäugen ihn eher misstrauisch als 'Enkel von Furtwängler, Karajan, Böhm, Krauss, Knappertsbusch' und als letzten Mohikaner der deutsch-österreichischen Musiktradition des 20. Jahrhunderts; und manche wissen vielleicht auch nur, dass er gerne teuren Rotwein trinkt, schnelle Autos fährt und weiße Socken trägt. ... Eine Musiklandschaft, ein Musikleben ohne das Phänomen Thielemann wäre nicht nur ärmer, sondern arm. ... [W]eil ihn bestimmte Stücke - wie Tristan, wie Die Meistersinger - schwer etwas kosten, ja in Krisenzeiten förmlich 'kaputtmachen', und man das merkt; weil er alles andere als ein Musikautomat ist, ein so genannter 'Profi', sondern einer, der für gewisse Abende ganz hervorragend disponiert ist und für andere eben gar nicht, einer, der mal höllisch gut sein kann und mal himmelschreiend schlecht."

++++++ 07.05.2004 ++++++

Amerikanische Strategien
Zur Rettung der Berliner Symphoniker schlägt der amerikanische Unternehmensberater Frederick Metz Shepperd Aktionen vor, die einem sehr auf den amerikanischen Markt zugeschnitten vorkommen: Dinners for Fundraising in Berlin und weitere Wohltätigkeitsessen in Köln, München, Wien; der "Family Walkathon", wobei Musiker durch die Stadt und ihre Institutionen ziehen, Musik machen, Geschenke verteilen und beiläufig Förderer einsammeln. Im Juli oder August soll ein Inlineskating-Day stattfinden. Shepperd ... gibt dem Orchester einige Richtlinien mit auf den Weg. Dazu gehören mehr Cross-over, Performances, Pop und TV. Was aber in einer Region mit Rundfunkorchestern und einem Filmorchester schwierig sein wird.

++++++ 02.05.2004 ++++++

Cellist Pergamenschikow gestorben
Der aus Russland stammende Cellist und Hochschullehrer Boris Pergamenschikow ist am 30. April in Berlin im Alter von 55 Jahren nach langer schwerer Krankheit gestorben. Das teilte die Hochschule für Musik "Hanns Eisler" mit, an die er 1998 als Professor für Violoncello berufen worden war. Zuvor lehrte er lange Jahre an der Kölner Musikhochschule. Seine besondere Liebe galt seinen Meisterschülern, von welchen eine ganze Reihe nun selbst auf dem Weg in die Konzertsäle der Welt sind. Pergamenschikow arbeitete unter anderem mit Claudio Abbado, Gidon Kremer, Yehudi Menuhin, Krysztof Penderecki und Mstislav Rostropowitsch zusammen.

++++++ 02.05.2004 ++++++

Jahrespressekonferenz der Deutschen Oper
Bei der Jahrespressekonferenz der Deutschen Oper ist Generalmusikdirektor Christian Thielemann an die Öffentlichkeit gegangen. Ihm liefen die Musiker davon, "aus schnöden finanziellen Gründen". Eine kontinuierliche Arbeit sei wegen der vielen Aushilfen kaum noch möglich. Die Deutsche Oper drohe ein "Durchgangshaus" für gute Musiker zu werden, international könne man sich immer weniger zeigen. In Wahrheit will Thielemann eigentlich nur die "Medienpauschale" für seine Orchestermusiker zurückhaben.

++++++ 02.05.2004 ++++++

Eine "Unsolidarische Unverschämtheit"
Viele Orchester erhielten früher eine sogenannte "Medienpauschale", mit der eigentlich aus Extra-Auftritten erwachsene Medienansprüche pauschal abgegolten werden sollen. Doch in Wirklichkeit handelt es sich bei diesen Pauschalen um verdeckte Gehaltserhöhungen, die aus taktischer Scham nicht so bezeichnet werden. Im Fall des Orchesters der Deutschen Oper diente die "Medienpauschale" zur tariflichen Gleichstellung der Opernmusiker mit den Musikern des Berliner Philharmonischen Orchesters und des Bayerischen Staatsorchesters. Diese Medienpauschale wurde erst halbiert und schließlich gestrichen. Dass die gestrichen wurde, ärgert das Orchester bis heute. Besonders deshalb, weil die Kollegen von der Staatskapelle sie bekommen: Dort heißt die Zulage anders - und die 1,8 Millionen Euro kommen jährlich vom Bund. Dafür hat Generalmusikdirektor Daniel Barenboim gesorgt. Im Falle des Orchesters der Deutschen Oper aber müsste das Land Berlin - das gerade die Berliner Symphoniker abwickelte - zahlen. Die Berliner Morgenpost schreibt: "Vom Land zu fordern, den eingesparten Betrag wieder an andere Musiker auszuzahlen, offenbart einen gewissen Realitätsverlust. Man kann es auch als unsolidarische Unverschämtheit bezeichnen."

++++++ 26.04.2004 ++++++

Sie leben doch noch...
Wie Jochen Thärichen, Intendant der Berliner Symphoniker, bei einem Podiumsgespräch im Berliner Abgeordnetenhaus mitteilte, hat der Trägerverein eine US-amerikanische Unternehmensberatung damit beauftragt, gezielt Sponsorengelder in Europa, Asien und Nordamerika einzuwerben, die insbesondere die pädagogische Arbeit des Orchesters an Berliner Schulen und Musikhochschulen sichern sollen. Der US-Unternehmensberater Frederick Metz Shepperd, Partner der Firma Quadral Group, gilt als Experte für die Entwicklung von Überlebensstrategien für Unternehmen in Zeitalter der Globalisierung. Trotz des Beschlusses des Berliner Senats ab 1. September 2004 keine Subventionen mehr zu zahlen (und sie machten 3/4 des Budgets aus), werden die Symphoniker ihre Konzerte der Spielzeit 2004/2005 wie geplant durchführen.

++++++ 25.04.2004 ++++++

Kammeroper Schloss Rheinsberg gesichert
Die Kammeroper Schloss Rheinsberg kann 2004 stattfinden: "Der Etat von 950 000 Euro steht nach der jüngsten Zusage des Landkreises", teilte Geschäftsführer und Festivalmanager Rainer Schwarz gestern mit. "Dadurch können wir vom 26. Juni bis zum 14. August das 14. Festival mit einem attraktiven Programm bieten", betonte Schwarz. Als einer der Programm-Höhepunkte gilt Harry Kupfers Inszenierung der Händel-Oper Otto und Theophanu.
www.kammeroper-schloss-rheinsberg.de

++++++ 25.04.2004 ++++++

Neues von der Neuköllner Oper
Peter Lund verläßt die Neuköllner Oper, um Leiter des Studiengangs Musical/Oper an der Universität der Künste zu sein. Acht Jahre lang war er Chef des 1977 gegründeten Musiktheaters in der Karl-Marx-Straße. Ein neuer Chefdramaturg (Bernhard Glocksin) und ein Kaufmännischer Leiter (der 29-jährige Jurist Sebastian König) werden die Crew ergänzen. Lund meint: "Ich möchte ein bisschen Unterdruck erzeugen, um wieder Platz für neue Kräfte zu schaffen." Hoffentlich geht es dem Haus gut ohne ihn. In den Worten des Tagesspiegels: "ein Haus, das mit vergleichsweise läppischen Subventionsgeldern immer wieder mustergültige Produktionen lieferte, wo barocke Opernausgrabungen ebenso einen Platz hatten wie pfiffige Operetten, zeitgenössisches Musiktheater, Kinderoper und Musical." Oder der Berliner Morgenpost: "Sein Haus verströmte den Charme eines heruntergekommenen Teppichlagers. Die Produktionen aber, die man hier sah, machten kaum weniger als die gefühlte Hälfte der Gesamtkreativität des Berliner Musiktheaters aus." Bei zehn Neuproduktionen an 280 Spieltagen lebt das Haus etwas knapp aber doch für die nächsten 2,5 Jahre gesichert von 900.000 Euro jährlichen Subventionen. Die neueste Produktion, Der Elefantenmensch, lief am 22. April an.

++++++ 25.04.2004 ++++++

Städteplanung
Seit der Vorstellung eines Konzepts zur Weiterentwicklung des Kulturforums im Abgeordnetenhaus im März hört die Diskussion nicht auf. Edgar Wisniewski, Hans Scharouns einstiger Büropartner, wirft Senatsbaudirektor Hans Stimmann vor, keineswegs Scharouns organisch sich ausbreitende Stadtlandschaft weiterentwickelt zu haben. Nun äußert sich auch noch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, das mit den Vorhaben der Stiftung Preußischer Kulturbesitz befasst ist: Es will einen 250 Meter hohen "Bibliotheksturm" auf einer Restfläche zwischen der Staatsbibliothek und Landwehrkanal errichten, den am anderen Ende des Geländes ein 150 Meter hoher "Diplomatenturm" für Botschaften, Residenzen und andere Repräsentanzen beantwortet. Man überlegt sich, neue Häuser zu bauen, anstatt sich Gedanken zur eigentlichen Nutzung des Platzes zu machen. In den Worten der Berliner Zeitung: "Der Vergleich mit dem Schlossplatz drängt sich auf: Auch dort wird die städtebauliche Form und die Fassade des Palasts der Republik als das eigentliche Problem gesehen und die notwendige Debatte um die Nutzungen völlig in den Hintergrund gedrängt von der idealistischen Hoffnung, mit der Schlossfassade alle stadtplanerischen Fragen zu lösen."

++++++ 25.04.2004 ++++++

Rückläufige Besucherzahlen
Die Komische Oper konnte den Negativtrend des ersten Halbjahres 2003 in der neuen Saison nicht stoppen. Die Auslastung dümpelt bei 49 Prozent: Das Haus wurde von der zuständigen Staatssekretärin Barbara Kissinger als "Sorgenkind" bezeichnet. Das Publikum scheint zur Konkurrenz abgewandert zu sein, denn Staatsoper (76 Prozent Auslastung) und Deutsche Oper (60 Prozent) verkauften mehr Karten. Im Konzertbereich sank die Zahl der Veranstaltungen und mit ihr jene der Zuhörer. Die Philharmonie verzeichnet 14.000 Besucher weniger als im Vorjahr; das Konzerthaus gibt den Rückgang an bezahlten Karten mit 14.600 an.

++++++ 24.04.2004 ++++++

Pollini über die Musik des 20. Jahrhunderts
Maurizio Pollini im Interview mit der Berliner Morgenpost am 10.04.04: "Je öfter moderne Werke gespielt werden, desto größer ist deren Akzeptanz beim Publikum. Es muss sich immerhin daran gewöhnen, dass wir es ab Schönberg mit einer gänzlich verwandelten Musiksprache zu tun haben. ... Die Meister des 20. Jahrhunderts ... haben große Musik in des Wortes höchster Bedeutung geschrieben. Es ist ein Jammer, dass unsere Beziehungen zu den einzelnen Epochen derart begrenzt sind. Denken Sie daran, welche Bereicherung wir durch die Wiederentdeckung der Renaissance erfahren haben! Etwas Ähnliches wird mit der Moderne geschehen. ... Man darf indes die Hoffnung nicht aufgeben, dass auch jüngere Menschen die Klassik als eine beispiellos kreative und substanzielle Kunst entdecken."

++++++ 24.04.2004 ++++++

Die Festtage 2005 an der Staatsoper
Zu den Festtagen 2005 kehrt die Staatsoper in bekannte Gefilde zurück. Die Premiere von Wagners Parsifal ist am 19.03.05. Die Regie liegt in den Händen vom Filmproduzent Bernd Eichinger, der zu seinem neuen Wirkungsfeld sagte, "Kino und Oper leben von Emotionen, und Geschichten erzählen ist das Handwerk, von dem ich komme." Generalmusikdirektor Daniel Barenboim erklärte dazu: "Ich arbeite lieber mit einem Regisseur, der ein leidenschaftlicher Erzähler ist, als mit jemandem, der Hemmungen hat, die Musik zu stören." Den Parsifal gibt Burkhard Fritz; weiter wurden Roman Trekel als Amfortas sowie Michaela Schuster als Kundry verpflichtet. Zwei Vorstellungen von Carmen finden am 20.03.05 und 23.03.05 statt. Das Werk wird bereits im Dezember 2004 Premiere haben. Der Regisseur Martin Kusej wird damit seine erste Arbeit an der Staatsoper vorstellen. Drei Konzerte mit dem Chicago Symphony Orchestra (24.-26.03.05), eine Hommage an Pierre Boulez (27.03.05) sowie ein erneuter Liederabend mit Cecilia Bartoli (22.03.05) runden das Programm ab. Stets am Dirigentenpult: GMD Daniel Barenboim.

++++++ 04.04.2004 ++++++

Peter Konwitschny: "Kein armes Land"
Opernregisseur Peter Konwitschny sieht im Neid ein wesentliches Motiv der Spardiskussion an den Theatern. "Kunst ist ja in gewisser Weise eine Therapie in einer Zeit, wo sonst wirklich fast nichts mehr noch mit der Wahrheit des Menschen zu tun hat. Und wir Künstler werden auch noch bezahlt dafür", sagte der 59-Jährige dem Theatermagazin "Die Deutsche Bühne". "Wenn dann argumentiert wird, dass wir uns das nicht mehr leisten können, dann steckt dahinter, glaube ich, auch Neid", sagte er. Denn Geld sei da, dies sei kein armes Land: "Es ist nur eine Frage der Verteilung."

++++++ 28.03.2004 ++++++

DSO Pläne für die Saison 2004/5
Obwohl Kent Nagano die Position als Musikdirektor des Deutschen Symphonie-Orchesters 2006 aufgibt, um nach Montréal zu wechseln, bleibt er dem Orchester als Principal Guest Conductor für die zwei nachfolgenden Saisons verbunden. Er will aktiv bei der Nachfolger-Suche mithelfen. Er wird 33 der 62 Sinfoniekonzerten der 2004/05 Saison selbst leiten. Der Composer in Residence wird George Benjamin aus England, der auch drei Konzerte dirigiert. Bach, Beethoven, Schumann und Brahms sind im Mittelpunkt des Repertoires; selten zu hörende Werke wie Charles Ives fragmentarische Universe Symphony und Dieter Schnebels Symphonie X gehören auch zum Programm in der nächsten Saison. Der neue Orchesterdirektor ist Andreas Richter, langjähriger Tagesspiegel-Musikkritiker und zuletzt Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an der Komischen Oper Berlin.

++++++ 28.03.2004 ++++++

Vorwürfe an Kultursenator Flierl
Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) wirft Kultursenator Thomas Flierl vor, keine ernsthaften Anstrengungen zum Erhalt der Berliner Symphoniker gemacht zu haben. Der DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens sagte: "Deutlich wird, dass das Solidarangebot der Berliner Orchester angesichts viel weiter reichender Pläne keine wirkliche Chance bekommen sollte, weshalb die Verhandlungen nur halbherzig geführt wurden. Dieser Kultursenator ist nicht mehr glaubwürdig."

++++++ 23.03.2004 ++++++

Das endgültige Aus für die Symphoniker
Am 18. März wurden die Berliner Symphoniker zum August 2004 aufgelöst. Die Zuwendungen der Stadt Berlin von jährlich 3,3 Millionen Mark werden eingespart. Und das obwohl die Abgeordeten aller Fraktionen "in den endlosen Ausschuss-Sitzungen immer geschlossen gegen die Abwicklung votiert und die schlanke Struktur, die Effizienz, die Beliebtheit, die vorbildliche Basisarbeit der Symphoniker hervorgehoben" haben. (Berliner Zeitung) Dabei hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit den Kultursenator Thomas Flierl "als den großen Versager im Abgeordnetenhaus vorführen lassen ... die Regierung braucht einen Sündenbock. Ein opferbereiter Kultursenator bietet sich immer dafür an - der Fluch der Reformen." Die Berliner Morgenpost analysiert weiter: "Es gibt keine prominenten Gesichter, die sich für die Rettung der Symphoniker ins Rampenlicht stellen. Weder eine Kulturstaatsministerin noch Oppositionsführer wie kürzlich im Fall der Staatsoper Unter den Linden noch Topmanager, die sich gern in der sowieso finanziell gut ausgestatteten Philharmonie ansammeln. Die Symphoniker sind einfach nicht ihr Milieu." Weitere Veränderungen in der Orchesterlandschaft sind wahrscheinlich: Im Interview mit der Berliner Zeitung meint Flierl, "Für mich sind die Philharmoniker und das Berliner Sinfonie-Orchester die zwei städtischen Säulen. Ich gehe aus von einer Allianz des BSO und der beiden Orchester in der Rundfunkorchester- und Chöre GmbH ... Es muss nicht Fusion, es kann Bündelung heißen oder Verankerung der ROC im Konzerthaus."

++++++ 20.03.2004 ++++++

Operndebüt für Thomas Quasthoff
Thomas Quasthoff, einer der führenden Baritone der Gegenwart, singt am 8. April seinen Operndebüt als Amfortas in Wagners Parsifal an der Wiener Staatsoper. Er sei auch interessiert an anderen Opernaufgaben: "Ich hätte große Lust, den Amfortas auch anderswo zu singen - weshalb nicht an der Met?" Und zur Rolle des Ochs von Lerchenau in Strauss' Rosenkavalier: "Ich weiß, dass ich ihn stimmlich gut singen kann. Und wer sagt, dass er groß sein muss?"

Im Februar hat Quasthoff einen zweiten Grammy als "bester klassischer Solist" erhalten, den weltweit prominentesten Schallplattenpreis, für eine Einspielung von Schubert-Liedern in Orchesterfassungen von Brahms, Reger, Webern, Britten und anderen. Seine Partnerin dabei ist Mezzosopran Anne Sofie von Otter, sie werden vom European Chamber Orchestra unter Claudio Abbados Leitung begleitet (Deutsche Grammophon).

Im Oktober wechselt der 43-jährige Bassbariton als Gesangsprofessor von der Detmolder Hochschule für Musik zur Hanns Eisler Hochschule für Musik in Berlin. Seine Aussage jüngst dazu im amerikanischen Fernsehen: "Ich brauche die Großstadt, und ich freue mich schon riesig darauf, dort zu lehren und etwas mehr von dem in Berlin derzeit erstaunlichen Kulturleben und -Geist für mich herauszuholen."

++++++ 20.03.2004 ++++++

Gidon Kremer an die Hanns Eisler Hochschule berufen
Gidon Kremer ist als Honorar-Professor an die Hochschule für Musik "Hanns Eisler" berufen worden. Geboren 1947 in Riga, war Kremer Meisterschüler von David Oistrach am Moskauer Konservatorium. Er gewann den Tschaikowski-Preis in Moskau und den Paganini-Wettbewerb in Genoa. Er ist der Gründer eines erfolgreichen Kammermusikfestivals in Lockenhaus / Burgenland und des Orchesters Kremerata Baltica. Neben Werken der Klassik und Romantik hat er einen Schwerpunkt auf zeitgenössischen Komponisten wie Alfred Schnittke, Arvo Pärt, Sofia Gubaidulina, Luigi Nono und Aribert Reimann gelegt.

++++++ 20.03.2004 ++++++

Weiterentwicklung des Kulturforums beschlossen
Es wird wohl die bisher größte Umgestaltung des Kulturforums. Der Stadtentwicklungssenator Peter Strieder meint, der Kerngedanke der Umgestaltung sei eine fußgängerfreundliche Erschließung des Kulturforums hin zum Potsdamer Platz. Wichtig sei, dabei die Blickbeziehungen zwischen Philharmonie, Nationalgalerie und Staatsbibliothek nicht zu verstellen, gleichzeitig aber die Matthäikirche wieder auf einem eigenen Platz mehr hervorzuheben. An den Rändern solle das Kulturforum mehr Besucher durch Wohnungen, anspruchsvolle Läden und Gastronomie und eventuell Büros anziehen. Diese könnten dann auch nach dem Museums- oder Konzertbesuch hier verweilen. Außerdem sollen die Philharmonie und der Kammermusiksaal einen zweiten Zugang vom Potsdamer Platz her erhalten.

++++++ 14.03.2004 ++++++

Stiftungskoordinator: Georg Vierthaler
Der vorläufige Chef der Stiftung Oper (weiterhin ohne Vorstand, Aufsichtsrat und Generaldirektor) ist Georg Vierthaler, Geschäftsführer der Staatsoper. Er trägt den Titel Koordinator. Ende Februar hielt er Interviews mit der Berliner Zeitung und dem Berliner Morgenpost - hier einige Auszüge.
"Die drei Opern und das Ballett müssen lernen, füreinander und miteinander zu denken. ... Natürlich bleibt es eine Herausforderung, 2009 mit 17 Millionen Euro weniger Zuschüssen auszukommen. Dazu müssen die Einnahmen erhöht werden. Derzeit nehmen die Häuser nur 13 Prozent an der Kasse ein, die Hamburger Staatsoper liegt bei 19 Prozent, wir müssen 20 Prozent schaffen - kein unerreichbares Ziel." (Berliner Zeitung)
"Wir haben das Einverständnis der Generalmusikdirektoren, jedes Orchester wird nur einige wenige Musiker verlieren. Wichtig ist, dass wir zukünftig bei den Dienste-Regelungen zu einer größeren Flexibilisierung kommen. Und wir werden mit den Musikern auch Gespräche über die Tarife führen müssen. Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in Berlin verzichten auf acht bis zwölf Prozent ihres Gehaltes. Darüber werden wir auch mit den Musikern und Choristen sprechen." (Berliner Morgenpost)
Herr Vierthaler, wird es in 15 Jahren noch drei Opernhäuser geben? "Wenn es gelingt, eine höhere Akzeptanz beim Publikum zu erreichen. 750.000 Zuschauer reichen nicht, es müssen 900.000 pro Jahr werden. 50 oder 60 Prozent Auslastung sind inakzeptabel. Es muss erste Pflicht der künstlerischen Leiter sein, volles Engagement zu zeigen, um Publikum zu gewinnen." (Berliner Zeitung)

++++++ 14.03.2004 ++++++

Ein Plan für das Kulturforum
Seit vier Jahrzehnten wird über das Kulturforum - jene Freifläche zwischen Philharmonie samt Kammermusiksaal, Staatsbibliothek, Neue Nationalgalerie, Matthäikirche und Staatlichen Museen - diskutiert. "Wer sich auf die Terrasse der Nationalgalerie ... stellt, wird von Melancholie ergriffen. Die genannten Kulturbauten kommen in den Blick, gewiss; doch zwischen ihnen erstreckt sich schiere Tristesse. Unablässig rauscht der Autoverkehr auf der Potsdamer Straße vorüber. Vor allem aber schieben sich seit dem Bauboom der Neunzigerjahre andere Bauten aufdringlich ins Bild. ... Und zu Füßen der Gebäude - nichts als Pkw-Stellplätze." (Tagesspiegel) "Das heutige Kulturforum ist ein peinliches vorstädtisches Gerummel, für das sich jede halbwegs kultivierte Metropole in Grund und Boden schämen müsste." (Berliner Morgenpost) Einst lag das Kulturforum am Rande West-Berlins im Schatten der Mauer, aber nun ist es mittendrin. Jetzt unternehmen Senat und Abgeordnetenhaus einen neuen Anlauf mit einer Senatsvorlage zur Weiterentwicklung des Areals, um die Ansammlung kostbarer Kulturbauten zu einem attraktiven Ganzen zu vereinen.

++++++ 14.03.2004 ++++++

Amati-Viola zurück nach Sachsen
Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat dem Freistaat Sachsen ein wertvolles Musikinstrument, die Amati-Viola aus dem Jahr 1613, zurückgegeben. Der 1988 gezahlte Preis von 100.000 Euro wird der Stiftung rückerstattet; der heutige Marktwert des Instruments wird höher geschätzt. Die Stiftung betonte, sich zu diesem Schritt aus Respekt vor den historischen Zusammenhängen - nicht aus rechtlichen Gründen - entschlossen zu haben. Die Herkunft des Instruments ist eindeutig belegt: Es handelt sich um ein Produkt der berühmten Geigenbauerwerkstatt von Antonius und Hieronymus Amati aus Cremona. Vermutlich wurde das Instrument von Heinrich Schütz während seiner zweiten Italienreise 1628-29 für die sächsische Kurfürstliche Hofkapelle erworben. In einem Schreiben erklärte Schütz, nur in Cremona erhalte man Instrumente der gewünschten Qualität. Der damalige Preis betrug vier Taler (etwa 200 Euro). In den Wirren des Zweiten Weltkriegs war das Instrument abhanden gekommen.

++++++ 14.03.2004 ++++++

Entscheidung über die Symphoniker
Am 17. März wird im Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses über die Zukunft der Berliner Symphoniker entschieden. Am letzen Donnerstag traf sich die Arbeitgeberseite (Deutscher Bühnenverein, Stiftung Oper in Berlin, Konzerthaus Berlin) mit Vertretern der Deutschen Orchestervereinigung, der drei Berliner Opernorchester und des Berliner Sinfonie-Orchesters zu Tarifverhandlungen. Die mit den Symphonikern solidarischen Musiker verzichten auf 9 Prozent ihres Gehaltes, erhalten dafür einen Freizeitausgleich von zusätzlich 7 Tagen und den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2009. Damit stünden 1,215 Millionen Euro jährlich zur Verfügung - benötigt werden aber 3,3 Mio Euro. Weitere zwei Millionen müssen vom Kultur- und Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses aufgetrieben werden. Kultursenator Thomas Flierl "hat den Schwarzen Abwicklungs-Peter ans Parlament weitergegeben", so die Berliner Morgenpost. Die Bündnisgrünen schlagen vor, "die Zinsen im Haushaltsplan realistisch anzusetzen. Damit können die fehlenden 2,1 Millionen Euro erbracht werden, erklärte Alice Ströver, die kulturpolitische Sprecherin."

++++++ 08.03.2004 ++++++

Autographen von Johann Sebastian Bach restauriert
Die Staatsbibliothek zu Berlin hat 3579 Blätter mit Notenhandschriften des Komponisten Johann Sebastian Bach restauriert. Fast 8000 Notenblätter, also rund 80 Prozent der erhaltenen Bach-Handschriften, lagern in der Bibliothek, der Wert pro Notenblatt wird mit 50.000 Euro angegeben. Ein einzelnes Blatt der Matthäus-Passion läge im Millionen-Bereich, heißt es. Stark geschädigt waren sie durch Tintenfraß, verursacht durch den damals zu hohen Gehalt an Eisengalle in der Tinte, der das Papier durch Oxydation im Lauf der Jahrhunderte zerstörte. Sie wurden behandelt mittels eines speziellen Papierspaltverfahrens, die Notenblätter in Vorder- und Rückseite gespalten und auf Stützblättern mit Gelatine befestigt. Ermöglicht durch 1.100 Spender aus aller Welt kostete die Restaurierung insgesamt 1,8 Millionen Euro.

++++++ 08.03.2004 ++++++

Intendant gesucht
Die Berliner Philharmoniker suchen schon seit dem Abgang von Franz Xaver Ohnesorg Ende 2002 einen neuen Intendanten. Zur Zeit führt Simon Rattle die Geschäfte der Philharmoniker gemeinsam mit dem Orchester und dem Verwaltungsdirektor des Hauses: "ein toller Crash-Kurs in Sachen Betriebswirtschaft", wie er meint. Peter Riegelbauer, Kontrabassist und Orchestervorstand, sagt, dass die Findungskommission mit über 100 Bewerbern Kontakt aufgenommen habe; bis zum Juni soll ein Name bekannt gegeben werden. Eine wichtige Aufgabe für einen neuen Intendanten: Zum Jahreswechsel 2005 muss der Zuwendungsvertrag mit dem Land Berlin neu verhandelt werden, da der derzeitige Zuschuss von der Lottostiftung von 1,176 Millionen Euro pro Jahr wegfällt.

++++++ 08.03.2004 ++++++

Opernstiftung in der New York Times
Am 2. März schrieb Alan Riding einen Artikel zur neuen Opernstiftung unter dem Titel "A New Act in Berlin's Opera Wars" für The New York Times. Er zitiert aus Daniel Barenboims Interview mit Die Zeit aus dem Dezember 2003: "Maestro Barenboims größte Sorge ist, dass die Stiftung nicht die künstlerische Selbständigkeit jeden Hauses respektieren wird. In dem Moment, wo Sie einen Generaldirektor ernennen, der Verantwortung für drei Häuser hat, werden die Beteuerungen unglaubwürdig, dass man ein eigenes Profil der Häuser behalten wolle. Sie werden am Ende nicht mehr drei Häuser haben, sondern nur noch ein Haus mit drei Bühnen.
"Dennoch ist ein häufiger Kritikpunkt gewesen, dass es den Häusern an klaren Identitäten mangeln. Es gab, zum Beispiel, häufige Verdopplung in der Programmierung, einschließlich einer berühmten Nacht, an der alle drei Mozarts Hochzeit des Figaro präsentierten. Es ist von daher wahrscheinlich, dass die Stiftung die Häuser dazu ermuntern wird, unterschiedliche Profile zu entwickeln. Zur Zeit sind die Spielpläne der Deutschen Oper und der Staatsoper austauschbar, sagte Frau Barbara Kisseler, Untersekretärin für Kultur, die die Reformen überwacht. ... Im Hinblick auf die projizierten roten Zahlen der Stiftung ab 2007, meinte Frau Kisseler, dass es viel Gelegenheit gäbe, die Effizienz in nicht-künstlerischen Bereichen und den Umsatz an der Kasse zu erhöhen. Wir benötigen zentralisierte künstlerische Vermarktung, um die Häuser voll zu belegen, sagte sie. Im Augenblick gibt es nicht einmal einen zentralen Kartenverkauf. Bisher interessierte sich jedes Haus nur für sich selbst. In der Zukunft müssen wir den Interessen von Oper insgesamt in Berlin dienen."

++++++ 08.03.2004 ++++++

Flierl verlangt 8 Mio € Einsparungen
Stefan Kirschner schreibt in der Berliner Morgenpost, dass eine Einsparsumme von mehr als acht Millionen Euro bis 2007 vom Kultursenator Thomas Flierl verlangt wird. "Um dieses Ziel zu erreichen, reicht dem Senator nicht die Abwicklung der Berliner Symphoniker. Wer gestern auf die Zwischentöne [im Kulturausschuss des Berliner Senats] gehört hat, muss sich um das BSO sorgen. Abwicklung oder Integration in die ROC [Rundfunk-Orchester und -Chöre Gmbh] mit anschließender Fusion - das scheint für das Hausorchester des Konzerthauses mal wieder die Frage zu sein."
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++++++ 06.03.2004 ++++++

"Ein hoffnungsloser Optimist" - Ein Interview mit Simon Rattle
Wolfgang Fuhrmann der Berliner Zeitung hielt ein Interview mit Simon Rattle, Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker. Dabei machte Sir Simon einige interessante Aussagen zur Kultur- und Musikszene Berlins. Klassik-in-Berlin veröffentlicht hier einige Auszüge; das vollständige Interview finden Sie bei www.berlinonline.de.

"Ich habe das Gefühl, dass sogar bei all den finanziellen Problemen [in Berlin] ein Wille besteht, die Kultur zu erhalten. Natürlich ist die Stadt seit langem bankrott - aber nicht in den Künsten. Nicht alle Institutionen können überleben, das ist seit langem klar, aber die musikalische Vielfalt dieser Stadt ist wirklich wichtig. Vielleicht bin ich auch nur ein hoffnungsloser Optimist. ... Die künstlerische Vielfalt Berlins ist einer der Gründe, warum die Leute hierher kommen und hier leben wollen. ... Die Idee der public-private-Partnerschaft ist in England und Amerika schon lange etabliert, und auch hier werden sich die Dinge ändern müssen."

Gefragt wie sich das Spiel des Orchesters in letzter Zeit verändert hat, meint Rattle: "Sie sind mit so vielen neuen Ideen konfrontiert worden - neue Wege der Programmkonzeption, neue Arten, zu spielen, das neue Education Projekt - und was ich an ihnen so liebe, ist diese Generosität, mit der sie sagen: Her damit! ... Ich kam hierher und fürchtete, das Orchester würde sich darüber beschweren, dass ich zuviel probe. Statt dessen kommen sie zu mir und sagen: "Wir brauchen dafür mehr Zeit".

Zur immer wiederkehrenden Frage eines neuen Intendanten für die Philharmoniker:
"Ich denke, es ist nicht so kompliziert, diese Organisation zu leiten, denn sie ist voller engagierter Leute. Aber es braucht eine sehr spezielle Person, um so eine Demokratie zu leiten. Denn das ist sie wirklich; und Teil meiner Aufgabe, als ich hierher kam, war, diese demokratischen Tendenzen zu ermutigen. ... Es gab eine Reihe wirklich sehr interessanter Kandidaten, und es gibt sie noch. Und ich bin sehr optimistisch, dass wir jemanden finden werden - obwohl ich das vor neun Monaten auch schon gesagt habe. Wir brauchen jemanden, der uns in so vieler Weise helfen muss. Nicht zuletzt, um herauszufinden: Was ist ein Orchester in diesem neuen Jahrhundert? Was sollen wir in zehn, zwanzig Jahren tun? Was ist unsere Stellung in der Welt, in dieser Stadt? Wie können wir dabei helfen, die Probleme der Kunst in dieser Stadt zu bewältigen?"

++++++ 03.03.2004 ++++++

Neuigkeiten von Berliner Dirigenten
Ab der Saison 2006/07 wird Kent Nagano Chefdirigent Orchestre Symphonique de Montréal, das bis 2002 von Charles Dutoit geleitet wurde. Sein Vertrag mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin läuft zu dem Zeitpunkt aus, aber er wird das Orchester in den Spielzeiten 2006/2007 und 2007/2008 in jeweils vier Konzertprojekten dirigieren. Weiterhin leitet er die Oper von Los Angeles und wird dort im Jahre 2006 eine neue Produktion des Ringzyklus von Wagner eröffnen. Im selben Jahr übernimmt er die Leitung der Bayerischen Staatsoper von Zubin Mehta. In den letzten Monaten war Nagano des Öfteren als potentieller Nachfolger zu Daniel Barenboim beim Chicago Symphony Orchestra und sogar zu Lorin Maazel mit dem New York Philharmonic im Gespräch.

Nach fünfzehn Jahren gibt Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Staatsoper Berlin, seine Stelle als Leiter des Chicago Symphony Orchestra am Ende der Saison 2005/06 auf. Er betonte die anhaltenden Konflikte mit Verwaltung und Treuhändern in Bezug auf die "nicht künstlerische" Seite des Direktorenpostens. In Interviews mit der Chicago Tribune und der Chicago Sun-Times, wird er mit den Worten zitiert: "In Amerika wird es erwartet, dass der Musikdirektor häufiger anwesend ist, als bei mir es der Fall war. Wegen finanzieller Schwierigkeiten und auch aufgrund der verminderten Rolle der klassischen Musik wird erwartet, dass Musikdirektoren viel im Zusammenhang mit Spendenbeschaffung und sozialen Aktivitäten tun. Mit zunehmenden Alter habe ich weniger Interesse und weniger Geduld mit Management- und administrativen Problemen. Ich habe weder die Energie noch die Zeit, solch zusätzlichen Verantwortlichkeiten zu übernehmen."

++++++ 18.02.2004 ++++++

Das MoMA und die Philharmoniker
Vom 20. Februar bis 19. September gastiert das MoMA, das Museum of Modern Art, aus New York in der Berliner Neuen Nationalgalerie. Gezeigt werden die 200 bedeutendsten Gemälde und Skulpturen von den späten Impressionisten über Werke der klassischen Moderne bis hin zur zeitgenössischen Kunst (Edward Hopper, Willem de Kooning, Roy Lichtenstein, Paul Cézanne, Marc Chagall, René Magritte, Auguste Rodin, Pablo Picasso, Wassily Kandinsky, Salvador Dali, Vincent van Gogh und Barnett Newman).

Insgesamt 93 Veranstaltungen rund um dieses kulturelle Highlight stehen unter dem Titel "american season 2004". Den Anfang machen am 19. Februar die Berliner Philharmoniker mit John Adams "Century Rolls" für Klavier und Orchester.

Mehr Informationen zur Ausstellung unter www.das-moma-in-berlin.de.

++++++ 12.02.2004 ++++++

Hauptstadtkulturfonds 2004
Die Gemeinsame Kommission für den Hauptstadtkulturfonds hat über die Projektförderungen für das Jahr 2004 beschlossen. 103 von insgesamt 405 Projekteinträgen wurden mit einem Gesamtvolumen von rund 5,1 Mio. Euro berücksichtigt. Die geförderten Projekte mit einem Bezug zur Musik sind Beiträge zu zeitgenössischen Opernproduktionen in Kooperation mit der Komischen Oper und der Staatsoper und zur Präsentation zeitgenössischer irakischer und palästinensischer Musik. Andere interessante Projekte sind u.a. eine Würdigung von Heiner Müller, eine Übersichtsausstellung japanischer Archäologie und ein Symposium über den Status des Politischen in aktueller Kunst und Kultur.

++++++ 02.02.2004 ++++++

Die Zahl der Profimusiker sinkt
Die Zahl der fest angestellten Profimusiker in deutschen Orchestern ist in den vergangenen 24 Monaten um 120 Planstellen auf 10325 Instrumentalisten gesunken. Dessen ungeachtet gab es einen Besucherzuwachs von durchschnittlich 3,9 Prozent.

++++++ 30.01.2004 ++++++

Die Berliner Festwochen strukturieren um
Die Berliner Festwochen unter der Verantwortung vom Leiter Joachim Sartorius waren öfter heftige Kritik unterworfen ("zu unspektakulär, zu lang, zu undifferenziert", Berliner Morgenpost, 24.01.2004; "enttäuschte Kritiken, vernichtende Rückblicke, mangelndes Publikumsinteresse und öffentliche Rüffel der Kulturstaatsministerin", Berliner Zeitung, 24.01.2004). Als Reaktion darauf werden sie im Herbst 2004 durch "spielzeiteuropa" und ein internationales Orchesterfest abgelöst. Der räumliche Schwerpunkt wird auch mehr auf das Haus der Berliner Festspiele in der Schaperstraße gelegt. Von Mitte November bis Januar präsentiert "spielzeiteuropa" europäische Gastspiele und Koproduktionen mit Berliner Ensembles, bis zu 15 Produktionen. Im kommenden Winter liegt der Schwerpunkt auf den Niederlanden. Das Orchesterfest wird in Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern entstehen. Laut Sartorius wollen sie Starorchester, exquisite kleinere Formationen und auch "ein großes Operngastspiel" in die Stadt holen. Und zum Schwerpunkt zeitgenössisches Musiktheater: Fest terminiert für September 2004 sind Uraufführungen von Interzone von Enno Poppe, das Libretto basiert auf einem Roman von William Burroughs, und Bérenice von Johannes Maria Staud nach einem Libretto von Durs Grünbein.

++++++ 17.01.2004 ++++++

roc
Die Rundfunk-Orchester und -Chöre (roc) GmbH, die Dachorganisation für Deutsches Symphonie-Orchester, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, RIAS Kammerchor und Rundfunkchor wurde 1994 gegründet. Bisher wurde die Finanzierung unter dem Bund (35%), Deutschlandradio (40%) - das viele der Konzerte zum internationalen Vertrieb aufnimmt, Berlins staatlichem Radiosender Radio Berlin-Brandenburg (RBB: 5%) und dem Land Berlin (20%) aufgeteilt. Anfang wurde Januar wurde angekündigt, dass der Bundeshaushalt für Kultur ihren Zuschuss um 1,5% im kommenden Jahr und um 3% in 2005 kürzt. Dann werden die anderen drei Gesellschafter mit eigenen Kürzungen um den gleichen Faktor nachziehen. Somit sinkt der Gesamtetat 2005 um fast eine Millionen Euro. Die vier Ensembles beschäftigen 360 Leute.

++++++ 17.01.2004 ++++++

Beschäftigte widersprechen Übernahme in Operstiftung
Wie geplant trat die Opernstiftung am 1. Januar 2004 in Kraft. Zahlreiche Beschäftigte der drei Berliner Opernhäuser haben der Übernahme in die Stiftung widersprochen. Kultursenator Thomas Flierl reagierte mit einer mit "Theaterdonner in der Opernstiftung" überschriebenen Pressemitteilung: der Übergang aller Arbeitsverhältnisse auf die Stiftung sei gesetzlich angeordnet worden, und ein solcher Übergang sehe kein Widerspruchsrecht vor.

++++++ 17.01.2004 ++++++

Opernauslastung
Die Staatsoper unter den Linden verkaufte 277.000 Karten im Jahre 2003, bei der Deutschen Oper waren es nur knapp weniger: 276.831. Allerdings hat die Deutsche Oper 470 Plätze mehr pro Abend zu füllen. Somit hatte die Deutsche Oper eine Auslastung von 67 Prozent während die Staatsoper auf 80 Prozent kam.

++++++ 17.01.2004 ++++++

Komische Oper
Per Boye Hansen, ehemals Künstlerische Betriebsdirektor der Komischen Oper Berlin, wurde Operndirektor des Hauses im September. Er wirkt im dreiköpfigen Leitungsteam zusammen mit Andreas Homoki, kommissarischer Intendant und Chefregisseur und Kirill Petrenko, Generalmusikdirektor. In einem Interview mit der Berliner Morgenpost betonte der Norweger, dass er die Komische Oper "in einer glücklichen Position" sieht, da führende Regisseure bessere Bedingungen an seinem Hause als an anderen haben. Ausdrücklich weist er auf die Regisseure Peter Konwitschny, Willy Decker und David Alden hin. In seiner Funktion als Castingchef betrachtet er sich als Stimm-Entdecker: In den letzten zwei Jahren hat er ein junges Ensemble mit Soloisten aus dreizehn Ländern zusammen gesucht.

++++++ 01.12.2003 ++++++

ClassicCard - Die Karte für junge Leute

ClassicCard

Konzert, Oper und Ballett, Klassik und Jazz, vom Barock bis zur Moderne - die ClassicCard bietet alles. Jeder unter 28 kann die ClassicCard für einmalig 25 Euro erwerben und damit bei den teilnehmenden Veranstaltern auf den besten Plätzen Konzerte für nur acht Euro sowie Oper und Ballett für nur zehn Euro genießen.

Das ClassicCard-Netzwerk besteht aus: Berliner Festspiele, Berliner Symphoniker, Deutsche Oper Berlin, Komische Oper Berlin, Konzerthaus Berlin, Staatsoper Unter den Linden und die Ensembles der roc berlin (Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin, RIAS-Kammerchor und Rundfunkchor Berlin).

Die Karte ist ab dem individuellen Wunschtermin zwölf Monate gültig und kann in diesem Zeitraum beliebig oft für die Veranstaltungen der ClassicCard-Partner eingesetzt werden. Der Kartenkauf mit der ClassicCard gilt nur an der Abendkasse in Verbindung mit aktuellem Personalausweis. Sie ist für alle Eigenveranstaltungen der ClassicCard-Partner gültig, der Eintritt zu Gastveranstaltungen kann leider nicht vergünstigt werden. Die ClassicCard ist nicht übertragbar.

Die ClassicCard kann telefonisch unter 030 203545-55 oder per Fax unter 030 202987-29 bestellt werden. Außerdem können Sie Ihre Bestellung auf dem Postweg an roc berlin, Team ClassicCard, Charlottenstraße 56, 10117 Berlin senden oder im Internet unter www.classiccard.de aufgeben.

++++++ 27.10.2003 ++++++

Opernstiftung, Teil II
Die heißen Diskussionen halten an. Letzte Woche schlug die Opposition vor, eine eigenständige Bundesstiftung für die Staatsoper Unter den Linden aufzubauen. Die nationale Bedeutung der Staatsoper wurde mit La Scala in Mailand und die Wiener Staatsoper in Österreich verglichen. Angela Merkel der CDU meint, "Es geht um Deutschland und eines seiner Aushängeschilder." Es wird für historisch bedeutsam gehalten, dass das Opernhaus eine Schöpfung Preußens war und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs vom Königreich bzw. Land Preußen bezahlt wurde, dass die DDR dieses Erbe selbstverständlich antrat - und dass die Bundesregierung dieses Problem im Eifer des Einigungsprozesses ungelöst ließ. Die FDP betont, dass Privatpersonen und Unternehmen zu Zustiftungen einer neuen Nationaloper bereitstünden, allerdings aber nicht in eine undurchschaubare Stiftung für alle drei Opernhäuser einzuzahlen. Dies scheint ein politisch motivierter Schritt, um den von der Bundesregierung und Christina Weiss vertretenen Aufbau einer Stiftung im letzten Augenblick doch noch zu verunsichern.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di begrüßte den Vorschlag als "ein gangbarer Weg, allen drei Opernhäusern in Berlin eine gesicherte und langfristige Perspektive zu geben." Die Reaktion von Christina Weiss, Kulturstaatsministerin: "Das Verlangen nach einer Bundesoper ist ein kulturpolitisches Armutszeugnis. Es ist die teuerste aller denkbaren Möglichkeiten und würde das Aus für die Operntrias in der Hauptstadt bedeuten."

++++++ 26.10.2003 ++++++

Ein neuer Wind
Es weht ein neuer Wind für Orchestermusiker: Der Deutsche Bühnenverein beabsichtigt, die Priviligien der Musiker gegenüber anderen Theatermitarbeitern abzubauen. "Künftig sollen Musiker, die in ihrem eigenen Orchester weniger Dienst tun als vertraglich vorgesehen, an andere Orchester ausgeliehen werden können. Wie bei Schauspielern, Sängern und Tänzern sollen nach dem Willen des Bühnenvereins auch bei Musikern befristete Arbeitsverträge die Regel werden." [dpa]

Christina Weiss, Kulturstaatsministerin, zu den vorgeschlagenen Änderungen im Tarifvertrag der Orchestermusiker: "Der radikale Umbau unserer Kulturgesellschaft verlangt auch von Musikern den Abschied von einer weltfremden Verwöhnlandschaft. Privilegien und geldwerte Vorteile müssen abgebaut werden, soll die Orchesterlandschaft eine Zukunft haben. Das finanzielle Anspruchsdenken sollte zur wirtschaftlichen Lage eines Staates in einem gesunden Verhältnis stehen."

++++++ 13.10.2003 ++++++

Subventionen
Innerhalb der nächsten fünf Jahre reduziert das Land Berlin die Subventionen für Orchester um mehr als 25%. Dies wird im Rahmen der mittelfristigen Finanzplanung der Stadt in Bezug auf der finanziellen Notlage und dem anhaltenden Rechtsstreit der Stadt um höhere Unterstützung vom Bund stattfinden. Derzeit unterstützt das Land Berlin die Symphonieorchester jährlich mit 38 Mio. Euro, davon sollen etwa 9 Mio. Euro bis zum 2008 gestrichen werden.

++++++ 13.10.2003 ++++++

Berliner Symphoniker
Seit die zwei Hälften Berlins wieder vereinigt sind, besitzt die Stadt 8 Orchester, einschließlich drei an den Opern. Berlins kleinstes Orchester - die Berliner Symphoniker haben nur 52 Mitglieder - ist von der Auflösung bedroht. Berlins Kultursenator, Thomas Flierl, gab bekannt, dass die gesamten Subventionen von 3.3 Mio. Euro gestrichen werden, und dass das Orchester bis zum Sommer 2004 ganz aufgelöst werden soll. Das Orchester hat sich auf Jugendarbeit spezialisiert und hat viele loyale Abonnenten. Da sie in den letzten zehn Jahren bereits um nahezu 20 Stellen reduziert haben, fehlen Bruckner und Mahler Symphonien auf ihrem Spielplan. Sie konzentrieren sich auf das traditionellere Repertoire, wie z.B. Mozart, Beethoven und Brahms, und überlassen den größeren Orchestern die modernen Experimente. Orchesterleiter Jochen Thärichen nennt sie "das Orchester für das kleine Portemonnaie" - dies in Bezug sowohl auf die Kartenpreise als auch auf das Einkommen der Orchestermusiker.

++++++ 13.10.2003 ++++++

40. Geburtstag der Philharmonie
Berlins Philharmonie feierte kürzlich im großen Stil seinen 40. Geburtstag. Beim Bau des Hauses war es ganz schön mutig, ein dramatisches, neues Gebäude direkt vis-a-vis der Berliner Mauer an der Endhaltestelle zu bauen. Vielleicht war der Bau prophetisch: nach der Vereinigung wurde der Standort das Zentrum der neuen Stadt. Hans Scharouns Saal passt gut zu den anderen am Potsdamer Platz gebauten modernen Architekturprojekten. Und heutzutage werden die Hintertüren genau so oft benutzt wie der Vordereingang.

++++++ 13.10.2003 ++++++

Opernstiftung
Der Kulturausschuß des Berliner Abgeordnetenhaus hat den Gesetzesentwurf zur Gründung einer am 1. Januar in Kraft zu tretende Opernstiftung für die Opernhäuser Berlins diskutiert. Christina Weiss, Staatsministerin für Kultur und Medien, hat die grundsätzlichen Ziele der Stiftung wie folgt beschrieben:
  • Die Berliner Opern werden als wirtschaftlich eigenständige und künstlerisch autonome GmbH's unter dem Dach einer Stiftung geführt.

  • Die Häuser sollen moderne Betriebsstrukturen entwickeln. Auf diese Weise wird ein Modell geschaffen, das beispielgebend auch für andere Bundesländer und Kommunen ist.

  • Der Stiftungsrat und die Aufsichtsräte werden möglichst staatsfern und mit Experten und Multiplikatoren besetzt.

  • Die Opernhäuser erhalten zeitgemäße Tarifregelungen, die den spezifischen Bedingungen eines Bühnenbetriebes Rechnung tragen.

  • Die Bühnen selbst müssen die Verantwortung für Erfolg und Misserfolg tragen. Querfinanzierungen sind unbedingt auszuschließen.

Ein schwieriges Thema ist die Position des Generaldirektors, der die finanzielle - aber nicht künstlerische - Verantwortung für die gesamte Stiftung trägt, ausgestatten mit einem Vetorecht gegenüber den Intendanten der drei Opern. Ebenfalls heikel ist die Gründung einer Tanztruppe. Die Komische Oper hat Anfang September seine 22 Tänzer, den Ballettdirektor und den Ballettmeister entlassen. Beabsichtigt ist die Zusammenstellung einer Tanztruppe aus den bestehenden Mitglieder der Balletttruppen der Deutschen Oper und der Staatsoper. Ein drittes schwieriges Thema ist der riesige Betrag von bis zu 100 Mio Euro, der für die Sanierung der Staatsoper dringend benötigt wird. Die lauteste Gegenstimme zur Stiftung kommt von Peter Mussbach, dem Intendanten der Staatsoper, der einen "Kampf um Geld und Kompetenzen" vorhersagt. Ein Großspender zur Staatsoper hat schon angekündigt, dass er keinen weiteren Cent beitragen wird, sollte das Stiftungsgesetz unverändert verabschiedet werden.

++++++ 13.10.2003 ++++++

Ärgernis des Jahres
Die monatliche Glanzzeitschrift Opernwelt, Deutschlands wichtigste Opernzeitschrift, hat Frankfurts Oper zum "Opernhaus des Jahres" ernannt. Berlins Opernhäuser bekamen aufgrund ihrer Leitung und der allgemeinen Kulturfeindlichkeit der Berliner Stadtpolitik den Titel "Ärgernis des Jahres". Die Zeitschrift schrieb, dass die Komische Oper unter dem neuen Intendanten Andreas Homoki einige Fiaskos in Folge gehabt hat; dass die neuen Produktionen der Staatsoper nicht gut ankamen; und dass bei der Deutschen Oper Generalmusikdirektor Christian Thielemann "überschätzt" wird. Frankfurts Oper wurde für die Anzahl der Premieren (acht szenische Produktionen) un Belcanto-Aufführungen sowie für die Übertitel bei jeder Aufführung (auch die deutschsprachigen) gelobt.

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